• AMLO: Wie die sozialistische Kybernetik der DDR half, den Marxismus-Leninismus zu verlernen

    Künstliche Intelligenz wird heutzutage gefeiert, weil die Technologie die Abschaffung menschlicher Arbeit zum Vorteil von Big Tech und globalen Vorstandsetagen als unvermeidlichen Fortschritt erscheinen lässt – ja, als fehlenden Dominostein im Siegeszug des westlichen Kapitals. Höchste Zeit also um über anti-kapitalistische Alternativen nachzudenken, wie sie etwa in den 1970er Jahren in der DDR als “kybernetisierte Arbeiter*innen- selbstverwaltung” firmierten. Der Berliner Gazette-Autor und Regisseur Kevin Rittberger und der Künstler Nicholas Mortimer stoßen auf eine Marxistisch-Leninistische Akademie in Berlin-Wuhlheide und analysieren ein bisher unbekanntes Fundstück.

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    Als in Berlin-Wuhlheide 1969 die Akademie der marxistisch-leninistischen Organisationswissenschaft (AMLO) gegründet wurde, konnte noch keiner ahnen, dass die Kybernetisierung der DDR weltweit ein regelrechtes Reformbeben innerhalb der sozialistischen Bruderstaaten bewirken würde. AMLO war exemplarischer “Zukunftsort der DDR” (Oliver Sukrow) und umfasste einen Ausstellungsbereich, Forschungs- und Weiterbildungseinrichtungen und ein Rechenzentrum. Die Akademie sollte führende Kader aus Partei, Wirtschaft und Verwaltung mit den Methoden der elektronischen Datenverarbeitung und der Marxistisch-Leninistischen Organisationswissenschaft (MLO) vertraut machen.

    Innerhalb eines Jahrzehnts gelang der DDR dank der überragenden Ingenieursleistungen im Kombinat Robotron in Dresden sowie im Kombinat Mikroelektronik in Erfurt ein derartiger Produktivkraftsprung, dass der Einfluss von AMLO weltweit ausschlaggebend wurde und die DDR-Echtzeit-Datenverarbeitung im Laufe einer Dekade sogar den Konkurrenten von IBM in den Schatten stellte. Wir fragen uns aus heutiger Sicht: Wie konnte es passieren, dass das Wissen um den bahnbrechenden Fortschritt der sozialistischen Länder in den 1970 Jahren so lange unbekannt bleiben konnte? 

    Zwar wurden wir bereits 2019 im Bundesarchiv fündig, das seit 1990 Dokumente des Staatsrats der DDR bewahrt. Doch erst die wiederholte Prüfung durch internationale Gutachter erlaubte den Gang an die Öffentlichkeit. So können die Verfasser erst jetzt und erstmalig im Rahmen von BLACK BOX EAST ein bisher unbekanntes Dokument präsentieren, das zunächst für eine Fälschung gehalten wurde. Es handelt sich um die zweisprachige Broschüre “AMLO – das erste  Jahrzehnt einer sozialistischen Erfolgsgeschichte”. Und wahrscheinlich ist diese einzigartige Dokumentation eines verschütteten Teils der DDR-Geschichte nur deshalb erhalten geblieben, weil der Text Mängel im Schriftsatz aufwies. 

    Zwar war Historikern nicht entgangen, dass auch die DDR an der Kybernetik interessiert war. Bisher ging man aber davon aus, das AMLO von der DDR Staatsführung schon 1971 wieder eingestampft wurde und die DDR den Begriff der Kybernetik ohnehin als ideologisch abtat. Umso erstaunlicher ist es nun, von einem reziproken Ressourcentransfer und Technologieaustausch zwischen sozialistischen Bruderstaaten wie der DDR, Chile, Kuba und Kongo seit etwa Mitte der 1970er Jahre lesen zu können. Auch über den Begriff der “Sozialistischen Weltsysteme” war bis dato wenig bekannt.

