• Charlotte Chronicles.15

    Bei einer komplett unrepraesentativen Umfrage in der internationalen Deutsch sprechenden Gemeinschaft in Charlotte, welche Gruende die jeweiligen Personen zum Lernen der deutschen Sprache veranlasst haben, erhielt ich – kurz zusammengefasst – folgende Antworten: Schule, deutsche Freunde, Arbeit fuer deutsche Firma, >Franzoesisch fand ich doof<, deutscher Kriegsgefangener und >Derrick<.
    Einige dieser Gruende beduerfen einer ausfuehrlicheren Erlaeuterung: Deutsch als Fremdsprache in der Schule ist vor allem in Osteuropa ein bedeutender Faktor, da deutsche Unternehmen beispielsweise den Grossteil der wichtigsten slowakischen Industrien aufgekauft haben (Telekommunikation, Automobilmarkt). Durch die Beherrschung der deutschen Sprache ergeben sich dort sehr gute Berufsperspektiven, waehrend man sich in Westeuropa und Nordamerika zur Verbesserung der Jobchancen eher Spanisch oder Chinesisch aneignet. In Suedamerika ist Deutsch an Schulen in bestimmten Gebieten durchaus praesent, wenn auch nicht unbedingt als einzelnes Unterrichtsfach, sondern durch den Betrieb deutscher Schulen. Vor einigen Monaten lernte ich den ehemaligen Aussenhandelsbeauftragten von Ecuador kennen, dessen Kinder die ersten Schuljahre in Berlin durchlaufen hatten und nun auf die deutsche Schule in Quito gehen, die als eine der renommiertesten des Landes gilt und gleichzeitig die Qualifikation fuer das Studium an einer deutschen Universitaet verleiht. Wer nicht durch Schule oder Beruf auf die deutsche Sprache stiess und sie spaeter noch lernt, hat sich meistens aufgrund deutscher Freunde dazu entschlossen. Eher Einzelfaelle sind sicherlich Beispiele wie ein Englaender, der in der Naehe deutscher Kriegsgefangener aufwuchs ist und von diesen Deutsch lernte. Nicht zu unterschaetzen ist hingegen der Anteil an Skandinaviern, die in ihrer Kindheit deutsche Fernsehserien im Original mit Untertiteln gesehen haben und dabei ganz nebenbei einen Grossteil der Sprache aufgeschnappt haben. Oft werden in diesem Zusammenhang >Der Alte< und >Ein Fall fuer Zwei< genannt, doch der absolute Exportschlager und damit ein bedeutender Botschafter Deutschlands ist und bleibt – auch wenn man es als Deutscher lieber nicht glauben wuerde – >Derrick<.

  • Linguistische Grenzverschiebungen

    Ich leite seit 2002 das Goethe-Institut in den Palaestinensischen Gebieten. Unser Institut ist in Ramallah, dem politischen und geistigen Zentrum Palaestinas. Ramallah ist bei weitem nicht die groesste palaestinensische Stadt sondern nur etwa so gross wie Giessen. Die groessten Staedte sind Nablus, Al-Khalil (Hebron) und Gaza. Zumindest in Gaza veranstalten wir auch Sprachkurse und Kulturprogramme. Das Goethe-Institut Ramallah bildet seit Sommer 2004 mit dem Centre culturel francais das Deutsch-Franzoesische Kulturzentrum. Was unsere Sprach- und Programmarbeit erschwert, sind die Bedingungen der Okkupation unseres Gastlandes durch ein anderes Land. Checkpoints, Mauern und Strassensperren bestimmen das Leben. Unseren StudentInnen und Partnern ist das Recht auf Freizuegigkeit weitgehend verwehrt, und der Besuch eines Sprachkurses kann da leicht zu einer Odysee werden. weiterlesen »

