• Ueber den Tellerrand geblickt

    Ich beschaeftige mich professionell mit dem Land Laos seit 1988. Damals nahm ich das Studium der Sprachwissenschaften Laotistik-Vietnamistik an der Humboldt-Universitaet auf – eine Studienrichtung, die in dieser Kombination 1988 erstmalig eingerichtet worden war. Als einziger Student dieser Studienrichtung hatte ich dennoch mehrere asiatische Laender im Fokus und befasste mich auch mit Thailand, da zwischen Laos und Thailand sprachliche und kulturelle Parallelen bestehen.

    1994 schloss ich mein Studium als Diplom-Suedostasienwissenschaftler und Sprachmittler ab. Tatsaechlich aber hatte ich erste Kontakte zu Menschen aus Laos Mitte der 80er Jahre, als diese in die DDR kamen, um hier zu studieren oder eine Berufsausbildung zu erhalten. Ich erlernte mit Hilfe laotischer Jugendlicher die laotische Sprache im Selbststudium und erfuhr von ihnen sehr viel ueber ihre Kultur bzw. nahm an ihren kulturellen Aktivitaeten teil, so dass ich bereits vor meinem Studium ueber ein recht grosses allgemeines Verstaendnis zur Sprache und Kultur Laos“ verfuegte.

    Gemeinsam mit Jana Raendchen gruendete ich 1994 die Suedostasien-Gesellschaft (bR), die mehrere Ziele verfolgt. Darunter faellt die Koordination von Kulturveranstaltungen der Laender Suedostasiens in Berlin. D.h. wir realisieren eigene Projekte im Bereich Kunst und Kultur, interkulturelle Kommunikation. Wir geben regelmaessig eine wissenschaftliche Zeitschrift namens TAI CULTURE. International journal on Tai Studies (in Englisch) heraus. Darueber hinaus veroeffentlichen wir die Reihen SEACOM Studien zur Suedostasienkunde mit allgemeinen oder speziellen Beitraegen in deutsch und LiterAsia mit Uebersetzungen von Literatur aus suedostasiatischen Sprachen. Dann arbeiten wir an einer intensiven Kontaktpflege und einer Netzwerkbildung mit Wissenschaftlern und Institutionen in aller Welt. Wir kooperieren bei der Organisation von internationalen wissenschaftlichen Kongressen und Forschungsvorhaben. Und stellen auch ein Serviceangebot zur Analyse schwieriger Situationen im Bereich der interkulturellen Kommunikation (Suedostasien) zur Verfuegung. Seit Jahren nehmen wir an anderen Veranstaltungen, wie den Asien-Pazifik-Wochen teil.

    Der Hauptschwerpunkt von SEACOM liegt momentan noch im Bereich der Kulturforschung, insbesondere aber bei der Herausgabe von Publikationsserien zu den Tai-Kulturen. In diesem Bereich wurden von uns vor ca. zehn Jahren riesige Defizite im internationalen Massstab festgestellt. Mit unseren Publikationen, die in der relevanten Forschungswelt weltweit Verbreitung fanden, wurden einige Missstaende (in der Kooperation von Staatsinstitutionen) bereits beseitigt und neue viel versprechende Wege vorgeschlagen. Insbesondere ging es um Grundverstaendnis, Methoden, Richtungen, Aufbau neuartiger Institutionen. Geboren aus der oben genannten Situation, wonach ich mehrere Faecher und vor allem mehrere Laender beackere, ist fuer ein neues Verstaendnis von einer laenderuebergreifenden, faecheruebergreifenden, kooperativen und systemischen Forschung plaediert worden. Gegen Widerstaende etablierter Wissenschaftler setzten sich diese Erkenntnisse in all den betreffenden Laendern immer mehr durch und werden teilweise schon so oder in eigener Abwandlung in die Praxis umgesetzt.

    Die Kultur-Beziehungen zwischen Laos und Deutschland sind immer noch sehr mager. Das ist auf die relativ unbedeutende Rolle von Laos als Staat in Suedostasien zurueckzufuehren (geringe Bevoelkerungszahl, geringes Pro-Kopf-Einkommen) und auch auf Besonderheiten in der Mentalitaet. Es gibt sehr wenige Laoten in Deutschland, die sich aufteilen in: hier verbliebene Studenten, Fluechtlinge des Indochina-Krieges in den alten Bundeslaendern, und neuerdings vermehrt Ehepartner/innen von Deutschen.

    Die Botschaft von Laos, zustaendig fuer Deutschland, die Schweiz und Osterreich, befindet sich in Berlin. Auf dem Kultursektor sind bisher nicht viele Aktivitaeten zu verzeichnen, jedoch wurde auch schon bei uns angefragt nach einer Kooperation. Interessanterweise werden einige der beruehmten hochqualitativen Thai-Restaurants in Berlin von Laoten gefuehrt, welche ihre eigenen Methoden fuer diesen Erfolg haben. Auf jeden Fall profitieren sie neben der authentischen Thai-Tai-Lao-Kueche auch von ihrer natuerlichen Freundlichkeit. Wie bei den Thais und allen anderen Tai-Voelkern haben wir es mit den freundlichen, sanften Menschen zu tun, deren Laecheln tatsaechlich auch von innen heraus kommt.

    In muehevoller Recherchearbeit hat Jana Raendchen Band acht der SEACOM Studien zusammengetragen, in welchem es um Laotische Kultur in Berlin und Kontaktinfos dazu geht. Selten gibt es kulturelle oder kuenstlerische Austauschprogramme, bei denen Laos involviert ist. Es besteht eine Deutsch-Laotische Gesellschaft e.V., die sich aus einigen Laos-Kennern und -Freunden zusammensetzt, und deren Schwerpunkt entwicklungs- und bildungspolitische Aktivitaeten sind. Doch gibt es bereits Kooperationsanfragen im Bereich der Kultur an uns, die wir unterstuetzen werden. SEACOM hatte im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen einen Laos-Tag durchgefuehrt. Auch durch andere Gruppen wurde regelmaessig eine Laos-Veranstaltung abgesichert. Solche Termine im Zweijahresrhythmus, an denen SEACOM immer aktiv teilnahm, sind die Hoehepunkte und eroeffnen Moeglichkeiten, neue Kenntnisse zu erlangen und Kontakte zu knuepfen.

    Die Moeglichkeiten zur Kontaktaufnahme und zur Kooperation von moeglichst vielen Partnern sollte konsequent genutzt werden, um einige qualitativ hochwertige Veranstaltungen zu Laos pro Jahr mit geteiltem Aufwand abzusichern. Fuer Sinn machende und nuetzliche Projekte, die von den Veranstaltern und auch Botschaften von sogenannten Least Developed Countries, zu denen Laos gehoert, nicht finanziert werden koennen, sollte es meiner Meinung nach ausreichende Zuschuesse aus oeffentlicher Hand oder von Sponsoren, die in diesen Laendern wirtschaftlich aktiv sind, geben.


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