FRIENDLY FIRE · Wie können wir die Staatsbürgerschaft demokratisieren? · Videos, Projekte, Texte, Audios · BG°2017-Projekt

Was bedeutet es heute für einen Menschen, Bürger*innen zu werden? Was bedeutet es für Bürger*innen und Nicht-Bürger*innen gleichermaßen, zu politischen Akteur*innen in Bereichen des Widerstands zu werden? Solche Fragen treten besonders dringlich in den Vordergrund, wenn – wie in der Gegenwart – Konflikte mit außergewöhnlicher Heftigkeit aufflammen. Diese Entwicklung ausnutzend, propagieren rechtspopulistische Kräfte Realitätsflucht und Kriegstreiberei – und führen damit zu gescheiterten Bürger*innen und gescheiterten Staaten. Im Gegensatz dazu versuchte die FRIENDLY FIRE-Konferenz zu ergründen, wie wir Konflikte annehmen können, um Gesellschaften demokratischer zu gestalten. Zunächst untersuchte das Projekt einen wichtigen Schauplatz heutiger Konflikte: die Politik der Staatsbürger*innenschaft. Gemeinsam mit dem ZK/U lud die BG | berlinergazette.de Forscher*innen, Aktivist*innen, Programmierer*innen und Journalist*innen aus mehr als 25 Ländern ein. Sie führten fruchtbare Debatten und arbeiteten produktiv zusammen. Die Ergebnisse werden im Folgenden vorgestellt.

I. Dokumente

Willkommen

Im Rahmen der FRIENDLY FIRE-Konferenz empfing die BG | berlinergazette.de 450 Teilnehmer*innen, die sich drei Tage lang mit der Politik der Staatsbürger*innenschaft auseinandersetzten. Hier präsentieren wir unsere Ergebnisse in Form von Projekten, Audioaufnahmen, Videos und Fotos. Am Ende dieser Seite finden Sie das Konferenzprogramm sowie weitere Informationen zum Projekt.

Videos, Projekte, Audios

Wir präsentieren die Konferenzunterlagen in vier Rubriken: Die Rubrik ‚Videos‘ enthält Eindrücke von den drei Tagen sowie Videointerviews mit Konferenzgäst*innen. Die Rubrik ‚Projekte‘ präsentiert die Ergebnisse der fünf Workshops: crossmediale Geschichten, Positionspapiere und fiktive Produkte. Die Rubrik ‚Audios‘ umfasst Aufzeichnungen der Keynotes und Diskussionen. Und die Rubrik ‚Texte‘ stellt ausgewählte Interviews und Essays sowie ein Buch vor, das wir im Rahmen dieses Projekts herausgegeben haben.

Fotos

Die Fotos im Dokumentationsbereich dieser Seite wurden während der FRIENDLY FIRE-Konferenz aufgenommen. Es gibt noch weitere Bilder, die viele Aspekte der Veranstaltung festhalten, darunter die Performances, ein gemeinsames Koch-Event und einige der Mittagsspaziergänge! Wir haben sie in einem Flickr-Album zusammengestellt. Klicken Sie auf den folgenden Link, um alle Bilder anzusehen: http://flic.kr/s/aHskTUjuh5

II. Videos

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Zusammenfassung der Konferenz

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James Bridle (Künstler + Autor)

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Jennifer Kamau (Aktivistin)

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Valentina Pellizzer (Aktivistin)

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Eleanor Saitta (Programmiererin)

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Ingo Günther (Künstler)

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Felicity Scott (Historikerin)

III. PROJEKTE

(Nicht-)Zugehörigkeit

Was bedeutet es heute, staatenlos zu sein, wenn unsere gesamte Welt vom Konzept des Nationalstaates durchdrungen ist? Es gibt verschiedene Formen der Staatenlosigkeit: Manche Menschen sind gewaltsam staatenlos geworden, andere haben ihre Staatsbürger*innenschaft freiwillig aufgegeben. In manchen Fällen fühlen sich Menschen staatenlos, weil sie sich nicht mit dem Staat identifizieren, dem sie angehören, oder weil der Staat, dem sie gerne angehören würden, vielleicht gar nicht existiert. In diesem Multimedia-Essay hat eine Gruppe von Journalist*innen, Programmierer*innen und Aktivist*innen verschiedene Aspekte der Staatenlosigkeit beleuchtet. Was ist das eigentlich? Und profitiert irgendjemand davon? Schauen Sie sich ihr Projekt an, indem Sie hier klicken.

