• Ausnahmezustand am Kotti

    Die Polizisten waren ganz perplex. Ihr Anblick erinnerte an gejagte Tiere. Kaum hatten sie sich aus der grossen Gruppe von Polizisten geloest um in Richtung der brennenden Muelltonnen loszumarschieren, wurden sie von allen Seiten mit Steinen und Flaschen beworfen. Einer von ihnen stolperte, seine Kollegen halfen ihm auf und schleppten ihn mit. Die Schaulustigen lachten.

    Die Fotografen gingen noch naeher ran und drueckten auf die Ausloeser ihrer Kameras. Solche Szenen wiederholten sich an diesem Abend in einer Endlosschleife. Ich befand mich mit meinen Freunden mittendrin in diesem Wahnsinn. Nahe dem Kotti, der spaeter von den Polizisten abgeriegelt wurde, harrten wir auf unserem Beobachtungsposten aus.

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    Von dort aus verfolgten wir gespannt das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Anhaengern des Schwarzen Blocks, sowie Schaulustigen auf der einen und Polizisten auf der anderen Seite. Uns beschlich ein mulmiges Gefuehl. Schliesslich gab es hinter uns keinen Fluchtweg. Und wer von uns konnte schon wissen, ob die bis aufs Blut provozierten Polizisten nicht vorhatten die gesamte Strasse zu raeumen, wo sie mit dem Kotti ja bereits angefangen hatte. Unschluessig verweilten wir in der Adalbertstrasse. Meine Gedanken
    kreisten umher.

    Noch am Nachmittag war es weitgehend ruhig gewesen. Gemeinsam waren wir auf dem Myfest in den Strassen Kreuzbergs unterwegs, mitten im Gedraenge. Um uns herum Menschen so weit das Auge reichte, dazu ueberall Essenstaende und laute Musik. Wohl die Wenigsten hatten zu diesem Zeitpunkt mit Ausschreitungen gerechnet. Und die Initiatoren des Myfests sahen sich vermutlich schon auf der sicheren Seite. Es sah nach einem vollen Erfolg aus.

    Schliesslich sollte das Fest das friedliche Miteinander foerdern und der Gewalt keinen Platz lassen. Vielleicht gelingt ja naechstes Jahr ein komplett friedlicher 1. Mai. Wir werden da sein und daran mitwirken. (Anm. d. Red.: Der Verfasser des Textes nimmt am CRASHKURS ONLINE-MEDIEN der Berliner Gazette teil.)


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