Bei dem Begriff des Weltbebens
muss ich zuerst an Weltkrieg
denken. Der Zweite Weltkrieg markierte einerseits die drohende Selbstzerstoerung der zivilisierten Welt, andererseits, mit der Gruendung der Vereinten Nationen
als dessen Folge, auch die Uebernahme von Verantwortung fuer eben dieses Ganze. Vorher waren existenzielle Bedrohungen meist gottgesandt
und galten damit als nicht beeinflussbar. Der Weltfrieden
hielt dann nicht lange, erst Koreakrieg, dann die Kubakrise pflanzten die Bilder aufsteigenerder Atompilze in die Koepfe der Weltgesellschaft
.

Die Gratwanderung, vielleicht Koketterie, das Schicksal der Welt steuern zu koennen, geht heute mit neuen Raketenschild-Szenarien weiter. In den 1970ern kam die Um-Welt hinzu. Ernstlich erschrocken reagierte mein Vater auf die Grenzen des Wachstums
vom >Club of Rome<: In damals neuartiger Infografik wurde illustriert, dass es mit den Rohstoffen und dem ewigen Wachstum auf der Erde so nicht weiter gehen koenne. Die aktuelle Klimadebatte setzt diese Dramaturgie fort – wohl und wehe der Menschheit laege letzlich allein in ihren eigenen Haenden. Bei dieser Begriffs-Geschichte kann die Plattentektonik einfach nicht mithalten.
Moegen ihre Auswirkungen noch so buchstaeblich weltbewegend
sein, gegenueber den hektischen Primaten und deren gefuehlter Zeitbeschleunigung erscheint ihr erdgeschichtlicher Gleichmut schlicht banal. So kann sie der menschlichen Gesellschaft nicht ernstlich Respekt abfordern. Verglichen mit den kommunikativ hoch bewerteten Todesopfern eines Terroranschlags ist allenfalls die sechsstellige Zahl der Tsunami-Toten irritierend – aber die aufgeregte Inszenierung, oder auch: Echauffierung als sich selbst gefaehrdende Spezies vermag auch sie nicht – sorry – hinwegzuspuelen. (Anm. d. Red.: Hier weitere Beitraege zum Weltbeben.)
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