• Terror in Berlin: Nächtliche Massenschlägerei von Maskierten und Bewaffneten im Hipster-Bezirk

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    In Berlins Hipster-Bezirk Prenzlauer Berg ist es zu einer nächtlichen Massenschlägerei von Maskierten und Bewaffneten bekommen – vor einer Notunterkunft für Geflüchtete. Ist das ein Zufall? Die Polizeimeldung und einige Massenmedien wollen es so aussehen lassen. Doch es gibt berechtigte Zweifel an dieser Lesart der Vorkommnisse. Der Berliner Gazette-Mitherausgeber Florian Kosak unternimmt einen Streifzug durch seinen ehemaligen Kiez.

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    Der Prenzlauer Berg verändert sich, wer hätte das gedacht? Einige Jahre lang schien hier die Zeit still zu stehen. Die Sanierungen waren abgeschlossen. Der alte Osten war nicht mehr sichtbar, die Mischung eine andere geworden, weniger alte Leute, weniger arm aussehende Menschen, viele Familien, viele Touristen. Wie es dann weiter ging, kann ich nicht aus erster Hand sagen, ich zog weg, weil es mir persönlich nicht mehr aufregend genug war. Doch ich habe noch viele Freunde im Prenzlauer Berg und die Nachrichten, die sie mir in letzter Zeit zutragen, beunruhigen mich.

    Vor zwei Tagen ist es zu einer Massenschlägerei gekommen, kurz vor Mitternacht in der Wicherstraße, etwa dort, wo am Humannplatz ein Park und ein Spielplatz liegen, zur Linken ein Café, zur Rechten eine Kneipe in der Fans von Eintracht Frankfurt gerne Fußballübertragen gucken und gegenüber eine Kita sowie eine Turnhalle, die in eine Notunterkunft für Geflüchtete verwandelt worden ist und wo sich zahlreiche WillkommensbürgerInnen engagieren.

    Basecaps und Pyrotechnik

    An der Massenschlägerei sollen Hunderte beteiligt gewesen sein. Sie sollen schwarze, sportliche Kleidung und Basecaps getragen haben, sie sollen gegrölt und Pyrotechnik gezündet haben. In den meisten Medien, Tagesspiegel oder Berliner Zeitung, findet man nicht viel mehr dazu. Sie berufen sich auf eine Polizeimeldung. Augenzeugen kommen nicht zu Wort. Eigene Recherchen? Fehlanzeige.

    Die Geschichte der Polizei lässt sich in einem Satz zusammenfassen: rivalisierende Fußballfans seien ein Tag vor dem Spiel Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC Berlin aufeinandergetroffen. In der Vergangenheit habe es solche gewalttätigen Konflikte bereits gegeben. Der Tagesspiegel schreibt:

    “Im August 2014 gab es tief in der Nacht eine Auseinandersetzung zwischen Fans des 1. FC Union und Eintracht Frankfurt in einem Kreuzberger Lokal in der Oranienstraße. Bis zu 100 Personen hatten sich vor der Kneipe versammelt; einige “Problemfans” von Hertha pflegen auch enge Kontakte zu Union. Im November 2009 hatten Berliner Schläger eine Kneipe in der Kreuzberger Adalbertstraße angegriffen, in der Eintracht-Fans gesessen haben. Auch da begann eine Schlägerei auf der Straße.”

    Und weiter: “Schon vor dem Spiel im Herbst 2009 hatte es Ärger gegeben: Damals hatten Frankfurter Fans die Hertha-Anhänger vor dem Stadiontor auf dem Olympischen Platz angegriffen und auf sie eingeschlagen; Hertha pflegt eine Fanfreundschaft mit den Anhängern des Karlsruher SC, die bei Eintracht-Anhänger wenig beliebt sind.”

    “Gewöhnliche” Auseinandersetzung unter Fußballfans?

