• Wir müssen reden: Über Religion, Fundamentalismus und unsere reparaturbedürftige Debattenkultur

    Wer mischt sich schon gern in Debatten ein, wenn es um Religion geht? Gläubig oder nicht, das sind irgendwie immer die anderen. Reliogionswissenschaftlerin und Berliner Gazette-Autorin Leonie Geiger sieht das anders. Wir müssen reden, dringender denn je. Über Religionen und Gewalt, über Kritik und Selbstkritik.

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    Religion ist unbedingtes Angegangensein. Denn Religion ist die Konfrontation mit dem Endlichen. Dieses Endliche – der Tod – geht uns alle etwas an, berührt uns. Die Gretchenfrage ist aktueller denn je: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ – Debatten rund um Religion(en) im öffentlichen Raum sind immer irgendwie geladen. Nun ist es wichtig, dass wir immer wieder drüber sprechen – über Religion. Über das Potential von Religion – das Gewalt-Potential. Über die rechtlichen Grenzen, die Religion gesetzt werden – dürfen oder können?

    Und immer wieder stehen dabei die Fragen im Raum: Was darf kritisiert werden, was nicht? Wer darf kritisieren und welche Maßstäbe sind dabei anzusetzen? Ist das, was ich da gerade kritisiere eigentlich noch Religion oder schon eine kulturelle Ausprägung? Da ist außerdem etwas in Religion, was manche Menschen daran hindert, sie zu kritisieren oder Menschen glauben lässt, man dürfe ihre Religion nicht kritisieren.

    Wir müssen reden

    Das eine, das extra, das mehr – das „Heilige“, das, was Religion etwas Unantastbares gibt. Ob es das wirklich gibt? Das ist hier irrelevant. Wichtig ist, dass Religion etwas „erfahrbar“ macht. Dieses Erfahrbare, dieses Erleben kann für Außenstehende befremdlich wirken. In einer demokratischen Gesellschaft ist es aber unabdingbar, dass wir reden. Dass wir darüber sprechen, was uns anstößt oder aufstößt, dass wir Dinge aus-diskutieren.

    „Kritik“ ist ein Begriff, der eigentlich jeglicher Wertung entzogen ist. Eine Funktion, ein Werkzeug, das an sich losgelöst vom Inhalt ist, sich in der Fragestellung formiert und in Urteilen münden kann. Die Kritik an Religion gibt es schon so lange, wie es Religion gibt – also schon sehr lange und sie ist verbunden mit einer Vielzahl von Namen und Werken. Da war doch etwas mit Opium…?

    Doch allen ist eins gemeinsam: Ihrer Kritik geht vorweg, dass es Religionen – in welcher Gestalt auch immer – gibt (diese Feststellung ist übrigens vollkommen losgelöst von der Frage, ob es höhere Mächte gibt…). Und so lernen wir die erste wichtige Lektion, wenn es um Religionskritik geht: Eine Kritik an Religion impliziert doch auch immer ein Verständnis ihrer. Oder eben bereits das Missverständnis. Ich möchte die Gedanken zur Religionskritik von Falk Wagner weiterführen und zwischen drei Arten von Religionskritik unterscheide.

    Radikale genetische Religionskritik

    Gott ist tot! Wie auch immer Nietzsche das meinte, er reiht sich damit ein in die Liste der radikalen genetischen Religionskritikerinnen und -kritiker. Sie wollen die Entstehung von Religion aufdecken, ihre Überflüssigkeit und sie am liebsten gleich auflösen. Dieser Typus ist ein Phänomen der Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts. Klassiker der Religionskritik wie die von Marx („Opium des Volkes“) lassen sich hier verorten.

    Aber auch Richard Dawkins reiht sich in diese Form der Religionskritik ein. Er versucht, nicht nur auf die Irrationalität von Religion(en) aufmerksam zu machen, sondern kritisiert auch die zerstörerische Rolle für Menschen und Gesellschaft.

    Religionskritik wird im Namen des Wissenschaftsglaubens und der Evolutionstheorie vollzogen, Vernunft postuliert, die Existenz von Gottheiten negiert. Es geht um die Offenlegung aller nicht-religiösen, nämlich biologischen, psychischen oder ökonomischen Faktoren von Religion, der Mensch soll befreit werden von der illusionären ideologischen Last der Religion. Yeah.

    Ideelle Religionskritik

    Die ideelle Religionskritik zeigt sich als konstruktive Kritik. Wenn Seyran Ateş, die Gründerin der liberalen Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, die homophobe Einstellung vieler Musliminnen und Muslime kritisiert, dann ist dies ein Beispiel der internen ideellen Religionskritik. Dabei wird die Kritik häufig anhand eines bestimmten Beispiels oder Phänomens festgemacht und zwischen Theorie und Praxis oder Idee und Wirklichkeit unterschieden.