Bioradikal

Heute werden biometrische Technologien als unfehlbare und unanfechtbare Verifizierer der Wahrheit über eine Person angepriesen – als ultimative Garanten der Staatsbürger*innenschaft. Eine Gruppe von Programmierer*innen, Künstler*innen, Journalist*innen, Kulturschaffenden und Aktivist*innen nahm diese Propaganda für bare Münze und gründete ein fiktives Start-up namens Bioradical. Hier werden alle Visionen der biometrischen Revolution verdreht und auf den Kopf gestellt, um ein radikal dystopisches Modell der Staatsbürger*innenschaft zu schaffen. Ihr ultimativer Slogan: „Vergiss die Grenze. Tritt ein in die Bio-Ordnung.“ Schauen Sie sich ihr spielerisches Projekt hier an.

Mutantenstadt

Der/die Bürger*in als jemand, der/die politisch und wirtschaftlich an einer städtischen Gemeinschaft teilhat – diese Vorstellung spiegelt sich im französischen Wort ‚citoyen‘ (Bürger) wider, das sich von ‚cité‘ (Stadt) ableitet. Doch wie könnte eine Stadt aussehen, in der eine solche Vorstellung von Bürger*innenschaft verwirklicht werden kann? Wie würde sie gestaltet sein? Eine Gruppe von Forscher*innen, Kulturschaffenden und Aktivist*innen hat Visionen für eine Stadt erörtert, die eine partizipative, basisdemokratische und egalitäre Bürger*innenschaft ermöglicht. Entdecken Sie den gedanklichen Zusammenhang zwischen ‚citoyen‘ und ‚cité‘ neu und begeben Sie sich auf eine Reise in die Träume der utopischen Stadt, indem Sie hier klicken.

‚Richtige Papiere‘ neu denken

Die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen und politischen Teilhabe sind in westlichen Gesellschaften ungleich verteilt: Was bedeutet es, dieses Problem aus der Perspektive von Menschen zu betrachten, die systematisch benachteiligt werden, weil sie nicht über die ‚richtigen Papiere‘ verfügen (wie beispielsweise Asylsuchende)? Wie kann man eine neue Perspektive auf dieses Problem gewinnen, indem man den Begriff der politischen Akteur*innen überdenkt und Staatsbürger*innenschaft neu definiert? Eine Gruppe von Aktivist*innen und Künstler*innen hat sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt und eine Reihe von Ideen, Gedanken und Fragen entwickelt. Schauen Sie ihre Ergebnisse an, indem Sie hier klicken.

X-Ship

Unser Leben offline und online ist untrennbar miteinander verbunden, sodass heutzutage die Staatsbürger*innenschaft untrennbar mit der digitalen Staatsbürger*innenschaft verbunden ist. Unternehmen und Regierungen sammeln Daten über uns, unsere Aktivitäten, unsere Vorlieben usw. – all diese Daten ermöglichen eine Klassifizierung der Bürger*innen, etwa danach, ob jemand ein/eine ‚guter Bürger*in‘ und ein/eine ‚kreditwürdige*r Bürger*in‘ ist oder nicht. Und letztendlich, ob jemand ein/eine ‚Bürger*in oder Nicht-Bürger*in‘ ist. Vor diesem Hintergrund hat eine Gruppe von Künstler*innen, Journalist*innen, Kulturschaffenden, Programmierer*innen und Aktivist*innen ein utopisches Modell für digitale Bürger*innenschaft namens X-Ship entwickelt. Schauen Sie sich ihr spielerisches Projekt hier an.