    Aus dieser Vorgeschichte kommt man zum Schluss, die Massenschlägerei in der Wichertstraße folge demselben Muster. Sie sei daher eine “gewöhnliche” Auseinandersetzung unter Fußballfans gewesen. Immerhin gibt es dort ja auch eine “hessische Kneipe”, die für Fußballübertragungen bekannt ist und die deshalb als Dreh- und Angelpunkt dieses Vorkommnisses genannt wird. Es gibt dafür allerdings weder Augenzeugen noch sonstige Belege.

    Die Polizei ist mit “Funk- und Mannschaftswagen sowie Zivilfahrzeugen und sogar dem Auto einer Hundestaffel” (B.Z.) schnell zur Stelle gewesen, doch da schien schon vieles gelaufen zu sein. Die Polizei habe nur noch Reste der Massenversammlung vorgefunden, viele hatten im Angesicht des Blaulichts die Flucht angetreten. Die Gewissheit, dass man dieses Ereignis wie oben beschrieben einreihen könne, scheint ohne konkreten Beleg auszukommen.

    Was also war passiert? Die B.Z. macht sich die Mühe, mehr als die Polizeimeldung nachzuerzählen. Die Lokalzeitung zitiert einen Augenzeugen: “Kurz vor 23.30 Uhr wurde es plötzlich laut in der Wichertstraße. Eine Gruppe komplett schwarz gekleideter Männer stürmte aus dem Lokal, zündete eine rote Leuchtspur-Rakete und lief brüllend und schubsend Richtung Humannplatz. Glas klirrte, alles wirkte doch sehr gespenstisch und gefährlich. Ein Nachbar rief die Polizei, wenig später kam eine Gruppe der schwarz gekleideten Männer zurück. (...) Erst gegen zwei Uhr zogen die letzten (Polizei-)Beamten wieder ab.”

    Augenzeugenberichte im Netz

    Es gibt weitere Augenzeugenberichte im Netz. O.D. Kampmann, Herausgeber des lokalen Online-Nachrichtenangebots Prenzlberger Stimme, schreibt: “Eine Gruppe von rund 50 dunkel gekleideten jungen Menschen eilt schweigend durch die Wichertstraße, zerstreut sich auf dem Humannplatz, sammelt sich Minuten später wieder und verschwindet. Plötzlich hört man das Skandieren akustisch nicht verständlicher Worte.”

    Und darüber hinaus schreibt Kampmann: “Ein Stückchen weiter dasselbe gespenstische Bild. Als wären sie irgendwie in Eile, zieht ein halbhundert Mann starker Trupp hektisch, aber still durch die Erich-Weinert-Straße. Biegt links ab, dann wieder rechts… Auf Fragen nach der Bedeutung des seltsamen Aufzugs reagieren die Angesprochen weder freundlich, noch unfreundlich – sie reagieren gar nicht. Dann aus der Ferne wieder ein Sprechchor, der wie ein Schlachtruf durch die Nacht hallt. Wie auf Befehl stürmt die Gruppe in Richtung des vielstimmigen Signals.”

    Allein in Kampmanns Bericht findet sich ein Hinweis auf die Notunterkunft in der Wicherstraße, wenn er schreibt: “Vereinzelte Passanten beobachten das Treiben verunsichert bis verstört; hinter dem Eingang der als Flüchtlingsnotunterkunft dienenden Sporthalle in der Wichertstraße sieht man jemand nervös telefonieren.” Seine Leser gehen darauf ein, wenn sieim Kommentarbereich schreiben, die “Fussballfans” hätten weniger die Kneipe, als die Sporthalle im Sinn gehabt oder wenn sie über die “rechten Hooligans” spotten, “die sich zufällig genau vor einer Flüchtlingsunterkunft” versammeln.