    Wichtig ist hierbei – und dieser Punkt wird in hitzigen Debatten schnell vergessen – die Bejahung der wesentlichen Bestandteile der Religion. Einer der bekanntesten Kritiker unseres Kulturkreises war vor 500 Jahren Martin Luther: Es ist Kritik als Selbstkritik, wobei Elemente der Religion infrage gestellt, korrigiert, negiert oder angepasst werden sollen. Diese Art der Religionskritik ist der Hauptmotor, dass sich Religionen weiterentwickeln oder ausdifferenzieren.

    Doch viel häufiger haben wir es heutzutage mit der ideellen Religionskritik zwischen zwei Religionen zu tun. Die eigene religiöse Anschauungsweise wird mit der fremden verglichen. Die Folgen? Fatal und meistens konfliktgeladen zwischen Allmachtsanspruch der eigenen Religion und Irrglaube der anderen. Diese Religionskritik zweifelt natürlich nicht an der Existenz von transzendenten Mächten und will Religion an sich nicht abschaffen, sondern nur ihren eigenen Gott gelten lassen.

    Es gibt aber auch die ideelle Religionskritik, die nicht von Anhängerinnen und Anhängern einer Religion verübt wird. In diversen Büchern, Fernsehbeiträgen und Artikeln werden Ausformierungen von Religionen kritisiert. Das können Kritiken an den Praktiken bestimmter neuer religiöser Bewegungen wie Scientology sein oder auch an spirituellem Bier Yoga. An dem Punkt wird schnell die Legitimationsfrage gestellt: Wer ist berechtigt diese Art der inhaltlichen Kritik auszuüben?

    Funktionale Religionskritik

    Die funktionale Religionskritik kritisiert Religion im Hinblick auf ihre Funktion innerhalb der Gesellschaft und des Staates, also allen nichtreligiösen Gebieten. Dabei geht es überhaupt nicht um den Inhalt der Religion, sondern einfach nur um die politischen, sozialen und ökonomischen Verhaltensweisen und Interessen der repräsentativen Vertreterinnen und Vertreter oder Befürworterinnen und Befürworter.

    Max Weber tat genau dies mit seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, in dem er sich mit der Rolle von Religion für den Kapitalismus beschäftigte. Er nimmt sich die Wechselwirkungen von Religion und Öffentlichkeit vor, die Formen, die Religion dort annehmen kann. Auch hier zeigt sich allerdings, dass die Grenzen permeabel sind. Denn die funktionale Religionskritik kann sich in eine radikale, destruktive Kritik wandeln und einer funktionalen Religionskritik kann eine ideelle zu Grunde liegen.

    Lockert man den Rahmen der Religionskritik, ermöglichst dies, auch religiöse Kulturkritik mit einzubeziehen. Sie ist aber per se keine Kritik an Religion, sondern Objekt der Kritik sind die eben nichtreligiösen Bereiche. Sie ist eine religiös begründete Kritik, die sich häufig gegen den Teil der Welt, der ohne göttliche Bindung, also areligiös ist, wendet. Eine solche Kritik ist insbesondere in der Gegenwart in Form von teils gewaltsamen Fundamentalismus radikaler Anhängerinnen und Anhänger einer Religion medienwirksam geworden.

    Zweck der Religionskritik

    Man kann als nicht-religiöser Mensch Religion als vieles sehen: als die Möglichkeit, die Empirie zu umgehen, als ein Vertrösten auf das Jenseits oder als den Hauptverursacher für die Konflikte in unserer Welt. Doch klar ist, es gibt Religion wahrscheinlich schon so lange, wie es den Menschen gibt und es wird sie auch immer geben. Sie hat die Menschheit wahrscheinlich mehr geprägt, als einigen lieb ist.

    Man kann fragen, welchen Zweck eine Religionskritik hat, die nicht mehr den Sinn von Religion verstehen möchte, sondern nur von außen Religion vernichten will. Einen ganz wichtigen: Sie hinterfragt Selbstverständlichkeiten und Strukturen, die wir annehmen und weitertragen, ohne sie zu reflektieren. Religion ist da, hat seinen Raum eingenommen und wird nicht so schnell wieder verschwinden. Und umso mehr müssen wir dann aber auch verstehen, dass die meiste Art von Religionskritik den Versuch beinhaltet, den Sinn besser verstehen zu wollen und kein Vorschlag zu ihrer Abschaffung ist.