    Die Broschüre enthält ferner Bilder eines gigantischen Wandgemälde des spanischen Künstlers Josep Renau, für die AMLO-Ausstellung von 1975 entworfen. Renau war der Verdienst zuzuschreiben, den “Neuen Arbeiter” in einem unverwechselbar modernistischen Stil vorzuahmen und damit einen “Aperitif für die Jugend” der DDR zu servieren. Und nicht zuletzt dokumentiert die Broschüre erstaunliche Bilder des Ausbaus von AMLO ab Ende der 1970er Jahre zu einer futuristischen, urbanen Plattform namens “AMLO Babylon”, angeleitet durch den Niederländischen Kunst-Architekten Constant Nieuwenhuys. 

    Walter Ulbricht, ein Cyberpunk?

    Doch nun noch einmal einen Schritt zurück: Maschinelles Lernen steckte Anfang 1970 noch in den Kinderschuhen, der einfache Perceptron-Algorithmus (Frank Rosenblatt) half dabei, unser Grundverständnis in Sachen Rechenleistung weiterzuentwickeln, und es musste sich erst noch erweisen, dass kapitalistische Früchte im Schoße des Sozialismus besser reifen konnten als im Westen. Stafford Beer, ein britischer Kybernetiker, hochdotierter Berater und Organisationstheoretiker (“The Liberty Machine”) hatte ab 1971 Salvador Allende in Chile zur Seite gestanden und wurde wenig später auch von Walter Ulbricht an Land gezogen. Ulbricht sah mehr und mehr ein, dass seine zehn Gebote von 1958 nicht so einfach umzusetzen waren, dass der reine Leistungsfetisch nichts wert war, wenn die Technologien und Sozialtechniken als veraltet wahrgenommen wurden.

    So interpretierten chilenische Genossen bei ihrem ersten Staatsbesuch Ulbrichts wichtigstes Gebot Nummer 6 – “Du sollst das Volkseigentum mehren und schützen” – dergestalt, dass damit eine Fülle von Eigentumsformen gemeint sein musste. Ulbricht ließ sich zu seinem legendären und später vielfach zitierten Satz hinreißen: “Die Lernfreude des Sozialismus muss jeden Sozialisten überraschen.” Die Geburtsstunde des Kollektivbesitzes, neuer eigenwilliger Formen freiwilliger Kollektivierung, ja sogar Kooperationen von internationalen Investoren und DDR-Kombinaten und Genossenschaften waren nun denkbar, sofern sie der kapitalistischen Logik abschworen. 

    Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung (NÖSPL), das seit 1963 dazu diente, ökonomische und politische Dezentralisierung zu stärken, wurde noch eine Umdrehung weiter gedreht. Und der Vorgang war durchaus reziprok. “Cybersyn”, jener berüchtigte, chilenische Modellversuch, wurde gewissermaßen “AMLOfiziert”, ebenso so wie NÖSPL durch die Impulse des sozialistischen Andenstaates vom Kopf auf die Füße gestellt wurde. Beer schaffte den Spagat zwischen liberalem Effizienz- und Transparenzdenken einerseits und sozialistischem Erneuerungsanspruch andererseits und verhalf der DDR-Plan- und Mangelwirtschaft zu einem wahrhaft großen Sprung nach vorne, sogar bis an die Spitze einer internationalistischen Assoziation.

    Auch Honecker, der Ulbricht in seinem progressiven Bestreben folgte, war während der gesamten 1970er Jahre gern gesehener Gast bei Allende. Allende war es gelungen, nach dem von der chilenischen Arbeiterschaft bestreikten und damit gescheiterten Putsch von General Augusto Pinochet 1974 rehabilitiert zu werden. So wie es Technologietransfers von der DDR nach Chile gab, gingen chilenische Arbeiterräte, die Erfahrungen in den von Beer konzipierten Ops-Rooms (Kontroll-Räumen) in Santiago, Valparaiso, Iquique, La Serena, Puerto Montt, Valdivia, Antofagasta und Pucon gesammelt hatten, im Staatsratsgebäude der DDR in Berlin ein und aus, um den Genossen das von Beer erdachte Viable Systems Model (VSM) zu erklären.

