SLOW POLITICS · Was braucht Europa in Zeiten der Polykrise? · BG-Konferenz 2014 · Projekte, Videovorträge, Fotos und mehr

Es ist kein Geheimnis, dass es um unsere Demokratien schlecht bestellt ist. Doch was unternehmen die Bürger*innen dagegen? Manche glauben nicht an die Möglichkeit einer Veränderung und halten sich daher mit Äußerungen zurück. Andere haben Angst, überwacht zu werden, und verzichten deshalb auf politisches Handeln. Dennoch entstehen neue Bürgerbewegungen! Die Konferenz SLOW POLITICS von BG | berlinergazette.de brachte Hunderte von Aktivist*innen, Medienschaffenden und Forscher*innen zusammen, die ihre Ansätze zur Stärkung der Menschen als politische Akteur*innen erörterten. Durch das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten machte die Konferenz das übergeordnete demokratische Projekt deutlich, das ihren Bemühungen zugrunde liegt. Hier fassen wir die Ergebnisse in drei Bereiche zusammen: DEMOKRATIE WIEDER AUFBAUEN! FREMDEN VERTRAUEN! NETZWERKE ORGANISIEREN!

I. PROJEKTE

Demokratie neu aufbauen!

Wir befinden uns mitten in einer großen globalen Krise der Demokratie, die nicht nur Griechenland, die Türkei usw. betrifft, sondern auch die vermeintlichen ‚Vorzeigestaaten‘ (Deutschland, Großbritannien usw.). Wir können damit beginnen, die Demokratie wiederaufzubauen, indem wir angesichts der Enthüllungen über das ungeheure Ausmaß staatlicher Überwachung, bekannt als ‚NSA-Gate‘, kritische Fragen stellen. Was sollen wir mit dem Wissen anfangen, das wir durch die geheimen Dokumente gewonnen haben, die der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden geleakt hat? Welche Positionen und Maßnahmen können wir als Bürger*innen einnehmen, und welche Risiken der Komplizenschaft und Apathie bestehen dabei? SLOW POLITICS beteiligt sich an der Debatte, indem es ein Positionspapier, einen Toolbox-Vorschlag und einen Leitfaden als Inspirationsquellen vorstellt.

Snowden Commons

Die NSA-Enthüllungen bieten eine beispiellose Grundlage für die Erforschung des heutigen Überwachungssystems. Dennoch gibt es keinen zentralen Bezugspunkt für die Snowden-Akten, die weiterhin von verstreuten Medienhäusern auf der ganzen Welt veröffentlicht werden. Wie können diese wichtigen Informationen in öffentlichen Bibliotheken untergebracht werden, um ihre Erhaltung, ihre Zugänglichkeit und ihr demokratisches Potenzial zu gewährleisten? Dieses Papier entwickelt eine Lösung für das Problem. PDF-Download

Trustburg

Das Projekt „Trustburg“ plant, eine Vielzahl bestehender und neu entstehender digitaler Sicherheitswerkzeuge in einer physischen Hardware-Box zu bündeln. Es ermöglicht Bürger*innen, ihre Internetaktivitäten einschließlich E-Mail, Web-Browsing und Chat-Kommunikation zu verschlüsseln. Das Projekt schlägt zudem einen Krypto-Stick für mobile Nutzer*innen vor, der in mehreren Ländern einsetzbar wäre. -> In Kürze verfügbar

My Secret Surface

Zeitmangel, fehlendes technisches Wissen und mangelndes persönliches Bewusstsein – es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre digitale Kommunikation nicht verschlüsseln. Was kann man dagegen tun? Der Leitfaden „My Secret Surface“ skizziert Visionen für digitale demokratische Teilhabe in der Zukunft und bietet eine grundlegende und leicht zugängliche Anleitung zu digitaler Selbstverteidigung, Verschlüsselungstools und der heutigen Medienlandschaft. PDF-Download

Das Papier „Snowden Commons“ entstand im Rahmen des SLOW POLITICS-Workshops „Publics In Peril“. Das Projekt „Trustburg“ und der Leitfaden „My Secret Surface“ entstanden im Rahmen des SLOW POLITICS-Workshops „After NSA-Gate“.