IV. Audios

Datengesteuerte Zustände entschlüsseln

„Es gibt nur Leben und Macht, kein digitales und kein nicht-digitales Leben und keine digitale und keine nicht-digitale Macht“, wie die Hackerin und Politikwissenschaftlerin Eleanor Saitta in ihrem Gespräch mit dem Künstler und Autor James Bridle betonte. Um sich ihr Gespräch anzuhören – moderiert von Anna Sauerbrey –, klicken Sie bitte auf die Wiedergabetaste unten.

Kommerzialisierung von Staatenlosigkeit

„Die Kommerzialisierung der Staatsbürgerschaft stellt eine große Gefahr für das politische Leben dar“, erklärte die Journalistin Atossa Abrahamian, und der Künstler Ingo Günther diskutierte diese Tendenz mit der Aktivistin Jennifer Kamau. Um das Gespräch – moderiert von Harsha Walia – anzuhören, klicken Sie auf die Wiedergabetaste.

Strategische Machtverschiebungen

„Kritik an der Polizei kann von mächtigen Akteuren vereinnahmt werden“, wie die Architekturhistorikerin Felicity Scott bei der Erörterung alternativer Modelle der Bürgerschaft feststellte. Um ihren Vortrag – moderiert von Valentina Pellizzer – anzuhören, klicken Sie bitte auf die Wiedergabetaste unten.

V. Texte

Interviews + Essays

Bitte lesen Sie die folgenden Interviews und Essays der Hauptredner*innen der Konferenz: Atossa Abrahamian über die Kommodifizierung der Staatsbürger*innenschaft; James Bridle über algorithmische Staatsbürger*innenschaft; Deborah Cowen über die Verflechtung von Krieg, Logistik und Staatsbürger*innenschaft; Ingo Günther über die Möglichkeit einer Weltbürger*innenschaft; Eleanor Saitta über algorithmische Ausnahmezustände und Möglichkeiten für eine aufständische Staatsbürger*innenschaft; Felicity Scott über Hippies, Hacker*innen und illegalisierte Migrant*innen als Vorbilder für Staatsbürger*innenschaft.

Diese Beiträge wurden in Zusammenarbeit zwischen der BG | berlinergazette.de und ihren Medienpartnern openDemocracy und ExBerliner veröffentlicht.

Buch

Was bedeutet es heute, politisch zu sein? Was bedeutet es, dazuzugehören? Im Zentrum dieser Fragen steht die Politik der Staatsbürger*innenschaft. Durch die Verflechtung von Fotografie und Text untersucht Krystian Woznicki, wie wir unseren Horizont über Memes wie die ‚Flüchtlingskrise‘ oder den ‚Überwachungsstaat‘ hinaus erweitern können. Als Experiment zur Neudefinition von Staatsbürger*innenschaft offenbart sein Buch FUGITIVE BELONGING, was wir alle gemeinsam haben: etwas, das entsteht, wenn die Dichotomie von Ausgeschlossenen und Eingeschlossenen in Frage gestellt wird und wenn die Konflikte, die aus dieser Dichotomie resultieren, produktiv gemacht werden. Weitere Informationen bei Diamondpaper.

Dieses Buch erscheint in Zusammenarbeit mit dem FRIENDLY FIRE-Partnerprojekt SIGNALS.

VI. Konferenzprogramm

Sind digitale Nicht-Bürger*innen der Status quo?

Donnerstag, 2. November, 19:30 Uhr: Sind digitale Nicht-/Bürger*innen der Status quo? Zwei vielbeschäftigte Redner*innen suchen nach Antworten: der Künstler James Bridle, dessen visionäres Projekt „Citizen Ex“ sich mit digitaler Staatsbürger*innenschaft auseinandersetzt, und die politische Denkerin Eleanor Saitta, deren Arbeit das Potenzial radikaler Demokratie erforscht und konsequent die blinden Flecken der digitalen Avantgarde hinterfragt.

