• Globalisierungskritik, wie weiter? Antwort #1

    Viel ist bei masseundmacht.com nicht zu finden, aber wohl ein Musikbeitrag von Christian von Borries. Und damit faengt es an. Es ist kein musikalisches Beispiel, sondern ein akustisches, das auch Elemente von Musik in sich fasst. Es ist ein akusti- sches Bild. Sehr verraetselt und doch in einem Punkt extrem praezise.

    Darin wird ein Ton mit einiger Lautstaerke ab 1’20“ und dann noch mal um eine Oktave versetzt ab etwa 2’58“ angestimmt. Es handelt sich wohl um die Tonhoehe g, ob es g8 ist, kann ich jetzt nicht bestaetigen. Der eine Ton liegt bei 6112 Hz, der zweite bei 12224 Hz. Eine Oktave drueber waere nicht mehr zu hoeren.

    .
    G8-Grossdemo, 02.Juni, Rostock. Bild:Krystian Woznicki

    Das ist ein Peak, ein g8-Peak! Zu den dort verwendeten Materialien gibt es folgende Angaben: >Stimmen der G8 Staatschefs, die von youtube stammen, wurden im Hof des Kempinski Hotels in Heiligendamm neu aufgenommen, waehrend der Weltwirtschaftgipfel bereits stattfand. Die spezifische G8 Sinuswelle wurde von Michael Iber zur Verfuegung gestellt. Die Geraeusche der Zerstoerung des Berliner Buddy Baeren hat Andreas Siekmann aufgenommen. Alle weiteren Sounds stammen von limewire. Fuer die Zusammenstellung der verschiedene Elemente war Christian von Borries verantwortlich und Kassian Troyer kuemmerte sich schliesslich um das Abmischen.< Die Materialien sind allerdings fast nicht direkt nachhoerbar. Wenn man es nicht weiss, hoert man es selbst beim besten Willen so gut wie nicht. (Also, ich habe da nichts raushoeren koennen.) Das ist alles sehr artifiziell gedacht und dennoch ragt dieses akustische Bild aus anderen musikalischen Beitraegen zwecks g8-Gipfel heraus, weil es ihn direkt musikalisch angeht. Aber dabei nicht im unmittelbar- sprachlichen (bestenfalls eben musiksprachlichen) arbeitet. Kein Slogan steht aussen an, keine Kommunikation wird erbracht. Und doch ist das Stueck gesaettigt. Ein Freund von mir beklagte vor einigen Wochen, als ich ihn darauf hinwies, dass einige Bands um Heiligendamm herum irgendetwas planten: Ja warum sind wir nicht dabei. Und er meinte damit die Neue-Musik-Szene. Dass diese in der Regel sich selbst als gesellschaftskritisch versteht, jedenfalls zu weiten Teilen, ist ja nichts Neues. Aber einen Platz unter dem Demonstrationsangebot findet sie nicht; man fragt nicht danach, man meldet sich aber auch nicht. Es ist auch schwer auszudenken, in welcher Form so ein Angebot stattfinden koennte.

    Christian Borries‘ Weg waere sicher eine Moeglichkeit, mindestens ist es ein probeweiser Versuch. Denn ein Stueck von Luigi Nono vor den Toren von Heiligendamm ginge gar nicht. Das wuerde schon der Wind zerrauschen. Das Internet waere aber ein moeglicher Ort als Nichtort. Die Autoren des Stuecks schreiben zum Ende: Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie hat keinen Zweck. (Niklas Luhmann) Vielleicht bringt auch das noch tragender zum Ausdruck, dass man sich von einer vollendeten Mitgliedschaft im Strom verabschieden will und muss. Man kann dies nur vermuten. Vielleicht ist es auch was ganz anderes. Und wenn, wuesste ich es auch sehr gerne. (Anm. d. Red.: Der Autor ist Musikwissenschaftler und Redakteur der NMZ)


Noch keine Kommentare zu Globalisierungskritik, wie weiter? Antwort #1

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar hinterlassen