    Und in jeder Kritik steckt für den Kritisierten die Möglichkeit, diese Kritik aufzunehmen. Und wenn diese doch unter dem eigenen Niveau ist, ist es immer noch keine feindliche Intervention. Wenn wir einen fruchtbaren Austausch und eine ehrliche Debatte führen wollen, ist es wichtig Kontexte, Hintergründe, aber auch die Motive, aus denen eine Kritik an Religion hervortritt, aufzudecken. Die Typen der Religionskritik können dafür eine Hilfe sein.

    Religionen sind flexibel

    Die Geschichte hat gezeigt, dass Religionen Großes schaffen können. Großes von strahlender Schönheit, aber auch Großes, das viele, viele Leben kostete und kostet. Sie hat gezeigt, dass zu gelebter Religion der Mensch und damit auch Irrtum gehört. Auch wenn viele Anhängerinnen und Anhänger von Religionen dies anders sehen. Doch die Geschichte hat auch gezeigt, dass es aber die Religionskritik sein kann, die dieses Irren aufdecken kann – und muss.

    Diskriminierung, Menschen verachtende Praktiken wie die Unterdrückung von Frauen, Homophobie, Fanatismus, Terrorismus und Extremismus sind nur Beispiele für religiös begründete Erscheinungsformen von Religion, die nicht unkommentiert und toleriert bleiben dürfen! Die Gretchenfrage zwang zwar Faust zu einem Bekenntnis und traf seinen wunden Punkt, aber sie führte zu Klarheit. Wir müssen sie stellen die Gretchenfrage, wieder und wieder.

    Wir haben mit dem Monotheismus das Problem des Allmachtanspruches. In der Theorie der monotheistischen Religionen gibt es nur ihren einen Gott, die anderen verfolgen einen Irrglauben. Diesen Gedanken weitergedacht, ist man bei Jan Assmanns höchst provokanter und gefährlicher Monotheismusthese, nach der monotheistische Religionen intrinsisch gewalttätig sind.

    Diese These ist widerlegt. Was ich damit aber sagen möchte, ist, dass Religionen wesentlich flexibler sind, als man denken möchte, wesentlich kreativer in der Auslegung ihrer Schriften sein können – sie verfolgen ihre manchmal ihre eigenen Logik, finden Schlupflöcher, wo vermeidlich alles wasserdicht ist und leben meistens nicht nur in guter Nachbarschaft, sondern auch in Freundschaft mit anderen Religionen.

    Anm. d. Red.: Das Foto oben stammt von Stefanie Eisenschenk und steht unter einer Creative Commons Lizenz (cc by nd 2.0).


11 Kommentare zu Wir müssen reden: Über Religion, Fundamentalismus und unsere reparaturbedürftige Debattenkultur

  • Danke für diese Analyse, hab ich so noch nie drüber nachgedacht. Super! Der Artikel hinterlässt mich nachdenklich, aber auch hoffnungsvoll.
  • André am 02.10.2017 15:30
    Ich persönlich fand Robert Ranke-Graves Band Griechische Mythologie aus den 50ern ganz sinnvoll, um Religion als Diskurs des kulturell-theologischen Hacking zu begreifen.

    Sprich: du hast irgendwelche Erzählungen, z.B. die Opferung Isaaks durch Abraham, um zu erklären, warum man keine Menschenopfer mehr machen braucht. Und Du brauchst genau diese Erzählung zum Füllen der Leerstelle.
  • Manuel Bonik am 05.10.2017 17:29
    Kann es sein, dass in diesem Artikel der Islam kein einziges Mal explizit vorkommt? Wenn es zur Zeit Probleme mit Religion gibt, dann doch vor allem mit dem, und wenn das nicht angesprochen wird, wirkt es ein wenig leer.
  • Eleonora am 05.10.2017 21:25
    Liebe Leonie Geiger, ich finde deinen Artikel sehr gelungen geschrieben.
    Gut verständlich macht er die verschiedenen Formen von Religionskritik deutlich.
    Und ich stimme dir zu! Es ist wichtig über Religion(en) zu sprechen, sie zu kritisieren, zu hinterfragen - von außen und von innen.
    Und jede Form der Religionskritik hat dabei ihre Berechtigung.
    Ich selbst beschäftige mich eher mit der internen ideellen Religionskritik. Denn an Gott und dessen guten Absichten zweifele ich nicht, noch das „Bodenpersonal“ macht mir zu schaffen. ;) Wir sind nunmal Menschen und wir sind fehlerhaft, unperfekt.
    Es stimmt, wenn du beschreibst, dass Gespräche über Religion meist emotional sehr aufgeladen sind.
    Es passiert sehr schnell, dass sich eine gläubige Person angegriffen fühlt in ihrem innersten Kern; dass sie jenen Leitstern missverstanden oder diskreditiert sieht, nach dem sie ihr Leben ausrichtet.
    Auch mir geht es manchmal so. Verwunderung hat bei mir dein letzter Absatz ausgelöst: Zitat: „Wir haben mit dem Monotheismus das Problem des Allmachtanspruches. In der Theorie der monotheistischen Religionen gibt es nur ihren einen Gott, die anderen verfolgen einen Irrglauben.“ Dies ist zwar ein weit verbreitetes Problem, aber nicht alle monotheistischen Religionen lehren diese Art von alleinigem Wahrheitsanspruch.
    So steht in den Bahá’í Schriften: „Gott, der Schöpfer, spricht: Es gibt keinerlei Unterschied zwischen den Trägern Meiner Botschaft. Sie alle haben nur ein Ziel, ihr Geheimnis ist das gleiche. Einem von ihnen größere Ehre zu erweisen als anderen, einige von ihnen über die übrigen zu erhöhen, ist keineswegs zulässig, jeder wahre Prophet hat Seine Botschaft als wesensgleich mit der Offenbarung jedes anderen Ihm vorangegangenen Propheten angesehen.“
    Bahá’u’lláh

