• Sternstunden der TV-Demokratie

    Nicht anders kann man bezeichnen, was Donnerstag und Freitag letzter Woche spaetabends noch an Kurzbericht- erstattung ueber den G8-Gipfel, die Staatsmacht und den Protest der Gipfelstuermer ueber den Bildschirm lief. Es waren nicht bloss die eingefangenen Bilder ueber Merkel, Bush und Co., sondern auch die heiter-ironischen bis witzig-lakonischen Kommentare Ingo Zamperonis: „Der Tag auf dem Gipfel beginnt frueh, die Versorgung ist ausgezeichnet, mit Nahrungsmitteln, nicht mit harten Fakten“.

    Sie machen das Ereignis um Scheinheiligendamm erst zum echten Ereignis.

    Wann hat man den allseits gehassten Bush schon mal so kumpelhaft und teilnahmslos im Fernsehen gesehen. Wie er sich gelangweiligt gefuehlt hat von den angestrengten Kommentaren der Gastgeberin, wie er sich lieber der Aufschrift einer Streichholzschachtel gewidmet hat und sich ein Stueck Schokolade in den Mund schob, waehrend die anderen Staatsmaenner sichtlich gelangweilt den Vertretern des Jugend G8-Gipfels zum Dialog gefolgt sind und der Aufforderung Merkels zum Dialog schweigend missachtet haben.

    Oder als Zamperoni den Empfangschef der Regierung interviewte und dieser sichtlich geruehrt, aber ernsthaft von den herrlichen Bildern rund um die Kanzlerin und ihrer Entourage schwaermte. Nichts haette besser all den Unsinn und Politzirkus rund um diesen Gipfel dokumentieren koennen als das. Vor allem als man die soziale Verlorenheit der Politfuehrer auf dem Hotelgelaende immer wieder schnittartig mit den Aktionsformen der martialisch aufmarschierten Staatsmacht, den wilden Kerlen von Greenpeace und den Klamauk des Multitude-Haufens konfrontiert hat.

    Es war diese distanzierte Betrachtungsweise, die das Schauspiel rundherum als Politzirkus und absurdes Theater enttarnt und fuer die Zuschauer emotional greifbar gemacht hat. Haetten alle Teilnehmer: Staatsmaenner, Medienvertreter und Protestumzuegler ihren Gipfel aus dieser Perspektive wahrgenommen, waere ihnen das auch sofort bewusst geworden. Frau Merkel haette vielleichtt schleunigst ihre Sachen gepackt und haette sich vor Scham in ihren vier Waenden versteckt.

    Aber das von Politikern zu erwarten, ist wohl zu viel des Guten. Sie gehoeren mittlerweile zu jener Art von Spezies, die gelernt haben, auch noch nach Fusstritten oder Beleidigungen uebelster Art in die Kamera zu laecheln.


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