• Google sei Dank: Jeff Jarvis und die Link-Economy

    Jeff Jarvis hat keine Angst vor Google. Das wissen wir spätestens seit der Veröffentlichung seines Buchs What Would Google Do?. Der populäre Journalismusprofessor und Blogger aus New Jersey hat es sich zum Ziel gesetzt, Verleger und Journalisten in aller Welt davon zu überzeugen, dass das Internet im Allgemeinen und Google im Besonderen eine Chance ist – wenn man sie zu nutzen weiß.

    Seine Vorträge tragen Titel wie „Journalism in the digital age – are you ready?“ Jarvis weiß, dass viele Journalisten noch nicht ready sind. Er muss einen ganzen Stapel an Vorurteilen abtragen. „Google schafft keinen Content, Google besitzt keinen Content“, das ist der vielleicht wichtigste Punkt in seiner Rede, die er kürzlich im Axel-Springer-Haus gehalten hat. Das Statement bedeutet nichts anderes als: Google ist nicht euer Konkurrent.

    Avantgarde vs. Anachronismus

    „Google organisiert den Content nur.“ Jarvis wiederholt es wie ein Mantra. Journalisten sollten auf der Plattform aufbauen, die Google bietet. Denn Links sind die Währung des Internets, Content nur so wertvoll, wie die Links, die auf ihn verweisen. Es komme daher auf die Leser an, mehr denn je. Und auf Google und Co., weil der produzierte Content auch gefunden werden will.

    Dass Jeff Jarvis fast beängstigend unkritisch gegenüber Googles Leidenschaft ist, selbst privateste Userdaten zu sammeln, steht auf einem anderen Blatt. Oder sind wir in Deutschland paranoid, wie er mit dem Verweis auf die neuen Chancen der digitalen Öffentlichkeit bei seinem Vortrag auf der re:publica behauptete?

    Jedenfalls ist es nur logisch, dass Jarvis auch den Verleger Rupert Murdoch kritisiert: „Murdoch is wrong“, sagt er trocken über den Mann, der dafür sorgte, dass die Inhalte der von ihm verlegten Medien (The Times u.a.) nicht mehr via Google gefunden werden können. Außerdem kostet der Content von The Times Geld. Murdoch hält das für avantgardistisch, Jarvis für anachronistisch.

    Von der „Ink-Economy“ zur „Link-Economy“

    „Einst besaßen die Verleger die Nachrichten, weil sie die Druckerpressen besaßen“, so Jarvis. Das sei vorbei. „Uns gehören die Nachrichten nicht mehr“, sagt Jarvis und meint damit die professionellen Journalisten, die sich bei seinem Vortrag im Axel-Springer-Haus versammelt haben.

    Einzelne Personen mit ganz anderem beruflichen Hintergrund könnten genauso gut relevante Geschichten erzählen, die mithilfe des Internet überall auf dem Globus gelesen werden. Die Relevanz großer Medien-Marken schwinde im digitalen Zeitalter, so Jarvis. Er nennt diese Zeitenwende den Übergang von der „Ink-Economy“ zur „Link-Economy“. 

    Jarvis ist einer, der Verleger schon vor Jahren fragte, wann sie endlich ihre Druckereien schließen würden. Das ist erst einmal Koketterie, im Kern aber meint er es ernst. Druckerpressen, die für immer stehen bleiben: Für Jarvis ist das keine Horrorvision, sondern die Evolution des Journalismus. Er sei ein Optimist, sagt er. Nur deshalb könne er als Professor guten Gewissens Nachwuchs für die Branche ausbilden.

    Dann kommt doch noch ein versöhnlicher Satz: „Ich liebe gedruckte Zeitungen“, erklärt Jarvis, „mein ganzer Keller ist voll davon.“


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