  • Germanisierung des Orients

    Jedes Kind kennt Karl May (1842-1912). Der Schriftsteller erschuf den Wilden Westen und den fernen Orient – farbenpraechtig, informativ und lebensnah. Ohne jemals selbst dortgewesen zu sein, auch das weiss so gut wie jedes Kind. Karl May verstand es zu recherchieren und er hatte eine bluehende Fantasie. Gleichzeitig – und das bleibt haeufig aussen vor – lebte er in einer Zeit, da der deutsche Kolonialismus seine kurze intensive Bluete erlebte. In einer Zeit also, in der das Bild von der Fremde, vornehmlich des im Suedosten gelegenen Auslands, gesellschaftlich unvorstellbar hoch im Kurs stand. Expansive Vorhaben im Nahen Osten und in Afrika waren an der Tagesordnung – aber vieles davon ist heute vergessen. Afrika, ja, da war doch was. Aber der Nahe Osten? Da waren doch die Englaender aktiv.

    Wie hiess er doch gleich? Lawrence von Arabien… Malte Fuhrmann erinnert in seinem Buch >Der Traum vom deutschen Orient< indirekt daran, dass die Figuren des Karl May – Kara Ben Nemsi und sein Freund Hadschi Halef Omar etwa – nicht ausschliesslich literarische Hinrgespinste waren, sondern ihre Vorbilder in der deutschen Kolonialkultur hatten. Wer vielleicht mal von der Bagdad-Bahn gehoert hat als dem Traum von der schnellsten Verbindung zwischen Berlin und dem Indischen Ozean, wird hier seinen Horizont um ein Vielfaches erweitern koennen. Fuhrmann schaut sich moralische Eroberungszuege, Evangelisierungsversuche, reale Siedlungsbewegungen sowie zwei deutsche Kolonien im Osamnischen Reich an und unterzieht sie einer post-kolonialen Anaylse.

    Einen Slogan der Eroberer aufgreifend (>Im Morgenlande eine deutsche Haeuslichkeit schaffen<) betrachtet der Historiker und Balkanologe nicht zuletzt auch Ehe und Kindererziehung in der Orientkolonie. Fuer alle, die Karl May in ihrer Kindheit oder Jugend verschlungen haben oder zumindest den Verfilmungen seiner Stoffe ausgesetzt waren, eine zu empfehlende Lektuere, bei der neben der besagten Horizionterweiterung auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Sozialisation in Aussicht gestellt werden kann. Fuer die Leser der Berliner Gazette aber auch deshalb interessant: Die McDeutsch-Beitraege aus dem Orient lassen sich nochmal neu lesen. Farid C. Majari, Ehssan Varshowkar, Saleh Srouji, Anja Wollenberg und Handan Konak erzaehlen alle auf die eine oder andere Art von den Nachwirkungen der deutschen Expansion im Orient. Konak etwa macht deutlich, dass die Eroberer heute in einem neuen Gewand unterwegs sind – als Touristen.

  • Ich will kein Deutsch lernen!

    >Marhaba!< ruft uns Hamed in der ersten Arabischstunde freudig entgegen und faengt ohne Umschweife an zu quatschen. Keiner von uns kann ihn auch nur ansatzweise verstehen. Dann wechselt er endlich ins Deutsche und alle atmen erleichtert auf. Wer eine neue Sprache lernt, der lernt nicht nur das System Sprache. Der lernt auch, die andere Kultur zu verstehen. Wenn Ihr Arabisch lernt, werdet Ihr die Araber und wie sie so ticken viel besser verstehen. Ich denke noch eine Weile an Hameds Worte, als ich nach dem Kurs durchs dunkle verregnete Berlin nach Hause wandere. Was lernt man eigentlich ueber die Deutschen, wenn man Deutsch lernt? Es ist doch eine ziemlich verrueckte Sprache. Wir unterteilen unsere Substantive in drei Geschlechter und es gibt fast gar kein System dafuer, kaum Erklaerungen, oder Herleitungen. Wie erklaert man, dass es DAS Maedchen heisst, DER Punkt, DIE Liebe? Dann zerreissen wir unsere Verben und stellen einen Teil an den Anfang des Satzes und den anderen ans Ende. Ausserdem kreieren wir gerne ellenlange zusammengesetzte Substantive. Fussballmannschaftskaptiaen, Glasvitrinenputztuch oder den beruehmten Donaudampfschifffahrtskapitaen. Der Deutsche macht es sich gern kompliziert, wuerde ich als Deutschlerner daraus ableiten. Aber gelten die Deutschen nicht als DIE Effizienz-Nation schlechthin? Wer Deutsch lernt, wird schnell feststellen, dass er dieses Vorurteil schnell wegpacken kann. Ich bin jedenfalls froh, dass ich kein Deutsch lernen muss. Doch Arabisch zu lernen ist mindestens genauso verrueckt. Aber dazu ein andermal mehr.