    Karneval der Gewalt

    Es gibt weitere Stimmen, die der Polizeimeldung und den Darstellungen der Berliner Zeitung und des Tagesspiegel widersprechen – oder doch zumindest den Zweifel begründet erscheinen lassen, die Massenschlägerei wäre dem altbekannten Ritual von Fußballfans gefolgt. In einer Facebook-Gruppe findet sich der Augenzeugenbericht einer Nachbarin: “Ich war mit meinem Hund draußen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt am Humannplatz und versteckten uns in den Büschen dort, zu Tode geängstigt. Es waren einfach so viele, ich denke mehr als Hundert.”

    Und weiter: “Sie kamen aus Richtung Gudvanger/Krugerstraße, gingen geschlossen nach links in die Wicherstraße hinein. Sie fingen an zu schreien, sich zu schlagen und irgendwelche Rauchsachen rumzuschmeißen. Dann passierte etwas und sie liefen plötzlich alle davon in verschiedene Richtungen, versteckten sich. Das war der Moment, in dem mein Hund und ich losliefen, nach Hause, genau an der Ecke Wichertstr. Sie versuchten auch, in mein Haus einzudringen, nachdem ich die Tür geschlossen hatte, aber das hat nicht geklappt. Dann kam die Polizei.”

    Die Vorkommnisse, die sich vor der Ankunft der Polizei abgespielt haben, tragen wirre Züge eines Umzugs, der Gewalt austrahlt und auch Gewalt ausübt und der in der beschaulichen Nachbarschaft Angst und Schrecken verbreitet. Und das wahrscheinlich auch soll. Dieser Effekt lässt sich aus den Augenzeugenberichten ablesen. Ein Gespräch, das ich mit einer Anwohnerin geführt habe, bestätigt dies.

    “100 maskierte Männer, alle in Schwarz”

    Sie hat glasige Augen und wirkt noch immer verwirrt, als ich am Tag danach mit ihr spreche. Sie selbst ist in keiner Willkommensbürger-Initiative aktiv und hat alles von ihrem Balkon aus beobachtet, nachdem sie und ihr Partner von dem Lärm aufgeschreckt waren. Sie hat nicht lange gebraucht, um die Polizei zu rufen. Das Schauspiel, das sich ihr darbot, beschreibt sie wie folgt: “100 maskierte Männer, alle in Schwarz, sprinteten Richtung Norden, also weg von der Notunterkunft. Sie schrien und die Luft war voller Rauch.”

    Sie schickt die folgenden Sätze hinterher, die mich nachdenklich stimmen: “Ich kann in den lokalen Medien keinen einzigen Artikel finden, der die Situation angemessen erklärt. Auch in den sozialen Netzwerken habe ich nichts dazu gefunden. Ich lag die ganze Nacht wach und habe darüber nachgedacht. Ich denke, sie wollten niemanden wirklich verletzen, aber sie wollten Angst machen. Vielleicht sollten die Nachbarn Angst bekommen. Oder Prenzlauer-Berg-Familien mit jungen Kindern sollten das Gefühl bekommen, dass es nicht mehr sicher ist, wenn Geflüchtete unter uns wohnen. So könnte es dazu kommen, dass eben jene Familien fordern, dass die Refugees woanders untergebracht werden.”

    Hunderte von Geflüchteten sind seit vergangenen Herbst in der Notunterkunft untergebracht. Viele davon sind vor den Kriegen in Syrien, im Irak und in Afghanistan geflohen. Ein Mädchen aus Basra, das schon ein bisschen Deutsch spricht und in einer Willkommensklasse zur Schule geht, beschreibt die nächtlichen Vorgänge, ohne dass ich zweimal nachfragen muss.

    Die Worte fallen ihr aus dem Mund, schneller als sie darüber nachdenken kann, wie sie einen korrekten Satz formen kann: “Nazis, Waffen, Angst, auch mein Vater.” Sie zeigt auf ein Metallgeländer, als sie von Waffen spricht. Auch die Security-Leute der Notunterkunft bestätigen: “Die waren bewaffnet und wollten hier rein.” Offenbar haben die Sicherheitsleute in dieser Nacht genug Geistesgegenwart bewiesen und schnell genug gehandelt. Es scheint, als konnte Schlimmeres verhindert werden.