    VSM war das Herzstück von Cybernsyn. Beer hatte es dem gelernten Arzt Allende als zentrales Nervensystem mit selbsttätigen Organen erklärt. Und diese Organe, namentlich kollektivierte Bergbaustätten und Industriezweige wurden nun schrittweise der Selbstverwaltung überlassen. Und bald liefen auch die Kombinate in Dresden und Erfurt und viele mehr auf Hochtouren, um Beers Wunsch zu entsprechen, zentral und von oben verordnete Fünfjahrespläne durch die dezentrale Echt-Zeit-Kommunikation der in den Betrieben gewählten Arbeiterräte ersetzen zu können. 

    1978 wurde AMLO dann umbenannt und konnte dennoch seine Initialen behalten. Stand das ML vormals für Marxismus-Leninisimus, wurde darunter nun zusehends Maschinelles Lernen verstanden. Die alten DDR-Kader hatten sich inzwischen nicht nur von der effizienten Selbstverwaltung in den Betrieben überzeugen lassen, die sozialistische Echtzeit-Datenverarbeitung durch DDR-Hardware konnte auch vom enormen Aufschwung eines regelrechten sozialistischen General Intellects profitieren. 

    Allumfänglicher Allokationsprozess

    In Sachen Hardware fing alles mit dem Robotron 100 an, 1964 der erste “volltransitorisierte, programmgesteuerte Digitalrechner” der DDR. Die Leipziger Herbstmesse wurde schnell zum Tauschplatz für Sozialistische Brudertechnologien (SBT), die im Vergleich zum kapitalistischen Westen lizenzfrei und patentfrei getauscht wurden, wo immer Gebrauchswerte von Nöten waren. Zehn Jahre später konnte der ESER EC1040 bereits mit dem US-Konkurrenten von IBM mithalten, dem legendären Mainframe 360. Und bereits Ende der 1970er Jahre war in der DDR möglich, was der US-Ökonom Daniel Saros von der Universität Valparaiso erst 2020 auf einen begrifflichen Nenner bringen konnte: Ein “allumfänglicher Allokationsprozess der konföderierten Arbeiterräte”, welche die Bedürfnisse der Konsument*innen (man höre und staune von Produkten, nicht mehr von Waren) mittels Vergabe von Punkten messen und ins Werk setzen konnten.

    Dies geschah nicht zuletzt unter Einhaltung von ökologischen Standards. Denn die DDR, darin Karl Marx stets treu verbunden, hatte endlich begriffen, dass auch ein mit dem Westen konkurrierender, fortschrittsversessener Osten “die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter”. Die Genealogie der Informationsverarbeitung, hier im besonderen eines Echtzeit-Managementsystems, das auf Algorithmen basierte, befähigte die sozialistischen Regierungen in Chile, DDR, Kongo, Kuba, Vietnam – und später auch Russland und China – sogar dabei, Klimaziele zu modellieren und einzuhalten, ohne an Wohlstand einzubüßen. Die Gleichung “Wirtschaft = Wohlstand + Wachstum” hatte die Entwicklung im Westen (durch Ökonomen wie Milton Friedman) bekanntlich lange Zeit festgeschrieben und damit Lenins Gleichung “Kommunismus = Sowjetmacht + Elektrifizierung” ausgebootet. Dies geriet nun ins Wanken. Alle Welt, die in der DDR zu Gast war, konnte sich vom Gegenteil überzeugen lassen: “Vom Mangel zum Überfluss” hieß es auf der 10-Jahres-Feier von AMLO auf einem gestickten, hochhausroten Banner, den Beer Honecker zum Jubiläum geschenkt hatte. 

    Auch Utopisten aller Länder kamen auf ihre Kosten. Die DDR machte 1979 erste Versuche mit einem Gesamtkatalog, der anstelle Geld nun Punkte zum Einsatz brachte, die alle Staatsbürger*innen sozialistischer Bruder- (und bald auch Schwester-) Staaten zum Einsatz bringen konnten. Aber was aus heutiger Sicht am meisten überrascht und nun aus dem Schlussteil der AMLO-Broschüre hervorgeht: Die sozialistischen Cyber-Raum-Pioniere wurden bereits 1975, nach einem Sabotageakt bei Seefeld federführend in Sachen nachhaltigem, ökosozialistischem Fortschritt. Genau genommen setzten Chile, die DDR und die sozialistische Republik Kongo Maßstäbe in Sachen Klimagerechtigkeit und Degrowth, ohne dass dies damals freilich bereits so genannt worden wäre. Die angehende Ressourcenknappheit war zunächst dem Club of Rome aufgefallen. Dank der Theorien von Marion Hubbert wurde “Peak Oil” in der DDR aber wirklich Handlungsanweisung, während der Wachstumsfetisch des Westens dieser ökologischen Entwicklung hinterherhinkte. 