  • Das Dirac-Meer mit einem loechrigen Loeffel ausschoepfen

    Auf einer Lesung in Berlin hat Dietmar Dath zur selbst gestellten Frage, was das alles soll, auf die Suppe, die sich selbst aufisst verwiesen – eine Erfindung der >Clever und Smart<-Figur Dr. Bakterius. Ins Politische gewendet, koenne man von einer Suppe, die sich selbst ausloeffelt reden. Den Unterschied zwischen Selbstverspeisung und Selbstausloeffelung macht der bewusste Umgang mit dem geeigneten Instrument.

    Das Bewusstsein ist politisch, das Instrument eine aesthetische und moralische Haltung, die Dath nicht zuletzt in seinem neuen Roman >Dirac< propagiert. Darin werden Szenen aus dem Leben des Physikers Paul Dirac (genial, gutaussehend, erfolgreich, in jeder Hinsicht unbestechlich, glueckliche Familie, enge Freundschaften) parallel zu Erlebnis- sen des Schriftstellers David Dalek und seiner Freunde erzaehlt. Deren Biographien sind zeitgemaess prekaer, haben aber ihre schoenen Momente, vor allem wenn es um Zusammen- halt geht. Daths Portraits aller Personen sind detailliert und liebevoll und durch sie wird anschaulich, welche Haltung gemeint ist.

    Soweit funktioniert die Sache mit dem Loeffel problemlos, und es dauert eine Weile, bis man begreift, dass es sich um einen speziellen Wundersuppenloeffel handelt. Der Science-Fiction- Teil, der zunaechst so aussieht wie um die Biographien herumkonstruiert, greift mehr und mehr in sie ein. Es geht um Manipulationen mit Hilfe der Diracschen Antimaterie-Theorie und um grosse Zahlen, Daleks Obsession fuer den UFO-Ab- sturzort Roswell und Andeutungen ueber ein aufkommendes Reptilienzeitalter. Hinter dem allen steckt wahrscheinlich Candela. Auf www.johannarauch.de wird die Fortsetzung eigentlich schon versprochen.

  • Kinder als Versuchskaninchen

    Was ich neulich bei meiner taeglichen Weblektuere las, klang zunaechst wie der horrormaessige Plot eines schlechten Science Fiction-Films. Doch leider war an dieser Story nichts fiction: Garfield, ein kleiner New Yorker Junge, ist von Geburt an HIV positiv gewesen und lebte bis vor kurzem unter der Vormundschaft seiner Grossmutter. Aufgrund seiner Erkrankung bekam er Medikamente verschrieben. Diese staerkten ihn aber nicht, sondern bewirkten das Gegenteil. Er wurde immer schwaecher. Seine Grossmutter setzte daraufhin die Essenzen ab, was seinen gesundheitlichen Zustand extrem verbesserte. Diese Handlung war jedoch mit keinem der betreuenden Aerzte abgesprochen. Als sie sich wiederholt weigerte dem Jungen die Arzneien zu verabreichen, stattete die Administration of Children’s Services, kurz ACS, der Familie einen kleinen Besuch ab und entfuehrte Garfield. Das Jugendamt der Stadt New York benoetigt inzwischen keinen Gerichtsbeschluss mehr, um einem Vormund das Sorgerecht zu entziehen. Somit unterliegt jeder gemeldete Fall von einer entdeckten HIV Infektion bei Kleinkindern und Minderjaehrigen der Willkuer grosser Pharmaunternehmen, skrupellosen Medizinern und letztendlich der ACS. Garfield wurde in ein katholisches Kinderheim namens Incarnation Children’s Center eingewiesen. Dieses Heim beherbergt ausschliesslich HIV-infizierte Kinder und fuehrt seit mehreren Jahren Experimente an ihnen durch. Organschaedigende und Muskelschwund verursachende Nebenwirkungen der verabreichten Pharmazeutika sind keine Ausnahmefaelle, sondern an der Tagesordnung und sogar beabsichtigt. Weigern sich die Kinder strikt ihre Medikamente einzunehmen, droht ihnen Zwangsverabreichung per Schlauch. Die meisten von ihnen, überleben diese Behandlung nicht. So erging es auch Garfield. Im Hier und Jetzt.