Fremden vertrauen!

Vertrauen ist der Kern des sozialen Wandels. Doch das Problem des Systems ist: Wenn wir Vertrauen nur unseren Freund*innen entgegenbringen, wie können wir dann auf der größeren Ebene zusammenarbeiten, die nötig ist, um die drängenden Probleme unserer Zeit zu bewältigen? Wie können wir unsere Vertrauenspraktiken neu gestalten, um auch Fremde einzubeziehen? Ein guter Ausgangspunkt ist Migration – ein Thema, das in der Regel von einer Mischung aus skandalträchtigen Nachrichten und selektiven Statistiken dominiert wird. Im Gegensatz dazu präsentiert SLOW POLITICS authentische Geschichten von den mobilen Bevölkerungsgruppen in südeuropäischen Ländern, wo die Jugendarbeitslosigkeit derzeit 80 % erreicht hat. Um Misstrauen und Angst zu überwinden, tauchen wir in ihre Geschichten ein und lernen die Menschen dahinter kennen.

Taxi nach Berlin

Die Wirtschaftskrise, die Europa seit mehr als fünf Jahren heimsucht, hat auch das Thema der griechischen Migration nach Deutschland in den Fokus gerückt. Die Mainstream-Medien erzählen eine Geschichte von Griechen, die ihre Wirtschaft durch Korruption und Faulheit ruinieren und nun aus ihrer Heimat fliehen, um den wohlhabenden Norden zu ‚überfallen‘. Aber was wäre, wenn wir über solche Stereotypen hinausblicken würden? Wenn man den Lebensgeschichten der Griechen lauscht, die nach Deutschland gekommen sind, kommen eine Reihe von Komplexitäten zum Vorschein. Während viele geblieben sind, sind einige in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie alle nahmen einst ein „Taxi nach Berlin“… Komm mit auf die Fahrt! Projekt-Website

Portugals verlorene Jugend

In den letzten Jahren des finanziellen Chaos ist die Bevölkerung Portugals stark geschrumpft. Seit der Krise von 2008 steigen die Auswanderungszahlen jedes Jahr weiter an, während das Land unter Massenarbeitslosigkeit, sinkenden Löhnen und steigenden Steuern leidet. Die Auswanderer*innen haben sich größtenteils auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben über ganz Europa verstreut, doch sie und diejenigen, die sie zurückgelassen haben, werden von einer tiefen Melancholie heimgesucht. Mit den Worten einem der für diese Reihe fesselnder menschlicher Geschichten interviewten verlorenen Jugendlichen: „Ja, ich vermisse mein Land. Aber ich weiß nicht, ob das Land, das ich vermisse, noch existiert.“ Projekt-Website

Die Storytelling-Projekte „Taxi nach Berlin“ und „Portugals verlorene Jugend“ entstanden im Rahmen des SLOW POLITICS-Workshops „We Are All Migrants“.

Netzwerke organisieren!

Netzwerke gelten gemeinhin als fragil und vergänglich. Doch die heute entstehenden sozialen Bewegungen erproben neue Ansätze, um Solidarität für wirtschaftlichen und demokratischen Wandel aufrechtzuerhalten. Menschen kommen zusammen, experimentieren mit unkonventionellen Formen der Zusammenarbeit und bündeln ihre Kräfte in neuen Netzwerkformationen. Sie schaffen neue Formen der Gemeinschaft, um den Herausforderungen der vielfältigen Krisen zu begegnen. Welche Formen der sozialen Vernetzung ermöglichen dies? Welche Arten von Werkzeugen nutzen die Menschen? Wie organisieren sie sich? SLOW POLITICS präsentiert ein Papier, ein Werkzeug und eine experimentelle App, die uns helfen, unsere Netzwerke zu überdenken und neu zu organisieren.

Was brauchen wir, um uns zu organisieren?

