• Europakrise: Ein Haufen Material für Künstler

    Was passiert, wenn alles zusammenbricht? Es gibt Chaos, Menschen gehen aufeinander los. Oder aber: Kreative Prozesse werden in Gang gesetzt. Der in Peru geborene Künstler Jota Castro sieht vor allem Letzteres, wenn er die aktuelle Europakrise in den Blick nimmt.

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    Dieser Moment der Krise ist unglaublich schwierig für die Menschheit, gleichzeitig aber auch extrem interessant für kreative Prozesse. Die Krise schafft einzigartige Bedingungen für Kreativität. Und Europa ist ein großer Haufen an Material für mich. Jeden Tag finde ich irgendeine Problematik, mit der ich mich beschäftigen, auf die ich reagieren kann. Die Wirtschaftskrise, das Ende des Systems – das ist der Moment, in dem du für etwas kämpfen musst.

    Ich frage nie jemanden „Wo kommst du her?“ Ein guter Künstler ist ein guter Künstler, egal welche Hautfarbe oder Nationalität er hat. Das Wichtigste ist, dass wir alle zusammen weitermachen und akzeptieren müssen, mit all den Problemen zusammen zu leben.

    Ich glaube, die Europäische Union ist eine der wichtigsten Ideen, die im letzten Jahrhundert entstanden sind. Obwohl es komisch erscheint, dass die interessanteste, intelektuellste Idee eines Jahrhunderts eine administrative Organisation ist, war das tatsächlich die beste Antwort, die man auf die Probleme dieser Zeit hätte finden können. Aber jetzt kommen wir zu einem Punkt, an dem dieses System an seine Grenzen stößt.

    Ich bin kein Liberaler. Ab einem gewissen Punkt ist der Drang nach Liberalismus so groß, dass wir den Gemeinsinn vergessen und uns nicht mehr gegenseitig schützen können. Dann wird den Menschen immer nur noch mehr Konsum geboten, mehr Möglichkeiten, ihr Geld auszugeben.

    Zeitgenössische Kunst ist seltsam. Du wirst nicht mehr als 200 farbige Personen finden, die auf internationaler Ebene in diesem Betrieb arbeiten. Von daher kann man schon auf die Idee kommen, dass unsere Welt komplett weiß ist. Aber das stimmt nicht. Manchmal, wenn ich mit Museen oder Institutionen arbeite, sind die einzigen Menschen, die so aussehen wie ich, die Menschen, die mir helfen, meine Werke aufzuhängen. Das Publikum ist die Mittelschicht. Das ist mir bewusst. Aber du hast nur zwei Möglichkeiten. Ich sage nichts, weil ich Teil des Marktes bin.

    Europa bedeutet Migration

    Es gibt nicht mehr ein Europa. Im Vergleich zur Zeit der Entstehung der Europäischen Union haben wir jetzt ein anderes Verständnis von Europa. Ein wichtiger Weg, Europa zu verstehen, ist die Migration zu verstehen. Wir haben Schengen erfunden als Reaktion auf die Angst der Gesellschaft vor all den Menschen, die ankommen könnten. Dabei brauchen wir sie, wir brauchen Migration.

    Meine künstlerischen Arbeiten wie „London Calling“ (siehe oben) richten sich nicht gegen Europa. Vielmehr geht es um Probleme, die auf der ganzen Welt wichtig sind. Ich kritisiere viele Lebensstile, nicht unbedingt Europa. Das hier ist eine Art Spielplatz zum Experimentieren für neue Wege, eine Ökonomie zu denken und zu interpretieren, für neue Wege, darin zu leben.

    Anm.d.Red.: Der Beitrag protokolliert ein Video-Interview der Berliner Gazette Redaktion mit dem Künstler. Das Bild oben zeigt die Arbeit „London Calling“, die in seiner aktuellen Ausstellung bis zum 26.5. in der Berliner Galerie Barbara Thumm zu sehen ist. seiner Hier weitere Info.


1 Kommentar zu Europakrise: Ein Haufen Material für Künstler

  • europe is not an invention but an economic transformation, not an identity of a new people ... takes time .. time to understand where and how we want andandare .. for the moment preparing projects then I'll let you know if ... this crisis should protract find space for a cow milk is always good ......

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