    Soll die vergiftete Stimmung zur Normalität werden?

    Umso nachdenklicher stimmen mich die Meldungen, die kein Wort über die Flüchtlingsunterkunft verlieren. Das Problem ist bekannt. Es ist so eindeutig wie “Refugees No Welcome”-Aufkleber am Gitter der Notunterkunft und NPD-Demos, die die Nachbarschaft durchziehen. Es ist aber auch in mehrdeutiger Form spürbar. Zum Beispiel dann, wenn die Kita nebenan, mit den Geflüchteten nichts zu tun haben will. Oder wenn die Schule in der Dunckerstraße, die die Turnhalle noch bis vergangenen September genutzt hat, ihren Schülern abrät, direkten Kontakt mit den Geflüchteten aufzunehmen.

    Ist die nächtliche Massenschlägerei vor der Notunterkunft und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nun ein mehrdeutiges oder ein eindeutiges Signal? So oder so: Wir sollten es auf jeden Fall als ein Signal begreifen. Der Prenzlauer Berg verändert sich weiter, die Entwicklungen im gesamten Deutschland, ob nun in Sachsen oder in Bayern, gehen auch an diesem Hipster-Bezirk nicht vorbei. Ich meine den Rechtspopulismus und die Radikalisierung, die unserer Gesellschaft entspringen. Wir sollten nicht tatenlos zusehen wie das passiert.

    Denn wenn wir tatenlos zusehen, breitet sich diese vergiftete Stimmung aus und Terror wird zur Normalität. So wird es “akzeptabel”, dass sich Menschen in Nachbarschaften, in denen Notunterkünfte stehen, fürchten müssen – und die Geflüchteten umso mehr. Normal und akzeptabel wird auch, dass wir nicht mehr über die Dinge reden können, die die Menschen bedrücken und dass wir uns gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Missgunst, Verdacht, Hass. Wollen wir in so einem Land leben? Nur wenn wir uns entschieden gegen den radikalisierten Terror, aber auch der Ignoranz all dessen stellen, nur dann können wir diese Tendenz korrigieren.

    Anm.d.Red.: Das Foto stammt von Mario Sixtus (cc by 2.0).