Moderiert von der in Berlin lebenden Journalistin Anna Sauerbrey, wird dieser öffentliche Vortrag die Politik der Staatsbürger*innenschaft im Hinblick auf die rasante Digitalisierung des Lebens der Menschen reflektieren – seien sie nun Bürger*innen oder nicht.

Wer beansprucht die Weltbürger*innenschaft?

Freitag, 3. November, 19:30 Uhr: Wer beansprucht die Weltbürgerschaft? Zwei vielbeschäftigte Rednerinnen werden diese Frage erörtern: der Medienkunst-Pionier Ingo Günther, dessen Projekt „Refugee Republic“ ein globales Netzwerk von Flüchtlingsunterkünften vorsieht, und die Aktivistin und Forscherin Jennifer Kamau, die ein Migrant*innennetzwerk namens „International Women Space“ leitet.

Als Auftakt zu diesem öffentlichen Gespräch wird die Journalistin Atossa Araxia Abrahamian eine Stellungnahme abgeben, deren Buch „The Cosmopolites“ eine Debatte über die Kommerzialisierung der Staatsbürger*innenschaft ausgelöst hat. Moderiert von Harsha Walia, einer in Vancouver ansässigen Aktivistin, wird dieses öffentliche Gespräch die Weltbürger*innenschaft sowohl aus der Perspektive der Superreichen als auch der Benachteiligten beleuchten.

Staatsbürger*innenschaft in Kriegszeiten

Samstag, 4. November, 15 Uhr: Wie verändert sich Staatsbürger*innenschaft in Kriegszeiten? Die Architekturhistorikerin Felicity Scott wird nach Antworten suchen. Ihre Forschungen zum Silicon Valley werfen ein neues Licht auf die Entstehung des Militär-Unterhaltungskomplexes und die Ausnahmezustände in vernetzten Gesellschaften. Moderiert von Valentina Pellizzer, einer in Sarajevo ansässigen Kulturvermittlerin, wird dieser öffentliche Vortrag die Krisen der Staatsbürger*innenschaft im Kontext des Krieges beleuchten.

Als Auftakt zu diesem öffentlichen Vortrag wird die Geografin Deborah Cowen eine Stellungnahme abgeben, deren Bücher „War, Citizenship, Territory“ und „The Deadly Life of Logistics“ die Politik der Gewalt im Zeitalter der Globalisierung untersuchen. Darüber hinaus werden die Workshop-Gruppen (siehe unten) ihre Ergebnisse präsentieren: Positionspapiere, multimediale Storytelling-Projekte usw.

Im Anschluss an diesen Vortrag laden wir Sie ab 18:30 Uhr zu einer Kochparty mit Pepe Dayaw ein.

VII. Workshops

Registrierung

Die offene Ausschreibung für die Workshops richtet sich an (angehende) Hacker*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen und Forscher*innen. Eine begrenzte Anzahl von Teilnehmer*innen konnte sich über die folgende E-Mail-Adresse anmelden: info (at) berlinergazette.de. Anmeldeschluss war der 20. Oktober. Teilnahmegebühr: 50 Euro, inkl. Verpflegung. Bitte beachten Sie: Die fünf Workshops finden parallel statt, daher sind alle dazu eingeladen, sich für einen einzigen Workshop zu entscheiden. Die Workshops finden vom 2. bis 4. November jeweils von 10 bis 18 Uhr statt. Die Veranstalter*innen sorgen während der gesamten Konferenz für Verpflegung, einschließlich eines warmen Mittagessens. Für die Mittagspausen ist eine Reihe von geführten Stadtrundgängen geplant!

