• Welt weben

    1971, Afghanistan, Kabul. Der italienische Kuenstler Alighiero Boetti beauftragt afghanische Naeherinnen damit, eine Weltkarte zu weben. Jedes Land soll die die Farben und Muster der Nationalflagge enthalten. Dieser Auftrag brachte jedoch nicht nur eine Karte hervor, sondern eine ganze Serie. Ueber 150 Karten sind in den Werkstaetten Kabuls oder in Fluechtlingslagern in Peschawar ueber zwei Dekaden hinweg entstanden. Jede Karte traegt den geopolitischen Aenderungen in der Welt Rechnung: Dem Zusammenbruch der Sowjetunion, der Wiedervereinigung Deutschlands, territorialen Konflikten im Nahen Osten oder den Regimewechseln auf der eurasischen Halbinsel.

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    Alighiero Boetti nennt das Werk Mappa. Die Reise nach Afghanisten 1971 war Boettis erste in dieses Land. Bis 1979, dem Jahr des Einmarsches der sowjetischen Armee, kehrte Boetti jaehrlich nach Afghanistan zurueck. Ab Mitte der 1970er Jahre trat Boetti als fiktives Kuenstler-Duo Alighiero e Boetti auf, um opponierende Faktoren in seinem Werk zu signalisieren: Individualitaet und Gesellschaft, Irrtum und Perfektion, Ordnung und Unordnung; dabei arbeitete er oft mit anderen Menschen – sowohl Kuenstlern wie Nicht-Kuenstlern – zusammen, deren Beitraege in sein Werk einflossen.

    Die Reihe >One Work< ist eine Serie von Buechern, veroeffentlicht bei Afterall Books. Jedes Buch stellt ein singulaeres Kunstwerk vor, das detailliert von einem einzigen Autor besprochen und kontextualisiert wird. Bisher sind in der Reihe seit Mai 2006 dreizehn Buecher erschienen – mehr als 100 sollen noch folgen. Der italienische Kurator Luca Cerizza hat sich Mappa vorgenommen. Er schaut sich Boettis Karte in Beziehung zu Weltereignissen an und stellt Querverbindungen zur Geschichte des Kartenmachens her. Zudem beleuchtet er das Werk vor dem Hintergrund gegenwaertiger Kunstbewegungen wie Minimalismus, Konzeptualismus und Arte Povera.


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