16 Kommentare zu Terror in Berlin: Nächtliche Massenschlägerei von Maskierten und Bewaffneten im Hipster-Bezirk

  • Anja P. am 03.03.2016 12:35
    Das ist eine unglaubliche Geschichte. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll... Aber eine Frage habe ich als Fußball-Laie: Sind diese Fans wirklich politisch? Sind sie rechts? Gibt es auch linke Radikale unter ihnen? Das frage ich, weil für die Deutung der Vorfälle wichtig. Wenn es linke Hooligans waren, dann hat das vielleicht wirklich nichts mit der Notunterkunft zu tun.
  • die rede von "fussball-fans" ist ein euphemismus. es gibt in der breiten landschaft der "fussball-fans" einen bereich, der von gewalt, radikalität, hass, rechtem denken und handeln geprägt ist. da spricht man dann zum beispiel im klartext von hooligans. außerdem ist bekannt, dass dieser bereich ein sammelbecken für die rechte szene ist. ich kenne mich mit eintracht und hertha nicht aus, aber es gibt in der bundesliga keinen verein, bei dem das nicht so ist. auch das ist bekannt, natürlich auch der polizei.
  • zu hooligans lest mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Hooligan
  • Rainald Krome am 03.03.2016 14:07
    Danke für diesen wichtigen Beitrag. Die Deutung und Zuordnung der Ereignisse ist keine Nebensache, sondern von großer Bedeutung. Daraus ergeben sich Konsequenzen für alle Beteiligten.
  • Hertha BSC ist schon immer ein "Problemfall"... in den 1980er Jahren lag ein wesentliches Zentrum des Aufbaus faschistischer und nationalsozialistischer Gruppen bei den sog. "Hertha-Fröschen", das waren Fangruppen aus den wohlbetuchten Stadtteilen Westberlins, die sich als aktive Nazis betätigten. Zwischendurch wurde immer wieder von antirassistischen Fangruppen versucht in Hertha gegen die rechtsradikale Anhängerschaft zu mobilisieren. Das war relativ wenig erfolgreich. Einerseits hat der Verein selbst nie ein sonderliches Interesse gezeigt sich der Nazis und Rassisten in der eigenen Anhängerschaft zu erledigen, noch haben die meisten anderen angeblich "unpolitischen" Fans den Rechtsradikalen und Nazis klar eine rote Karte gezeigt. Eintracht Frankfurt hat hingegen seit mehr als 10 Jahren eine wachsende linke Anhängerschaft, darunter wachsende Gruppen von Antirassisten und Anhängern der linken Szene. Das hat auch schon die Frankfurter CDU-Bürgermeisterin zu spüren bekommen, wenn sie sich in Stadionauftritten versucht hat...
  • und über Vertuschung durch die Polizei wird hier einiges deutlich... es scheint als ob die Polizei nicht einmal Adolf Hitler als Rechtsradikalen erkannt hätte...
  • B. aus Schöneberg am 03.03.2016 15:05
    @Dario Azzellini: Danke für die Background-Info. "Rechtsradikale und Nazis" bei Hertha und "eine wachsende linke Anhängerschaft" bei Eintracht Frankfurt... Das erklärt vielleicht, warum die immer wieder aufeinander losgehen? Solche Infos gehören meiner Meinung nach in die Polizeimeldung und in die Bericht der Tageszeitungen, sonst versteht man doch nur Bahnhof!...

