• Knall und Schmauch

    Das Geschaeft sieht harmlos aus. Eine grosszuegige Fensterfront, darueber ein blau-weisses Banner: Target Masters. Nebenan eine Eisdiele. Gegenueber schieben sonnengebraeunte Menschen ihre Einkaeufe ueber den Parkplatz. Was in diesem Geschaeft passieren wird, wird mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit bringen, ich weiss es nur noch nicht. Ich befinde mich in den USA – Kalifornien.

    Wir sind zu einer Shooting Range gefahren, Ben, amerikanischer Staatsbuerger und ich, ahnungslose Kontinentaleuropaeerin. Es ist so einfach eine Waffe auszuleihen. Ben buergt fuer unsere mentale Gesundheit, versichert, dass wir ohne Selbstmordabsichten gekommen sind und noch nie einem Richter gegenueber standen. Ich bin nicht einmal der Kontrolle eines Ausweises wuerdig.

    personen

    Das Regal ist voll mit Pistolen und Revolvern aller Groessen. Ben fragt nach einer Waffe fuer Anfaenger, eine die Aengste abbaut. Als wir die Theke mit einer Glock 9 mm in der Hand verlassen, wird mir mulmig. Der Schiessraum beherbergt sieben Scharten, jeweils getrennt durch duenne Sperrholzplatten. Neben mir Menschen mit scharfen Pistolen; Fremde, die meine Angst nicht teilen, sondern vergnuegt und lustvoll herumballern. Der blecherne Klang von Patronenhuelsen auf Betonboden folgt einem jeden Schuss, Schwaden von verbranntem Pulver durchziehen den Raum. Die Ohrenschuetzer koennen die Explosion nicht aufhalten. Der Gedanke, dass Menschen deren Hoehen und Tiefen des Lebens ich nicht kenne, mir mit einer scharfen Waffe gegenueber stehen laesst mich schaudern.

    Wir haben uns eine Waffe ausgeliehen, wir werden schiessen. Langsam verstehe ich, was das heisst. Es dauert eine Viertelstunde bis meine Neugier die Panik besiegt hat und eine weitere bis sie sich in Mut verwandelt hat. Ich druecke den Abzug Millimeter fuer Millimeter durch, mein Koerper gespannt aufs Aeusserste. Die Explosion aus dem Lauf ueberrumpelt mich dennoch. Sie laesst mich taumeln. Danach ist der Druck weg. Ich fuehle mich, als haette ich in der Fahrschule zum ersten Mal nicht den Motor beim Starten abgewuergt. Es ist eine merkwuerdige Mischung aus Stolz, Erleichterung und Angst. Zum Wohlfuehlen ist es noch ein langer Weg. Einige Minuten spaeter werde ich mit weichen Knien und flirrendem Magen den Shop verlassen und in die Eisdiele fluechten.


2 Kommentare zu Knall und Schmauch

  • Holger aus Berlin am 07.09.2008 21:06
    Die Amerikaner argumentieren, dass privater Waffenbesitz die Kriminalität zurückdrängt. Angeblich würden dies Statistiken belegen. Wahr ist aber auch, dass Waffen eine verbale Konfliktauseinandersetzung nicht gerade fördern . Angst erzeugt Angst und gesellschaftliche Probleme werden mit dem lauten Knall nur übertönt. Leider ist die Waffenlobby in den Staaten sehr stark. Solche Artikel aus der Perspektive eines Europäers können aber ermutigen, dieses Thema noch häufiger in die Öffentlichkeit zu rücken.
  • Jule aus Berlin am 08.09.2008 14:21
    beängstigend was anderen alltäglich ist..

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