Erkundungen

Um die zentralen Themen der Konferenz anzugehen, bieten fünf parallele Workshop-Reihen fünf verschiedene Ansätze für eine konstruktive Kritik der Staatsbürger*innenschaft als Rahmen für politische Partizipation: ‚Wer braucht biometrische Pässe?‘, ‚Sind Asylsuchende politische Akteur*innen?‘, ‚Wer riskiert mutierte Staatsbürger*innenschaften?‘, ‚Wer profitiert von Staatenlosigkeit?‘ und ‚Was bedeutet es, ein/eine algorithmischer Nicht-/Bürger*in zu sein?‘. Die Workshops werden über 100 Aktivist*innen aus aller Welt zusammenbringen. Die BG hat wichtige Akteur*innen der internationalen Szene eingeladen, den Kern der fünf Workshop-Reihen zu bilden; weitere Teilnehmer*innen werden sich über einen offenen Aufruf anmelden bzw. hinzukommen.

Zusammenarbeiten

Die Workshop-Gruppen werden aus etwa 15 Personen bestehen, die teils von den Konferenzorganisatoren eingeladen, teils über die offene Ausschreibung angemeldet wurden. Unter der Leitung erfahrener Moderator*innen sind alle Workshop-Gruppen dazu eingeladen, gemeinsam Ressourcen zum jeweiligen Themenbereich zu erarbeiten. Die Ergebnisse werden als Online-Ressourcen auf berlinergazette.de zur Verfügung gestellt. Dazu können Positionspapiere, multimediale Storytelling-Projekte und Ideensammlungen gehören. Hier finden Sie die Workshop-Ergebnisse der letzten BG-Jahreskonferenz sowie Fotos von den Workshops.

Wer braucht biometrische Reisepässe?

In der Demokratie des antiken Attika wurde ein/eine Bürger*in anhand des Gegensatzes zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten definiert, wobei sein/ihr Zuhause (der Ort des reproduktiven Lebens) der Stadt (dem Ort der Politik) gegenübergestellt wurde. Moderne Bürger*innen hingegen scheinen in einer Zone der Undifferenziertheit zu leben, in der unser politischer Körper nicht mehr von unserem physischen zu unterscheiden ist: Biometrische Technologien werden als unfehlbare und unanfechtbare Verifizierer der Wahrheit über eine Person propagiert – als ultimative Garanten der Identität. Aber worin besteht eigentlich Ihre Beziehung zu Ihren Fingerabdrücken oder Ihrem genetischen Code? Wird dieser Trend zur Kategorisierung und Quantifizierung des Körpers nicht letztendlich Politik und Staatsbürger*innenschaft voneinander trennen? Wer profitiert davon? Wer bleibt zurück? Der Workshop begibt sich auf die Suche nach Antworten.

Gäste: Nicolás Bello, Detlef Borchers, Phoebe Braithwaite, Alina Floroi, Kristoffer Gansing, Aude Launay, Morana Miljanovic, Fabian Peckelsen, Marta Peirano, Rebecca Puchta, André Rebentisch, Christina Rogers. Moderatoren: Ela Kagel & Christopher Senf.

Sind Asylsuchende politische Akteur*innen?

Lange Zeit lautete die europäische Definition einer politischen Person, dass rationale Menschen öffentliche Forderungen stellten und diese dann mithilfe konsensbildender Maßnahmen und unter Einsatz der Instrumente der Demokratie umsetzten. Dies bildete auch die Grundlage der Staatsbürger*innenschaft. Doch die Instrumente der Demokratie (z. B. Wahlen) haben an Anziehungskraft und Wirkmacht verloren; der Staat selbst, der diese Instrumente umsetzbar machen soll, ist zunehmend außer Reichweite geraten. Gleichzeitig wird eine wachsende Zahl von Akteur*innen effektiv von formalen Möglichkeiten der politischen Teilhabe ausgeschlossen: Asylsuchende, Menschen ohne Papiere, Flüchtlinge usw. Ist es notwendig, neu zu definieren, was es bedeutet, politisch zu sein, und insbesondere, was es bedeutet, Bürger*in zu sein? Wenn ja, wie könnten wir Vorstellungen von Bürger*innenschaft sowie politischer Handlungsfähigkeit aus dem Globalen Süden einbeziehen? Der Workshop leitet eine Suche nach Antworten ein.