  • Sprache der Beschleunigung und Vernetzung

    Schreiben wie man spricht. Das ist spontan, eingaengig, das holt den Leser dort ab, wo er ist. In der Tageszeitung kultiviert, in den Blogs adaptiert? Wer sich wie ich jeden Morgen durchklickt, merkt frueher oder spaeter: Hier schreibt kaum jemand wie er sprechen wuerde. So spricht kein Mensch, wie Mensch hier schreibt. Vielmehr laesst sich hier eine Stilisierung des Oralen ausmachen. Es quaekt und bloekt, als haette der Herrgott vergessen in der Krabbelstube den Wecker zu stellen. Konsequenzen so unterschiedlich wie Babysprache und Streetslang. Bezeichnenderweise dort, wo auch anderes drin bzw. zu erwarten waere. Der Gebildete bildet Saetze, die an Nonsense grenzen. Professor Martin Hufner etwa setzt sich innerhalb seines Blogs als Dompteur eines Vokabulars in Szene, das von vermarketicken ueber Schwitzkasten bis hin zu Wiedervereinigungsluft reicht. Hufners linguistische Masse weicht Fragen auf und laesst uns im Dunkeln stehen: Parodiert er Blog-Sprache oder betreibt er poetische Theorie-Praxis, die nicht eindeutig zu erkennen geben will, ob sie aufklaeren moechte oder in erster Linie auf sich selbst bezogene Reflexion ist. Dennoch merken wir: Der ambitionierte Blogger macht das Sprachexperiment zu dem, was seit 1763 durch die Romanuebersetzung des Tristram Shandy von Laurence Sterne als Lieblingsbeschaeftigung gebraeuchlich wurde – zu seinem Steckenpferd. Und sobald das Deutsche bewusst debloggt wird, beginnt es biegsam, dehnbar, ja: geradezu innovativ zu werden. Das erinnert mich an die Anfaenge der Berliner Gazette. Damals, vor mehr als 80 Internetjahren… Das Sprachexperiment fand vor allem in der Kolumne des Mini-Feuilletons im elektronischen Briefformat statt. Das Postskriptum – wie gesagt, der Vorlaeufer des Logbuchs – hatte im Vergleich dazu keinen Ehrgeiz. Der Ehrgeiz bestand aber darin, eine Sprache zu finden, die der Lese- und Schreiboekonomie des Internet entspricht. Es ging um eine neue Aesthetik. Eine Aesthetik der Beschleunigung und Vernetzung, wenn man so will. Heute sind diese Anliegen in den Hintergrund getreten. Die Kolumne ist erwachsen geworden. Um so erfreulicher, dass solche Claims und Fragen nun im Logbuch der Berliner Gazette wieder auftauchen.

