• Stillhalter und Katastrophenjunkies

    Zum Thema 68: Hallo!? Ist es vielleicht noch nicht angekom- men, dass de facto eine Generation existiert, die erleben musste, dass all das, was an wirtschaftlicher Sicherheit und Verlaesslichkeit, was an staatlich vereinbarter Absicherung, an allzeitiger Verfuegbarkeit und Machbarkeit, vorhanden war, in Frage gestellt, wenn nicht sogar abgeschafft wurde? Diese Generation, die erkennen musste, dass alles, was als selbstverstaendlich galt, nichtig ist. Sie lernte zwangsweise Verzicht kennen und sie muss sich immer noch von diesem Schock erholen.

    .

    Diese Generation, die sich bereits fortgepflanzt und vermehrt hat, gab und gibt dieses Horrorerlebnis mit entsprechenden Anmerkungen an ihren Nachwuchs weiter und die Medien, bei weitem nicht alle, aber doch der erschreckend wirksamste und groesste Teil, haben es sich auf die Fahnen geschrieben, auf der allseitigen und allgemeinen Verdummungs- und Verrohungswelle der Katastrophenjunkies mitzuschwimmen, um sich gegenseitig mit dem bestmoeglichen Horrorszenario ueberbieten zu koennen und dies immer mit dem festen Vorsatz, ihr Klientel in den Bann zu schlagen und nicht mehr aus der Angstspirale zu entlassen.

    Was uebrig bleibt, ist oftmals nur noch das verschreckte und aengstliche Glotzen einer Generation, die glaubt, alles werde wieder gut, wenn man nur lange genug stillhaelt, um so Wohlverhalten zu demonstrieren, das nach Belohnung heischt. Fragt man diese Generation danach, was sie von Karin Storchs Abiturrede zum Thema Erziehung zum Ungehorsam von 1967 halte, bekommt man die Antwort: Lassen Sie es gut sein, wir wollen erst unser Abitur, solche Sachen kann man spaeter machen. Ist es schwerer geworden, Mut zu machen oder mutig zu werden? Oder habe ich einfach nur vergessen, dass es diese Haltung auch schon 1968 gab?


Noch keine Kommentare zu Stillhalter und Katastrophenjunkies

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar hinterlassen