    „Diese Grundsätze und Gesetze, diese festgefügten und mächtigen Glaubenssysteme gingen alle aus einer Quelle hervor und sind die Strahlen eines Lichtes. Wenn sie sich voneinander unterscheiden, so ist dies den wechselnden Erfordernissen der Zeitalter zuzuschreiben, in denen sie verkündet wurden.“
    Bahá’u’lláh

    „Wenn alle vermeinen, dass ihre Religion alleinig wahr sei, so machen sie sich selber blind für die Wahrheit, die in den anderen ist. (…) Alle Lehren der Propheten sind wesenseins. So gibt es nur eine Religion, ein die Welt erleuchtendes göttliches Licht. Unter dem Banner der Einheit der Menschheit sollten nun alle Menschen jedweden Bekenntnisses ihre Vorurteile ablegen, Freunde werden und an alle Propheten glauben.
    Wie die Christen an Moses, so sollten die Juden an Christus glauben. Wie die Muslime an Christus und Moses, so sollten die Juden und Christen gleichfalls an Muhammad glauben. Dann gäbe es keinen Streit mehr, so wären alle vereint. Genau zu diesem Zweck erschien Bahá’u’lláh.“
    ‘Abdu’l-Bahá

    „Der Ozean ist eine einzige Wassermasse, aber seine Teile haben eigene Bezeichnungen: Atlantik, Pazifik, Mittelmeer, Antarktisches Meer und so weiter. Wenn wir auf die Namen achten, blicken wir auf das Unterscheidende, aber das Wasser, der Ozean selbst, ist eine Wirklichkeit.
    Gleichweise sind die göttlichen Religionen der heiligen Manifestationen Gottes in Wirklichkeit eine, obwohl sie sich nach Namen und Bezeichnungen unterscheiden.“
    ‘Abdu’l-Bahá

    Etwas schwierig finde ich, dass du zu der Monotheismusthese Jan Assmanns hinleitest und aber keine Hinweise darauf gibst, warum diese, wie du schreibst, „widerlegt“ ist. Auf der anderen Seite ist es immer gut, die eigenständigen Suche nach Wahrheit anzuregen. Mich interessiert jedoch vor allem, wie du nach einem Text, der vorrangig die Missstände innhalb der Religion und Religionsausübung aufzeigt, selbst zu einem positiven, hoffnungsvollen Ende kommst: „Was ich damit aber sagen möchte, ist, dass Religionen wesentlich flexibler sind, als man denken möchte, wesentlich kreativer in der Auslegung ihrer Schriften sein können – (…)und leben meistens nicht nur in guter Nachbarschaft, sondern auch in Freundschaft mit anderen Religionen.“ Für mich bildet das zwar die Realität ab, aber mich irritiert dabei das „Was ich damit aber sagen möchte…“ denn der Text betont für mich eher die mit religiösen Praktiken und deren kulturellen Ausprägungen einhergehenden Schwierigkeiten.

    Alles liebe,
    Eleonora
  • Markus am 06.10.2017 14:59
    Da sehe ich gerade die Stärke des Artikels, dass er argumentieren kann gerade ohne irgendeine Religion spezifisch zu nennen...
  • andre am 06.10.2017 21:07
    "In einer demokratischen Gesellschaft ist es aber unabdingbar, dass wir reden."