Gäste: Amira Ahmad, Arwa Alladin, Sabrina Dittus, Taraneh Fazeli, Valeria Graziano, Bernd Hatesuer, Susie Kahlich, Annika Seibt, Jo van der Spek, Cassie Thornton, Harsha Walia. Moderatoren: Jennifer Kamau & Jaron Rowan.

Wer riskiert eine mutierte Staatsbürger*innenschaft?

Die Staatsbürger*innenschaft als Produkt von Nationalstaaten war schon immer durch blinde Flecken gekennzeichnet, wie zum Beispiel ihre Logik der Ausgrenzung, die sich ausschließlich nach dem Geburtsort der Menschen richtet. Heute treten diese blinden Flecken durch das Aufkommen lokaler wie auch transnationaler Netzwerke zutage. Diese Netzwerke, die sowohl von desillusionierten Bürger*innen als auch von Asylsuchenden geschaffen wurden, bieten beispielsweise Tausenden von Menschen ohne Aufenthaltspapiere, die heute in europäischen Städten leben, eine ‚Aufnahme‘. Zudem bilden sie die Grundlage für sogenannte ‚Sanctuary Cities‘ – wie in Toronto. Unterdessen bietet New York allen New Yorkern, unabhängig von ihrem Einwanderungsstatus, ID-NYC an, also von der Regierung ausgestellte Ausweise. Welche institutionellen Rahmenbedingungen zeichnen sich bereits ab, die tatsächlich etwas unterstützen könnten, das man als globale oder urbane Staatsbürger*innenschaft bezeichnen könnte? Welche institutionellen Rahmenbedingungen fehlen bislang, sollten aber entwickelt werden? Der Workshop leitet eine Suche nach Antworten ein.

Gäste: Laura Burtan, Harlo Holmes, Matthew Linares, Frauke Mahrt-Thomsen, Valentina Pellizzer, Brett Scott, Teo Vadnjal, Jaroslav Valuch, Elena Veljanovska. Moderatoren: Max Haiven & Nina Pohler.

Wem nützt Staatenlosigkeit?

Throw your passport away and become a free person! Statelessness as a status that individuals have to a certain degree voluntarily taken upon themselves can be viewed as liberating and as a rebellion against the State and the idea of citizenship. Yet celebrations of self-imposed statelessness tend to ignore various problems that are fueling trends diametrically opposed to the building of democratic space, e.g., the politics of involuntary statelessness by people who are born stateless; the expansion of citizenship-stripping powers; and the production of a sub-proletariat that boosts the informal economy but has neither rights nor representation. How could the mechanisms and institutions that enable and enforce statelessness become more accountable? How could such transparency help criticize and redefine citizenship? The workshop initiates a quest for answers.

Guests: Susanne Braun, Géraldine Delacroix, Paul Hirsch, Inga Lindarenka, Monisha Caroline Martins, Sara Moreira, Miriam Quick, Catherine Sotirakou. Moderators: Claudia Núñez & Cristina Pombo.

Was bedeutet es, ein/eine digitale*r Nicht-/Bürger*in zu sein?

Digitale Bürger*innenschaft wird in der Regel als die (selbstbestimmte) Ausübung der gesellschaftlichen Rolle des Einzelnen durch den Einsatz digitaler Technologien definiert. Sie wird daher als befähigend und demokratisierend angesehen. Gleichzeitig verwandeln Prozesse der Quantifizierung und algorithmischen Kategorisierung die digitale Bürger*innenschaft in eine potenzielle Falle: Wir verlieren faktisch die Kontrolle darüber, wer wir online sind; darüber hinaus verlieren wir die Eigenverantwortung über die Bedeutung der Kategorien, die unsere Identitäten ausmachen. So stehen wir angesichts der Ausweitung von Netzwerken sowie von Datenbankrationalitäten vor verschiedenen Herausforderungen: Was unterscheidet in diesem Szenario die Konsument*innen von Nicht-Bürger*innen? Mit welchen Mitteln können wir die Prozesse der Quantifizierung und algorithmischen Kategorisierung transparent machen und sie für unsere eigene Definition von digitaler Bürger*innenschaft nutzbar machen? Der Workshop leitet eine Suche nach Antworten ein.