    Sternstunde der DDR-Kybernetiker

    Wie kam es, dass ausgerechnet die DDR-Arbeiterschaft eine internationale Entwicklung entfachen konnte? Was für die Entwicklung des kybernetisierten Sozialismus in der DDR von ungeheurer Wichtigkeit war, ist neben den neuen Technologien ein bisher wenig untersuchter Sachverhalt. Etwas, was der US-amerikanische Anthropologe Ashley Montagu “Neotenie” nennt: Die Fähigkeit, zeitlebens zu lernen und ständig neu zu beginnen. Für die DDR sollten sich ihre neotenen Fähigkeiten auch besonders gut bemerkbar machen, da es in der wichtigsten Alters-Kohorte der Werktätigen (zwischen 25-45) nicht nur wesentlich mehr Frauen gab als im Westen, sondern auch überdurchschnittlich mehr Lernfähige. Lernfähigkeit hat, wie sich erweisen sollte, neben Verantwortungsmöglichkeiten und Wertschätzung auch etwas mit Schnelligkeit der Auffassungsgabe und innovativen Umsetzungsmöglichkeiten zu tun.

    Die von DDR-Ökonomen geprägten Indexe TGI (Technische Geschwindigkeit Index) und IVGI (Individual- und Volksgeschwindigkeit Index) wurden ab den späten 1960er Jahren in Relation zueinander gesetzt und ergaben für die DDR einen äußerst vorteilhaften Quotienten. Der Quotient zeigte nicht nur an, dass die DDR den technologischen Innovationen (hier v.a. die exponentielle Rechnergeschwindigkeit) gewachsen war, sondern sie auch mit beeinflusste, da auch die Neotenie im Laufe der 1970er Jahre stark anwachsen konnte. Für Frank Volkster, einem führenden DDR-Kybernetiker bei AMLO, waren “die Bedingungen optimal”: “In der USA gab es zwar auch schnelle IBM-Rechner und auch ein paar schlaue Leute zwischen Chicago und Palo Alto, aber der IVGI war deutlich im Hintertreffen.”

    Volkster, der in Bautzen zunächst Maschinenbau studiert und anschließend in den 1960er Jahren als Projektleiter für Betriebs-, Mess-, Steuerungs- und Regeltechniker gearbeitet (BMSR) hatte, erklärte die Entwicklung nach dem Tod von Ulbricht wie folgt: “BMSR-Techniker war der typische DDR-Beruf der 1960 Jahre und wurde zunächst als Arbeiterberuf, jedoch bald schon als Angestelltenberuf begriffen. Damit entstand eine kreative Klasse, die für den Aufstieg der sozialistischen Kybernetisierung wichtig war. Dies konnte selbst einen Stalinisten wie Ulbricht davon überzeugen, Macht abzugeben.”

    AMLO gelang es, Leute wie Volkster an sich zu binden und ihnen schnell viel Verantwortung zu geben. Innerhalb des vormals starren bürokratischen, sozialistischen Systems gelang es gemäß Beers VSM nach und nach, autonome Teilsysteme zu integrieren: Durch die Selbstverwaltung in den VEBs und Kombinaten, durch die Vernetzung der autonomen Sphären und nicht zuletzt durch die Wandlungsfähigkeit der Entscheidungsträger an der Spitze, die ihre Kontrolle nunmehr eher als technische Funktion wahrnahmen, denn als Entmachtung der Subsysteme. Für Beer entsprach das ZK der SED dem “Senior Management” und wie bereits in Allendes chilenischen Sozialismus studiert werden konnte, ging es auf “Level 5” immer um die auf Ausgleich bemühte Bewerkstelligung des Gesamtsystems, folglich um Machtdistribution und nicht Machtkonzentration.