    Wie kommt es zu Uhrzeit und Treffpunkt bei solchen "Begegnungen unter Fussball-Fans"? Ist die Gewalt vorprogrammiert? Ist der Kollateralschaden eine Ausnahme?... oder gerade das Ziel solcher "Begegnungen unter Fussball-Fans"?... Ich versuche besser zu verstehen, warum die das vor einer Notunterkunft veranstaltet haben,...
  • Ich moechte gerne wissen, warum ihr glaubt, dass die Polizei darueber nicht korrekt berichtet hat. Ich frage wie ein unschuldiges Kind :). Ist es, weil sie versuchen, zu vertuschen, dass es Gewalt von Rechten gegen Fluechtlinge gibt, weil sie selbst rechts sind und sie tolerieren die Gewalt? Ist es, weil man denkt, wenn man weniger ueber Gewalt in der Medien redet, es wird weniger Gewalt geben? Was meint ihr?
  • Wie es dazu kommt, lässt sich schwer verallgemeinern. Es gibt gegnerische Gruppen, die sich klar verabreden um sich zu hauen, die dann einen Ehenkodex haben, sich auf Anzahl und "Waffen" (in der Regel ohne "Waffen") einigen und das als Vergnügen sehen. Dann gibt es wieder andere Gruppen, die gegnerische Fangruppen "überfallen" und sich egal wie einen Vorteil gegenüber den anderen verschaffen und dann gibt es mit Nazis und Rechtsradikalen durchsetzte Gruppen, die den "Versammlungseffekt" des Spiels nutzen, um dann in der Gruppe irgendwelche ihrer "Feinde" anzugreifen, also MigrantInnen, Flüchtlingsheime, linke Projekte, Jugendkulturzenren, besetzte Häuser usw. Diese Gruppen sind häufig klar politisch positioniert und nicht "Hooligans" (auch wenn der Name oft genutzt wird, vor allem von der Presse). Hooligans geht es um den Spaß am Prügeln, wenn der Spaß nicht da ist (weil sich nicht geprügelt wird oder weil sie voll eins auf die Schnauze bekommen und ohne Spaß den Kürzeren ziehen), dann beteiligen sie sich auch nicht mehr an den Angriffen. Die Polizei, die Medien, die Fußballvereine und die Justiz spielen das immer extrem herunter und dann werden aus den Nazis, die in Gruppen die Überfälle vorbereiten und durchführen "betrunkene Fußballfans" und sie werden bestenfalls wg. Körperverletzung belangt. Dabei könnte gegen die meisten, die an solchen Überfällen beteiligt sind durchaus 6 bis 12 Jahre Knast verhängt werden wg. Bildung einer kriminellen Vereinigung, Vorbereitung und Verabredung zum versuchten Totschlag, schwere Körperverletzung usw.
  • Warum die Polizei nicht berichtet hat sicher viele verschiedene Ursachen. Zum einen sind ja die Einheiten der Polizei die zum Einsatz kommen ein Männerbund, der sich in seinen Dynamiken nicht sonderlich von einer Gruppe aufgeputschter Rechtsradikaler oder betrunkener Fußballfans unterscheidet. Es gibt also erstmal eine grundlegende Affinität oder zumindest weitläufiges Verständnis für andere Männerbünde. Auch Alter, und das soziale und ethnische Profil der Polizeimännerbünde und der anderen genannten unterscheidet sich wenig. Also ist dem Polizisten der 28jährige deutsche Kraftsportler mit umbro-Kapuzenpulli, Kurzhaarschnitt und tribal Tattoo und Bier in der Hand erst einmal in vilelerlei Hinsicht viel näher als der Äthiopische Flüchtling oder der Punker aus dem besetzten Haus. Dann sollte nicht verkannt werden, dass ein ziemlich hoher Anteil an Polizisten rechtsradikal ist (der stellvertretende sächsische Innenminister hat ja gerade im Zeit-Interview zugegeben, ein Problem mit der Polizei in Sachsen sei die Affinität vieler Beamter zu Pegida und AfD, und in Berlin gab es mal in den 1990ern eine Wahlumfrage unter Polizisten als die Hochphase der Faschopartei die Republikaner war, damals gaben 70% der Polizisten an, sie könnten sich vorstellen die Republikaner zu wählen. Zusätzlich besteht bei Menschen die selbst nicht von Übergriffen/Angriffen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Hautfarbe betroffen sind, meistens die Tendenz solche Zwischenfälle herunterzuspielen, es wird als "Ausrutscher", als kurzzeitiges Ausschlagen aus der Normalität angesehen...
  • Jens Weber am 04.03.2016 08:42
    Ich finde es sehr gut, dass ihr darueber schreibt, wenn keiner darueber schreiben moechte.
  • Michelle Martin am 04.03.2016 11:31
    "Nur wenn wir uns entschieden gegen den radikalisierten Terror, aber auch der Ignoranz all dessen stellen, nur dann können wir diese Tendenz korrigieren."

    Wunderbar zusammengefasst. Hier ein sehr beunruhigender Zwischenfall - zuhause, in Sachsen, leider Normalität.
  • Danke für den Aufklärungsversuch in dem Artikel...diese Vorgänge sind sehr schockierend. Was auch immer das für Arschlöcher sind, das einzige was dem entgegen zu halten ist, ist Zivilcourage.
  • ich fühl mich informiert...danke
    aber was tun?
  • [...] gebaut u.a. aus Worten eines Berichts über „mysteriöse“ Vorfälle in Berlin des Online-Feuilletons Berliner Gazette [...]
  • carsten wulff am 08.03.2016 17:22
    Die dunkle Seite der Menschen zeigt sich nun häufiger und es macht mich wütend, solche Zeilen zu lesen, zumal ich gerade erst in meinen Urkiez zurück gezogen bin. Ich laufe nun abends mit noch offeneren Augen um im Falle des Falles auch körperlich reagieren zu können!

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