    Mohammed und Jesus sind in die Wüste gegangen. Schweigen statt Quatschen ist etablierte Religionspraxis. Ähnlich Bilderverbot und Gottesnamenverbot als Ausklammern von der Diskursphäre. Es muss nicht über alles geredet werden. Es muss nicht alles in einen interreligiösen Diskurs getragen werden. Es muss nicht alles zerlegt werden. Das schöne unaufgeklärte und paradoxe, das rätselhafte und ungelöste, ungereimte, der Glitch hat auch was. Denn was sich reimt, ist Lüge. Und was nicht bestreitbar ist ohne Sinn.

    "Wir haben mit dem Monotheismus das Problem des Allmachtanspruches."

    Selbst den "Monotheismus" gibt es in vielen Ausprägungen und persönlichen Perzeptionen. Schon Monotheismus ist ein theologischer Begriff. Keine Religion sagt von sich selbst, sie sei monotheistisch. Sondern sie hat so etwas wie keine Götter neben sich, doch was bedeutet Göttlichkeit überhaupt? Was unterscheidet Gott und Allmacht? Warum ist katholische Heiligenverehrung kein oder doch Polytheismus? Warum kann man griechische Götter in der Kunst verewigen und trotzdem monotheistisch sein? Warum ist das Abendmahl kein kanibalistisches Ritual?

    https://www.youtube.com/watch?v=ASzG4QdriOg
  • Leonie am 08.10.2017 13:58
    @Reza
    Danke, das freut mich!
  • Leonie am 08.10.2017 14:00
    @ André
    Das hört sich spannend an, ich kenne das Buch leider nicht. Verstehe auch nicht ganz, was du mit kulturell-theologischem Hacking meinst. Aber die Rolle von Erzählungen / Narrativen ist natürlich nicht zu unterschätzen, wenn man Religion(en) analyisiert.
  • Leonie am 08.10.2017 14:05
    @ Manuel Bonik
    Ja, das ist richtig. Der Islam ist gerade sehr präsent, wenn es um Konflikte und Religion geht. Ich möchte und kann das in diesem Rahmen nicht bewerten. Dieser Artikel beschäftigt sich auf theoretischer Ebene mit Religion und soll eine Art Rahmen geben, der auf "alle" Religionen anwendbar sein soll. Es ist nicht meine Absicht, eine Religion herauszupicken und sie zu bewerten.
  • Leonie am 08.10.2017 14:32
    @ Eleonora

    danke für diese bereichernden Beipsiele der Bahá’í. Diese Religion ist in der Tat ein sehr spannendes Beispiel, da sie auch andere Heilige Schriften miteinbezieht. In der Tat hatte ich, als ich von Monotheismus sprach, Christentum, Judentum sowie Islam in allen vielfältigen Ausprägungen im Hinterkopf.

    Zu der Monotheismusthese von Assmann (hier nachlesbar: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/2809/1/Assmann_Monotheismus_und_die_Sprache_der_Gewalt_2005.pdf ). Er schaut sich darin vorallem die Sprache der Gewalt im Alten Testament an. Er wurde vielfach kritisiert, da seine Argumentation weder exegetischen, geschichtelichen noch literaturwissenschaftlichen Standarts enspricht.

    Und wie ich zu dem Schluss komme? Ich beschäftige mich als Religionswissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Friedens-und Konfliktforschung sehr viel mit gelebter Religion. Und es zeigt sich immer wieder, dass man mit einer kompletten Fokussierung auf Texte der Religion sehr schnell an seine Grenzen kommt, es ist – so bin ich der Meinung und da gibt es sicherlich einige Wissenschaftler*innen, die mir wiedersprechen – die Auslegung in der Praxis, die wirklich weiterbringt. Und die zeigt, dass es höchst "kreative" (theologische) Lösungen für Probleme geben kann, bei denen als Außenstehende*r aufgrund einer zu starren Fokussierung auf Schriften der Fall sehr klar weiß oder schwarz ist.
  • Leonie am 08.10.2017 14:50
    @andre
    Natürlich muss nicht über alles geredet werden, da hast du vollkommen Recht. Aber es gibt einen Punkt, an dem kann und darf nicht mehr geschwiegen werden.
    Nun, sagst du dann aber über Religionen: "Das schöne unaufgeklärte und paradoxe, das rätselhafte und ungelöste, ungereimte, der Glitch hat auch was.", dann darfst du nicht fragen nach den theologischen Kontroversen (Trinität, Abendmahl bei Katholiken, etc.) ;-)

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