Gäste: Zeljko Blace, Martha Dörfler, Daphne Dragona, Gosia Jagiello, Martyna Kalvaityte, Katrin M. Kämpf, Cory Levinson, Riho Matsuda, Juliane Rettschlag, Andreas Schneider, Koji Takahashi, Çağrı Tașkın, Niloufar Vadiati. Moderatoren: Sabrina Apitz & Michael Prinzinger.

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VIII. Informationen

Veranstaltungsort

Das ZK/U ist ein Labor für interdisziplinäre Aktivitäten, die sich mit dem Phänomen der Stadt befassen. Seine Arbeit stützt sich auf theoretische und praxisorientierte Kritiken, die in Disziplinen wie Geografie und Anthropologie entwickelt wurden. Es fördert den Austausch über globale Themen vor dem Hintergrund dessen, was vor der eigenen Haustür geschieht. In Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Partnern bringen Residenzprogramme kritische Köpfe an der Schnittstelle von künstlerischem Schaffen und Stadtforschung zusammen. Adresse: Siemensstraße 27, 10551 Berlin. Siehe diese Karte.

Veranstalter

Veranstalter der Konferenz ist die BG | berlinergazette.de. Als gemeinnütziges und überparteiliches Team aus Journalist*innen, Forscher*innen, Künstler*innen und Programmierer*innen analysieren und erproben wir neue kulturelle und politische Praktiken. Seit mehr als 15 Jahren veröffentlichen wir berlinergazette.de unter einer Creative-Commons-Lizenz – mit mehr als 900 Mitwirkenden aus aller Welt – und organisieren zudem jährliche Konferenzen sowie geben Bücher heraus. Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an: info(at)berlinergazette.de.

Sprache

Die Konferenzsprache ist Englisch – schließlich kommen Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern zusammen.

Soziale Netzwerke

Sie finden uns in den sozialen Netzwerken, zum Beispiel auf Twitter oder auf Facebook. Der Hashtag lautet: #bgcon17.

Online-Debatte auf Deutsch

Online-Debatte: In der BG | berlinergazette.de erscheinen Essays, Interviews und Berichte zu den drängendsten Themen der TACIT FUTURES-Debatte. Mit Beiträgen von Aktivist*innen, Denker*innen und Künstler*inenn. Hier finden Sie weitere Informationen: berlinergazette.de.

Live-Fotos

Fotos von der Konferenz werden hier veröffentlicht, wo bereits unsere „FRIENDLY FIRE“-Aufwärmveranstaltungen dokumentiert wurden. Werfen Sie doch einen Blick auf andere BG-Fotoalben oder auf unsere vorherige Jahreskonferenz „TACIT FUTURES“.

Ausstellung

„SIGNALS. Eine Ausstellung zu den Snowden-Akten in Kunst, Medien und Archiven“ ist ein internationales Projekt, das von der BG | berlinergazette.de organisiert wird. Die Ausstellung endet mit einer Sonderveranstaltung einen Tag vor der FRIENDLY FIRE-Konferenz. Weitere Informationen finden Sie hier.

FRIENDLY FIRE ist die 17. Jahreskonferenz der BG | berlinergazette.de. Sie ist eine Kooperation zwischen der BG und dem ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik. Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

FRIENDLY FIRE – alle Texte auf dieser Website stammen von der BG | berlinergazette.de. Alle Bilder, mit Ausnahme derjenigen im Bereich „Public Talks“, wurden von der BG | berlinergazette.de aufgenommen (Norman Posselt, Andi Weiland und Krystian Woznicki). Creative-Commons-Lizenz: cc by nc.

Funded by

  1. Bundeszentrale für politische Bildung
  2. Rosa-Luxemburg-Stiftung

Cooperation partner

  1. Zentrum für Kunst und Urbanistik