  • Charlotte Chronicles.14

    In den USA gibt es die Berufsbezeichnung der >Spin Doctors<, die man auch mit >Sprachverdreher< uebersetzen koennte. Ihre Aufgabe ist es, durch den Einsatz geeigneter Woerter, fuer ihre Auftraggeber kritische Sachverhalte zu verharmlosen oder von unliebsamen Themen abzulenken. Ein bekanntes Beispiel ist der Klimawandel, urpsruenglich >climate change< genannt, der nach Ansicht der US-Regierung nicht existiert und wenn man schon darueber sprechen muss, dann doch bitte unter Verwendung des heimeligen Begriffs >global warming<. Denn: Wer haette es nicht gerne etwas waermer? Diese >Spin Doctors< sind sehr erfolgreich, was die Durchsetzung der von ihnen erfundenen Begriffe angeht, und damit ein aeusserst wichtiger Bestandteil des Politik- und Wirtschaftsgeschehens. Natuerlich wird auch in Deutschland die Sprache zur Verharmlosung, Panikmache oder Ablenkung benutzt. Eine Moeglichkeit dazu ist die Verwendung urspruenglich positiv besetzter Woerter zur Maskierung negativer Sachverhalte, wie es staendig in der Wirtschaft geschieht, wenn Unternehmen eine >Verschlankung< durchfuehren, indem sie Mitarbeiter >sozialvertraeglich freisetzen<. Der gegenteilige Effekt wird durch die Benutzung von Woertern erzielt, die normalerweise im Zusammenhang mit Naturkatastrophen oder Bedrohungen verwendet werden. Zum Beispiel suggeriert der Begriff >Rentnerschwemme< eine Bedrohung des Lebensstandards der uebrigen Bevoelkerung und macht die Rentner als Schuldige fuer Probleme im Sozialsystem aus. Ein Projekt, das sich gegen den gezielten Einsatz von Sprache zum Schueren von Vorurteilen oder der Verschleierung von unliebsamen Entscheidungen richtet, findet sich unter www.umwortung.de.
    In den USA werden in den Medien teilweise monatelang >Kriege um Worte< ausgefochten – aktuell gibt es diverse Auseinandersetzungen zum Gebrauch eines bestimmten Vokabulars bei der Berichterstattung ueber den Irak-Krieg – und es gibt ganze Abteilungen, deren hauptsaechliche Aufgabe in der Durchsetzung bestimmter Begriffe besteht. Trotz aehnlicher Tendenzen hoffe ich, dass in Deutschland nicht ganz so viel Energie in derlei Kanaele gelenkt wird, denn Probleme werden durch diese sprachliche Schaumschlaegerei nicht geloest.

  • Ich will Deutsch lernen!

    Oder hat sie Ich bin Deutschland gesagt? Thomas Ostermeiers neues Stueck >Liebe ist nur eine Moeglichkeit< laesst den Zuschauer mit dieser Frage allein zurueck. Man konnte es nunmal nicht so genau vernehmen. Der Grund: Eine hochgepegelte Geraeuschkulisse gepaart mit der unterentickelten Artikulationsfaehigkeit der Protagonistin. Sie: Graziella, Ende 20, gerade frisch eingeflogen aus den Philippinen, vermittelt an Bernhard, der sie in irgendeinem Kuppler-Katalog fuer sich entdeckte. Liebe auf den ersten Blick, wird er spaeter seinen misstrauischen Kollegen und Freunden erklaeren. Dennoch Schwierigkeiten miteinander zu kommunizieren. Sprachlosigkeit gar. Im schwarzen Loch der Verstaendigung gefangen, befreien sich die Figuren umgehend, in dem sie traumwandlerisch in konventionelle Rollenverhaeltnisse zurueckfallen. Wo auf sprachlicher Ebene der gemeinsame Nenner fehlt, da stellt er sich auf habituell-sozialer Ebene ein. Gespenstisch. Wie auch die vielen Momente eingefrorener Bewegung auf der Buehne: Stillleben mit Menschen. Tableaux Vivantes. Edward Hopper trifft David Lynch. Und dann wieder hocherhitzte Interaktion, bis hin zum spastisch-moschenden Hirnverlust. Oder wissen sie noch, was sie da tun, wenn sie wie neurotische Anfaenger versuchen Heavy-Metal-Sound in Koerperbewegungen zu uebersetzen? Dezentrierte Choregraphie, Intervall-Theater, Dramaturgie, die atmet und bisweilen kaum noch Luft bekommt. Am Ende bleibt die Frage: Will die Filipino-Braut Deutsch lernen oder Deutschland sein? Rechtmaessig erscheint beides.