• Der Held von der Post

    Nichts braucht der Kulturbetrieb so dringend wie Stichwortgeber. Stichwortgeber sind wie die Souffleusen im Theater, sie fluestern anderen Woerter zu, wenn die nicht weiter wissen. Einer, der die Kunst des Einsagens in den letzten Jahren der Vollendung nahe gebracht hat, ist Herfried Muenkler. Er hielt in der Reihe der renommierten Mosse-Lectures an der Humboldt-Uni einen Vortrag unter dem Titel: „Nach den grossen Kriegen. Die postheroische Gesellschaft und die terroristische Herausforderung“.

    Postheroisch ist ein Lieblingsadjektiv des Feuilletons geworden. Und Muenkler, der die Mosse-Reihe unter dem Titel Confronting Democracy im neuen Semester eroeffnete, reihte sich gut ein in eine Kette bedeutender Stichwortgeber am Pult vor ihm: Wer spricht heute von der Globalisierung ohne den flexiblen Menschen zu erwaehnen (Richard Sennett), wer ueber den Uebergang vom 18. zum 19. Jahrhundert ohne an die Metapher von der Sattelzeit zu denken (Reinhart Koselleck)? Joseph Vogl bemuehte jedenfalls in seiner Einfuehrung Carl Schmitts Brechen aller Begriffsachsen um seinen Gastredner als einen zu ruehmen, der mit seinen Büchern noch den beschleunigten Schritt der Gegenwart einfangen koenne.

    Muenklers bekannteste These als Politologe entspringt weniger seiner Phantasie als genauer Beobachtung. Nach den grossen Kriegen, so sprach er an diesem Abend, waeren die Kriege des 20. Jahrhunderts durch Asymmetrie gekennzeichnet. Krieg fuehren hiesse heute nicht mehr wie noch bei Clausewitz Messen der moralischen und physischen Kraefte mit Hilfe der letzteren sondern unter Beimischung der letzteren. Terroristen seien so gefaehrlich, weil sie den Westen dazu braechten, sich aus Angst selbst kampfunfaehig zu machen.

    Allein: Stichwortgeber sind nie so gut wie ihr Stichwort, sie sind nur so gut wie ihr letzter Satz. Muenklers letzter Satz an diesem Abend lautete: Wo dies nicht gelingt, wird das Beduerfnis nach Sicherheit die Raeume der Freiheit aufzehren. Mit dies meinte Muenkler die Kontrolle der moralischen Kriegsfuehrung und der Videotapes von Al Qaida. Schade, dass der Innenminister nicht zuhoerte. Bei der massvollen Bekaempfung von Terroristen werden naemlich Stichwoerter allein nicht weiterhelfen.


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