• Marathonficker vs. Disneyschleimi

    Glaubt man Disney-Filmen und den gaengigen Pubertaetshochglanzmagazinen sieht ein Vertreter der Spezies maennlicher Teenager heute so aus: Seine feinporige, leicht gebraeunte Haut umspannt einen durchtrainierten, wohl ausgemessenen Koerper. Sein weisses Gebiss ist den Traeumen eines Zahnarztes entsprungen und er weiss immer, was er sagen und was er nicht sagen soll. Kurz, er heisst Zac Efron und ist so unschuldig wie schoen.

    Aber was ist, wenn man mal unter die Zuckergusskruste schauen will, um zu sehen, wie die Wirklichkeit aussieht? Wir wissen ja alle, dass das Leben kein immerwaehrendes High School Musical sein kann. Doch ob Zac Efron Auskunft ueber sein Unglueck als Heranwachsender geben wuerde?

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    Wer einen Reality-Check in Punkto Pubertaet heute anstellen will, sollte sich dem Leben von Oliver Tate widmen. Oliver Tate ist keine Ausgeburt der Disney-Traummaschine, sondern der Held in dem Debuetroman des walisischen Autors Joe Dunthorne und das krasse Gegenteil von Zac Efron. Oliver ist fuenfzehn, Einzelkind und Klugscheisser. Er putzt sich manchmal tagelang nicht die Zaehne und umspielt die sich bildende Schleim- und Schmutzkruste in seinem Mund lustvoll mit der Zunge. Er kontrolliert das Sexleben seiner Eltern, tyrannisiert eine uebergewichtige Mitschuelerin und haelt sich fuer einen Marathonficker nachdem er seine Freundin genagelt hat. Kurz, man kann diesen Typen nur hassen und das macht irre viel Spass. Wir lernen Oliver kurz vor seinem 16. Geburtstag kennen und verbringen ein turbulentes Jahr mit ihm.

    Er verliebt sich in seine pyromanisch veranlagte Mitschuelerin Jordana, deren Haut von Ekzemen uebersaet ist. Zac Efron wuerde in dieser Situation vermutlich eine Dachterrasse mit Blumen schmuecken und sich ausmalen, wie er sein Traumgirl auf den Mund kuesst (selbstverstaendlich ohne Zunge). Oliver schmiedet auch romantische Plaene, die ein Abendessen bei Kerzenschein beinhalten. Doch seine Versuchsanordnung soll darin muenden, Jordana im Bett seiner Eltern durchzunehmen. Nach dem Sex, der Olivers erstes Mal war, fragt er sie: Wie viele Orgasmen hattest du? Als keine Antwort kommt, ist er sich sicher, dass sie irgendwann aufgehoert hat zu zaehlen.

    Oliver ist von der Realitaet ungefaehr soweit entfernt, wie Zac Efron von einer Schlaegerei. Deshalb versteht er auch nicht, dass dem ersten Sex kein zweiter folgen will und er und Jordana sich immer weiter voneinander entfernen. Da hilft es auch nicht, dass er ihr ritterlich helfen will, als er erfaehrt, dass ihre Mutter sterbenskrank ist. Vielleicht liegt es daran, dass seine Hilfe darin besteht, Mordplaene fuer Jordanas Hund zu schmieden, damit sie das Abschiednehmen schon mal ueben kann. So absurd es sich anhoeren mag, aber Oliver meint es nur gut – zumindest aus seiner Sicht.

    Von solchen guten Taten hat er noch einige auf Lager. So begibt er sich freiwillig in Therapie und berichtet seinen Eltern grossspurig davon, in der Hoffnung, dass sie sich oeffnen, wenn sie sehen, dass er professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Er verschweigt, dass er lediglich einen Physiotherapeuten aufsucht. Ein anderes Mal nimmt er seinen von Depressionen geplagten Vater mit auf den Jahrmarkt. Im Internet hat er gelesen, dass die Elektroschocktherapie bei Depressionen angewandt wird. Auf dem Jahrmarkt setzt er seinen Vater dann auf den elektrischen Stuhl und ist sich sicher, eine wundersame Heilung vollbracht zu haben. Den Hoehepunkt erreicht seine Hilfsbereitschaft, als er in das Haus des vermeintlichen Liebhabers seiner Mutter einbricht und vollkommen betrunken in dessen Bett abstuerzt.

    Der Blick unter die Kruste des maennlichen Teenagerdaseins geht hier manchmal tiefer, als man ertragen kann. Die Erkenntnis kann nur sein: Dieser Oliver Tate hat keinen blassen Schimmer von der Realitaet, denn seine Welt dreht sich nur um ihn selbst. Vielleicht ist er Zac Efron ja doch nicht so unaehnlich.


1 Kommentar zu Marathonficker vs. Disneyschleimi

  • Jetzt muss ich Zac Efron natürlich verteidigen: Sein ganzes Image ist doch nur PR - wer glaubt denn im Ernst, dass er im realen Leben ein Disneyschleimi ist. Oliver Tate, Zac Efron: Beide konstruiert, um Interessen zu befriedigen. Ob das positiv oder negativ ist, sei dahingestellt.

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