• Globalisierungskritik, wie weiter? Antwort #6

    Momentan wird vor allem eine Frage intensiv diskutiert: Wie haelst Du es mit dem Schwarzen Block? Diese Frage ist sicherlich, allein der medialen Aufregung wegen, berechtigt. Wird sich aber in Wohlgefallen aufloesen, schliesslich ist die Aktionsform Schwarzer Block ein Mittel, welches sich vieler, sehr unterschiedlicher Menschen aus der Globalisierungs- bewegung auch weiterhin bedienen werden. Die zentrale Frage nach sechs Jahren No-Global Bewegung sollte die der Alternativen sein. Wenn ein globalisierter Kapitalismus das eigentliche Probleme ist, dann muss sich die Bewegung auf die Suche nach einer neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsform machen.

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    G8-Grossdemo, 02.Juni, Rostock. Bild:Krystian Woznicki

    Einer neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsform, welche sich nicht einem Verwertungsdiktat unterwerfen muss. Die Kunst dabei: nicht nur ein anderes Wirtschaftsmodell am Reissbrett entwerfen, sondern dies in einem Diskussions- und Aktions- prozess mehrheitsfaehig machen und dabei eine Sprache sprechen, die die Menschen auch verstehen. Auf die in den letzten Wochen sehr oft gestellte Frage, was denn die Alternativen zum Kapitalismus seien, lautet meine kurze, unbefriedigende Antwort: Einen modernen Sozialismus, wo die Menschen wieder selber ueber die Produktionsverhaeltnisse bestimmen koennen. Der Rest ist Verhandlungssache.

    Neben dieser Hausaufgabe muessen weiter die Basics der Bewegung gepflegt werden, eine Kritik, die nicht nach Rechts anschlussfaehig ist, kein Dialog mit der Macht, die Zuspitzung, der Skandal, der Grenzuebertritt als wichtige Aktionsform sowie die Delegitimierung aller Herrschaftsapparate.- Radikale Linke waren und sind weiterhin selbstverstaendliche Buendnis- und Gespraechspartner. Aber neben der Buendnisharmonie geht es auch um einen Wettbewerb der Ideen und Standtpunkte. Weniger um sich gegenseitig zu erklaeren, wie links und radikal man sei. Sondern darum, welche Positionen in der oeffentlichen Wahrnehmung staerker wargenommen werden und damit mehr Leute politisiert und mobilisiert.

    Die eigene Aktionsform, Presse- und Aufklaerungsarbeit sind hier wichtige Mittel. Daneben kommt der Kulturarbeit eine wichtige Rolle zu, Konzerte und Partys waehrend der Gipfelproteste wurden von sich antikapitalistisch begreifenden Menschen organisiert, dies gilt es herauszustellen und sollte sich in den Statements der KuenstlerInnen widerspiegeln. Der Make Capitalism History Block der Interventionistischen Linken war der Versuch, linksradikale Kritik deutlich sichtbar zu machen. Wir denken, dies ist gelungen. – Kritik und praktischer Protest gehoeren immer zusammen. Die Kritik im diskursiven Rahmen bleibt wirkungslos, wenn sie keinen praktischen Widerhall findet.

    Die Kritik am Kapitalismus wird dann im Mittelpunkt stehen, wenn die Linke hierzu ein adaequates Gegenmodell entwirft. Die Chancen hierzu stehen nicht schlecht, ist doch der Neoliberalismus als globaler Heilsbringer und Motor des Fortschrittes in einer ideologischen Krise. Insofern wird die Frage nach den Alternativen in den naechsten Jahren bestimmend bleiben. (Anm. d. Red.: Der Autor ist Mitglied der Interventionistischen Linken [IL)]


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