• Von Nackten erschlagen

    Ein Mann, mit seinen Freunden auf der Jagd, entfernt sich von der Gruppe und streift allein durch den Wald. Ploetzlich entdeckt er hinter Baeumen auf einer Lichtung mehrere Frauen, die baden. Testosterongesteuert schleicht er sich an und lugt durch die Aeste auf die nackten feuchten Koerper. Als er sich gerade so richtig ueber die Situation freut, entdeckt ihn zu seinem Unglueck eine der Badenden:

    Die Frauen kreischen und schreien, er will wegrennen, doch bevor er es schafft, zu entkommen, wird er verflucht. Im Weglaufen merkt er, wie seine Figur sich veraendert; und ehe er weiss, wie ihm geschieht, jagt er im Koerper eines Hirsches durch den Wald, zurueck zu seinen Freunden.

    astrakt

    Die erkennen ihn natuerlich nicht, und so findet er zwischen den Zaehnen seiner eigenen Jagdhunde sein tragisches Ende. So brutal kann die Strafe fuer Spanner aussehen, vor allem in den brutalen griechischen Mythen: Diana und Actaeon ist das Geschilderte widerfahren. Der Kunstpalast Duesseldorf nimmt den Mythos zum Anlass für eine ganze Ausstellung ueber eben dieses Thema: Der verbotene Blick auf die Nacktheit. Angefangen mit Abbildungen des Mythos selbst, vorrangig aus dem 16. und 17. Jahrhundert, bietet die Ausstellung einen Querschnitt verschiedener Darstellungen von Nacktheit ueber die Jahrhunderte.

    Japanische, an Kamasutra erinnernde Zeichnungen folgen Oelgemaelden, das Spektrum des Dargestellten reicht bis hin zu Videoinstallationen und Skulpturen. Es ist interessant, die Unterschiede in der Darstellung nackter Menschen in verschiedenen Epochen und verschiedene Erdteilen zu verfolgen. Wenn man allerdings um sich herum nur noch Frauen mit gespreizten Beinen sieht oder 70er-Jahre feministisch angehauchte Geschichten wie Die Vulva entdeckt sich selbst liest, reicht es einem irgendwann. Zu viel Nacktheit kann auch erschlagen.


1 Kommentar zu Von Nackten erschlagen

  • Marie Chevalier am 22.11.2008 18:58
    Allo liebes Team der Berliner Gazette! Mit große Interesse lese ich euch Artikel ueber Kunst wieder immer. Es ist sehr charmant die Mischung aus Insider und Allgemein. Macht weiter so! Ich lern auhc Deutsch davon (zum Beispiel beim diese Mal: Hirsch).

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