• ELENA ist unter uns

    Januar 2010. Die erste Gehaltsbescheinigung des Jahres kommt ins Haus. Ruht im Briefkasten und wartet mit ihrem Geheimnis darauf, geöffnet zu werden. Ein Briefumschlag wie immer, und doch hat sich so viel verändert. Eigentlich könnte er durchsichtig sein, sofern ich, die Empfängerin, von nun an eben das sein soll: transparent, ohne Geheimnisse. weiterlesen »

  • Geheimer Goretex-Maoismus

    Ein jeder kennt das Phänomen, wenn zuvor schon monatelang unterbewusst wahrgenommene Sachverhalte, von einer Sekunde auf die andere, mit Macht an die Oberfläche drängen. Schneller, rücksichtsloser und nachdrücklicher, als jedes Amphetamin. So stand ich nun da, im kalten Berliner Winter, inmitten einer mit Menschenfleisch gemästeten U-Bahn. Ausnahmslos umringt von Anhängern subtiler Textilsekten, zweier sich im ewigen Ringen gegenüberstehender Systeme: Yin und Yang, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Rechts oder Links, Null oder Eins! weiterlesen »

  • Ich bin ganz Ohr

    Alles beginnt mit einem Fenster. Wer das Fenster öffnet, macht das Tor zur Welt auf. Bleibt das Fenster geschlossen, bleibt auch der Zugang zur Welt versperrt? Ich frage, weil ich davon ausgehe, dass wir schon immer in der Welt sind. Das In-der-Welt-Sein ist gegeben – ob mit offenen oder geschlossenen Fenster. Was aber ist dann das Fenster? Ein Rahmen der Weltwahrnehmung – ich denke an die Architektur- und Kunstgeschichte. Ein Rahmen der Subjektwerdung – ich denke an Franz Kafka (“Eine kaiserliche Botschaft”) und Kolja Mensing (“Schreibtisch”). Eine Öffnung – aber worauf hin? Auf das Ungewisse, das Ungewollte, das Ausgeperrte: den Lärm. weiterlesen »

  • Street View Fuck Off

    In den “Tim und Struppi”-Heften aus der öffentlichen Bücherei am Kottbusser Tor hat jemand alle Flüche mit einem satten Kugelschreiber übergekriggelt. Recht so. Mein Vorsatz für das neue Jahr heißt: Positiv Denken, und schlechte Laune, böse Einflüsse und das gemeine Negative aus meinem Gehirn verbannen. Das funktioniert mittels kräftiger Anspannung und Abschaltens aller kritischer Denkvorrichtungen ganz gut. So freuten mich die Auslassungen des wichtigen Medienautors Jaron Lanier in FAZ und SZ, weil da mal ne echte Wahrheit rüberkam: “mitm Internet ist das ja so, dass die Kreativen ausgenommen werden”. Das wusste Lanier vor fünf Jahren noch nicht, aber jetzt, und das steht in seinem neuen Buch. weiterlesen »

  • Globalisierungskritik, wie weiter? Antwort #90

    Der Begriff Globalisierung ist für mich gleichbedeutend mit Vernetzung. Ich lebe und arbeite als Journalist, als Medienaktivist und als Medienbeobachter schon lange in globalen Netzwerken zwischen Lateinamerika, West- und Osteuropa. Genau deshalb finde ich den Begriff der Globalisierung immer hohler und schiefer. weiterlesen »

  • Comuna im Aufbau

    „Wir müssen selbst entscheiden, was wir wollen. Wir sind diejenigen, die die Bedürfnisse kennen und wissen, was in unserer Community los ist“, erklärt Omayra Pérez selbstbewusst. Sie will ihre Community eines an den Hängen von Caracas gelegenen Armutsviertels davon überzeugen, einen Consejo Comunal (Kommunalen Rat) zu gründen. weiterlesen »

  • Schule des Ausbrechens

    Ich bin Vorsitzender und Gründer eines kleinen Instituts in London mit dem Namen The School of Life. Ich glaube leidenschaftlich an das Ziel, Lernen wieder relevant zu machen – und daher bietet die Schule Kurse zu den wichtigen Fragen des Alltags an. Während die meisten Hochschulen und Universitäten das Lernen in abstrakte Kategorien zerhacken (“Die Geschichte der Landwirtschaft”, “Der englische Roman des 18. Jahrhunderts”), beschäftigen sich die Kurse der School of Life mit Dingen, die uns alle angehen: Karriere, Beziehungen, Politik, Reisen, Familie. weiterlesen »