    Eine Wissenschaft der Balance

    Kontrolle erschien in Beers Verständnis als etwas Kollektives, um die Operationen eines System bestmöglich zu bewerkstelligen, nicht als Konzentration von Entscheidungsbefugnissen auf lediglich eine Person. Es war naheliegend, dass diese Funktionen auch durch andere Funktionsträger mit einem anderen Funktionsverständnis erfüllt werden konnten, wie Allende es vormachte, mit großer Zustimmung der Bevölkerung. Die Kybernetikerin Allenna Leonard brachte dies später auf die griffige Formel: “Cybernetics is more of a science of balancing than a science of control.” 

    War dies der Schlüssel zum Erfolg? War dies die “endlich entdeckte politische Form” (Karl Marx), initiiert und begleitet vom kybernetischen Management? Gelang es der DDR damit, deutlich mehr Leute zu motivieren? Oder wie war das Phänomen zu deuten? Auf der Leipziger Herbstmesse 1980 darauf angesprochen, fasste es Stafford Beer wie folgt zusammen: “Du musst den Leuten einfach die Möglichkeit geben, ihre eigene Kreativität einzubringen, ihnen Wertschätzung glaubhaft vermitteln sowie die Möglichkeit, ihren verantwortungsvollen Teil am Ganzen zu begreifen. Außerdem ist für die DDR die Rolle der Frau ausschlaggebend.

    Die stehen in den USA und wenn wir ehrlich sind auch in Chile immernoch noch am Herd.” Der Überraschungsgast der Herbstmesse aber war zweifellos der österreichische Ökonom Friedrich von Hayek. Entgegen seiner früheren Aussagen ließ er sich nach seiner ersten Stippvisite durch die DDR, in Begleitung von Emilio Barrarecan und Frank Volkster, zu folgender Aussage hinreißen: “Sozialismus wird dergestalt ein selbstregulierendes System, wie ich das einst von Märkten angenommen hatte. Die sozialistische Kybernetik stellt damit von sich heraus eine harmonische Ordnung her.” 

    Was können wir aus dieser einzigartigen und verschlungenen, sozialistischen Technologiegeschichte lernen? Könnten diese Spuren einer grundlegend anderen Herangehensweise an die Ziele des technologischen Fortschritts gegenwärtig zu einem Leuchtfeuer der Hoffnung werden, da wir unser Schicksal inzwischen in die Hände des KI-Kapitalismus gelegt haben? Unser heutiges Verhältnis zu den von Menschen gemachten Komplexitäten der Datenextraktion in den Händen des Profits unterstreicht zunehmend das Fehlen einer echten, alternativen Vision für das, was unsere Technologien eigentlich befördern könnten.

    Maschinelles Lernen (ML) wird im Jahr 2021 auf einen Thron gesetzt, genau aufgrund der Fähigkeit, die Abschaffung menschlicher Arbeit zum Vorteil von Big Tech und globalen Vorstandsetagen als unvermeidlich zu beschleunigen. Es ist weniger wahrscheinlich, dass ML als Mittel zur Unterstützung und des Empowerments von Minderheiten, der gefährdeten Ökologie sowie zur Abschaffung von prekarisierter Arbeit weiterentwickelt wird, zumal letztere gegenwärtig im Dienste genau dieser algorithmisierten Kontrolle steht. Was wir im Abglanz eines vergangenen Techno-Sozialismus sehen, ist vielleicht etwas mehr Bewusstsein für die Rolle, die die Wissenschaft beim Schutz des Planeten einnehmen könnte, kollektiv, kreativ und gewissenhaft für die Vielen und nicht nur für die Wenigen zu arbeiten.

    Link zum Archivmaterial: https://berlinergazette.de/wp-content/uploads/amlo10-comp.pdf

    Anm.d.Red.: Der Text entstand in Ko-Autorschaft mit Nicolas Mortimer. Die englische Fassung des Texts ist bei NON erschienen. Mehr zum BLACK BOX EAST-Projekt findet sich hier.


3 Kommentare zu AMLO: Wie die sozialistische Kybernetik der DDR half, den Marxismus-Leninismus zu verlernen

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