Dieses vorläufige Papier zielt darauf ab, einige der Unterstützungsstrukturen, Werkzeuge und Kenntnisse zu identifizieren, die demokratischen Akteur*innen helfen können, sich zu organisieren. Mit einem Fokus auf zentrale Taktiken und Ressourcen richtet es sich an eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Bewegungen, von einzelnen Aktivist*innen bis hin zu NGOs. PDF-Download

Das große Wir

Die Analyse sozialer Netzwerke ist eine Technik, die von Unternehmen und Regierungen genutzt wird, um die sozialen Beziehungen von Bevölkerungsgruppen zu analysieren. Doch dieses Werkzeug kann auch von Bürger*innen genutzt werden, um kollektives Handeln neu zu organisieren: Welche Themen, Werkzeuge und Ziele verbinden uns? Ein Prototyp aus sechs experimentellen sozialen Netzwerkkarten hilft uns, die meist verborgenen Verbindungen zwischen Bürger*innen zu visualisieren und das Potenzial für neue Kooperationen zu erkennen. PDF-Download

Checklist für Aktivist*innen

Diese experimentelle App für Mobiltelefone bietet Bürger*innen ein Werkzeug, um einen systematischen Ansatz für ihr soziales Engagement und ihre Bewegungen zu entwickeln. Sie ermöglicht es Nutzer*innen, wichtige Fragen und Probleme für Organisator*innen gemeinsam zu erarbeiten, um ihnen dabei zu helfen, robustere und reaktionsfähigere Aktionen zu gestalten. Wireframe-App

Der Beitrag „Was brauchen wir, um uns zu organisieren?“ entstand im Rahmen des Workshops „Bitcoin Meets Blue Marble“. Das Projekt „Das große Wir“ wurde im gleichnamigen Workshop entwickelt. Die App „Checkliste für Aktivist*innen“ entstand auf der SLOW POLITICS-Konferenz in Sapporo im Rahmen des Workshops „Re-Designing the Waves of Change“.

II. DOKUMENTE

Videos

Nach zwei Tagen äußerst produktiver Workshops öffnete SLOW POLITICS seine Türen für die breite Öffentlichkeit. Um die Vorträge namhafter Referent*innen wie Marina Sitrin, Geert Lovink, Max Haiven, Claudia Núñez und Felix Stalder anzusehen, schauen Sie sich die Videos an.

Fotos

Dank Hunderter engagierter Gäste wurde die SLOW POLITICS-Konferenz zu einer anregenden und produktiven Veranstaltung. Unser Fotograf hat die Ereignisse mit seiner Kamera begleitet und viele wertvolle Momente festgehalten. Sehen Sie sich die Fotos an..

Pressestimmen

„SLOW POLITICS gewährt einen Einblick in neue Bürgerbewegungen“ (WDR5). Die Berichterstattung über die BG | berlinergazette.de-Konferenz erstreckt sich über ein breites Spektrum an Medien: von Pionieren des Online-Journalismus bis hin zu öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Hier finden Sie die Pressestimmen (letzte Aktualisierung: 5. Januar 2015).

Twitter-Archiv

Die Tweets von SLOW POLITICS umfassen Beobachtungen, Momentaufnahmen, Kommentare, Links und Zitate – Gäste und Teilnehmer*innen haben diese unter dem Hashtag #bgcon14 gepostet. Ihre 140-Zeichen-Nachrichten fangen die Schönheit des Augenblicks ein. Schauen Sie sich das Twitter-Archiv an (letzte Aktualisierung: 3. Dezember 2014).

SLOW POLITICS – ein Projekt von BG | berlinergazette.de. Kontakt: info(at)berlinergazette(dot)de

SLOW POLITICS – gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Hertie-Stiftung und der ZEIT-Stiftung. Unterstützt von tab, Streampark TV und Webmagazin.

SLOW POLITICS – Die Fotos auf dieser Website wurden auf der Konferenz von Andi Weiland (berlinergazette.de) aufgenommen. Alle Fotos cc by nc.

Founded by

  1. Bundeszentrale für politische Bildung
  2. Gemeinnützige Hertie-Stiftung
  3. ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius