• Open-Data-Debatte revisited: Was wir tun müssten, damit Daten wirklich offen werden

    Schon oft wurden die Vorzüge von Open Data (offenen Daten) besungen. Das Lied wurde von ganz unterschiedlichen Stimmen intoniert, darunter WirtschaftsvertreterInnen, Behörden und auch AktivistInnen – meist halbwegs harmonisch. Daten für BürgerInnen zugänglich machen, das klingt doch sinnvoll! Doch die Stimmung wandelt sich, denn trotz eines Konsens über den Sinn und Nutzen von Open Data, sieht die Umsetzung in der Praxis schlecht aus. Der Digitalexperte und Berliner Gazette-Autor Chris Piallat berichtet.

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    Das Konzept Open Data (Offene Daten) ist beseelt von der Idee, dass Offenheit gut für gesellschaftliche Innovationen ist. Open Data bedeutet, dass Daten, insbesondere die von öffentlichen Institutionen produziert werden, öffentlich frei verfügbar und weiter nutzbar sein sollen. Denn nicht nur multinationale Datengiganten, auch der Bund, Kommunen, öffentliche Einrichtungen wie Ministerien, Behörden oder Verwaltungen produzieren eine Unmenge an Daten, die sich bisher aber kaum produktiv für das Gemeinwohl wenden lassen.

    Die Daten sind sehr unterschiedlicher Natur. Es können Rohdaten wie Klimadaten von Messstationen, Geodaten von Landschaftsvermessungen, Verkehrsdaten des öffentlichen Personennahverkehr oder bearbeitete Daten in Form von Gesetzen, Urteilen, Gutachten und Verordnungen sein.

    Was genau sind offene Daten?

    Die Wikipedia beschreibt die Daten so: „Offene Daten sind sämtliche Datenbestände, die im Interesse der Allgemeinheit der Gesellschaft ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden. Die wissenschaftliche Literatur zitiert beispielhaft Lehrmaterial, Geodaten, Statistiken, Verkehrsinformationen, wissenschaftliche Publikationen, medizinische Forschungsergebnisse oder Hörfunk- und Fernsehsendungen. Bei Open Data kann es sich über Datenbestände staatlicher Stellen hinaus auch um Daten privatwirtschaftlich agierender Unternehmen, Hochschulen sowie Non-Profit-Einrichtungen handeln.“

    Angesichts dieses ungehobenen Datenschatzes für (politische) Problemlösung verfallen nicht nur Wissenschaft und engagierte Zivilgesellschaft, sondern auch zahlreiche (junge) Unternehmen in Goldgräberstimmung. Sie wittern neue Geschäftsmodelle, wie beispielsweise Apps für die Parkplatzsuche, für die spontane Wahl des Verkehrsmittels oder für die Vorhersage von Pollenbelastungen.

    Kritische Stimmen sehen darin wiederum eine weitere ökonomische Inwertsetzung eines öffentlichen Gutes. Andere sehen Open Data als Teil einer modernen Standortpolitik, denn ein Staat und eine Verwaltung, die verkniffen auf Wissen in Form von Papierakten hocken, sind wenig attraktiv für eine digitale Wirtschaft.

    Open Data und Wissensgesellschaft

    Ob vorranging datengetriebene Unternehmen von der Öffnung der Daten profitieren oder auch zivilgesellschaftliche Akteure gemeinwohl- sozial- oder ökologisch orientierte Modelle entwickeln können, hängt maßgeblich davon ab, unter welcher (Urheberrechts)Lizenz Daten frei gegeben werden.

    Die Bundesregierung hat ein Portal für einige staatliche Daten aufgesetzt. Entgegen den Empfehlungen zivilgesellschaftlicher Organisationen wurde für GovData eine eigene Lizenz entwickelt, die nur bedingt kompatibel zu offenen Modellen wie Creative Commons, die weitgehende, auch kommerzielle Nutzungen der Datensätze ermöglicht.

    Open Data rüttelt damit auch an einer gesellschaftspolitischen Grundfrage der Wissensgesellschaft. Sollte die Nutzung von öffentlich produzierten Daten von der Gnade der Verwaltung abhängen oder sollten Daten als Gemeingüter (Commons) verstanden werden? Sollte Daten-Eigentum mit absoluten und restriktiven Rechten erhoben werden oder offene Daten einen allgemeine Wissensallmende anreichern?

    Die Openness-Bewegung

    Open Data ist ein Puzzleteil eines größeren Unterfangens, der Openness-Bewegung: Dazu gehört „Open Source“, also quelloffene, überprüfbare und veränderbare Software. „Open Access“, also freier Zugang zu Ergebnissen wissenschaftlicher Arbeit, insbesondere wenn sie öffentlich finanziert ist. Offenheit in der Wissenschaft, die gerade in postfaktischen Zeiten und angesichts der sich beim „March for Science“ manifestierenden Angst vor evidenzloser Meinungsmache nötig ist.

    Weiterhin gibt es die „Open Educational Resources“, also freie und kostenlose Bildungsmaterialien, die beispielsweise in Schulen eingesetzt werden. Unter dem Stichwort „Open Government“, wird die Öffnung von Regierungs- und Verwaltungshandeln gegenüber der Bevölkerung beschrieben. „Offene Standards und Schnittstellen“ beschreibt die Nutzbarmachung von Daten, die interoperabel und über verschiedene Plattformen hinweg nutzbar sein müssen.

    Auch die „Maker-„, „Do-it-yourself-“ und -Repair-Bewegung ist auf offene Wissenszugänge und Systeme angewiesen. Um es am Beispiel der Maker-Bewegung zu verdeutlichen: „Ziel vieler Anhänger ist es, mit eigenen Mitteln ein technisches Problem zu lösen, ohne den Einsatz kostspieliger Speziallösungen. Ein typisches Beispiel ist der Einsatz von 3D-Druckern, mit denen Ersatzteile für Geräte hergestellt werden. Ein anderes Beispiel wäre, einem Auto weitere Sensoren hinzuzufügen und diese auszulesen. Es gibt auch viele Mitglieder, die anderen zum Beispiel rein künstlerischen oder akademischen Projekten nachgehen. Dort stehen die Individualität und das Finden von Alternativen zu bestehenden, kommerziellen Lösungen im Vordergrund. Ein Würfel aus Leuchtdioden wäre ein Beispiel für eine rein künstlerische Zielsetzung. Für viele Mitglieder sind auch Wissensaneignung und Neugierde die Triebfedern.“

    Für diese Art der Problemlösung braucht man Daten und eben offene Lizenzen, die das Rechtsregime der Nutzung festlegen. Die Open Knowledge Foundation, die seit Jahren für die Idee der Openness eintritt, definiert „open“ so:

    „Wissen ist offen, wenn jedeR darauf frei zugreifen, es nutzen, verändern und teilen kann – eingeschränkt höchstens durch Maßnahmen, die Ursprung und Offenheit des Wissens bewahren.“ Open Data entstammt also einerseits der Openness-Bewegung. Andererseits wurde die Idee auch stark von der Debatte um Transparenz getrieben. Für eine vitale Demokratie ist es essentiell, dass der Staat transparent agiert.

    Behörden geben Daten nicht frei

    Denn nur informierte BürgerInnen können mündig über die gesellschaftliche Zukunft mitbestimmen. Zugänglichkeit und Nachvollziehbarkeit staatlichen Handelns sind Grundpfeiler der Legitimität des Staates. Open Data ist also auch eng mit der Idee einer modernen und partizipativen Demokratie verwoben.

    Aus dieser Idee heraus wurden Informationsfreiheitsgesetze (IFG) verabschiedet. Diese gestehen den BürgerInnen ein Recht auf Zugang zu Informationen gegenüber Behörden zu. Ein großer Schritt, aber noch kein Dogmenwechesel. Denn Behörden sitzen wie zu Zeiten des preußischen Obrigkeitsstaates auf Daten und geben sie nur auf einzelne Nachfragen frei, oder auch nicht.

    Neben den erwähnten Urheberrechten, wird immer wieder das Feigenblatt der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zur Ablehnung angeführt, da diese einen höheren verfassungsrechtlichen Stellenwert genießen. Daten per IFG-Anfrage zu befreien ist ein teilweise kostspieliges und zeitaufwendiges Unterfangen. Nur wenige Akteure der engagierten Zivilgesellschaft verfügen über das technische und rechtliche Wissen dafür beispielsweise Gutachten des Wissenschaftlichen Dienster öffentlich zugänglich zu machen. Trotz der Hürden nehmen die IFG-Anfragen jährlich drastisch zu.

    Nur Lippenbekenntnisse der Regierung

    Open Data verlangt eine echte Umkehr eines Verwaltungsprinzips und einen Kulturwandel. Behörden müssen selber proaktiv sämtliche Daten freigeben. Nur in begründeten Einzelfällen, wenn beispielsweise die Wahrung von Grundrechten wie Persönlichkeits- Datenschutz dagegen sprechen, dürfen einzelne Informationen zurückgehalten werden. Getreu der alten Ethik des Chaos Computer Clubs „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“.

    Die Enquete-Kommission „Internet und Digitale Gesellschaft“ des Bundestages hat in ihren Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung als Kriterien formuliert, damit Open Data zur vollen Entfaltung kommt. Den BürgerInnen müssen von öffentlichen Stellen Daten nutzerfreundlich, vollständig, primär, zeitnah, kosten- und barrierefrei, maschinenlesbar, nicht diskriminierend, interoperabel, nicht proprietär und lizenzfrei zugänglich gemacht werden.

    Und doch, zahlreiche Studien der EU-Kommission, des Normenkontrollrats und der Open Knowledge Foundation konstatieren, dass trotz Milliarden-Euro-Potentialen von offenen Daten, Deutschland zu den Schlusslichtern beim Zugang zu öffentlichen Datenbeständen gehört. Und das, obwohl es die letzten Jahre wahrlich nicht an (Lippen-)Bekenntnissen gefehlt hat.

    Alle Fraktionen im Bundestag haben in zahlreichen Anhörungen und Plenardebatten den Wert von Open Data gepriesen, die G8 hat eine Open Data Charta verabschiedet, die Bundesregierung ist nach Jahren des Zauderns der Open Government Partnership beigetreten und lässt einen nationalen Aktionsplan erarbeiten.

    Nur geschehen ist in den Jahren sehr wenig. Immerhin hat die Bundesregierung angekündigt, auf den letzten Metern der Legislatur ein Open-Data-Gesetz zu liefern, dass Behörden zur Befreiung der Daten verpflichtet. Die Krux liegt hier wie so oft im Detail. Wie weit ist der Geltungsbereich des Gesetzes, werden Daten als öffentliche Güter eingestuft, wenn ja, welche, gilt dann Entglefreiheit und was ist mit dem Datenschutz? Ende offen, aber der Zwang zur Freiheit kommt vielleicht doch noch.

    Anm. d. Red.: Die Fotos sind im Rahmen der BG-Konferenz Make Data Love, Not Data War entstanden und stammen von Andi Weiland; sie stehen unter der CC-Lizenz cc by nc. Dieser Text liegt in kürzerer Form auch gedruckt vor, in dem Band Smarte Worte.


11 Kommentare zu Open-Data-Debatte revisited: Was wir tun müssten, damit Daten wirklich offen werden

  • Es stimmt, dass es in Deutschland recht langsam ist. Aber die Referenz auf heise mit einem "halbgaren" Open Data Gesetz ist unsachlicher Meinungsjournalismus. heise hatte auch keine Böcke, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Die veröffentlichen lieber Verschwörungstheorien um Linux und München :-)
    Fakt ist, dass wir jetzt ein Open Data Gesetz bekommen im Bund. Über den Bund-Länder-Finanzausgleich sind die Länder auch verpflichtet, ebenfalls Open Data Gesetze zu verabschieden. Österreich, die uns sonst Digital voraus sind, sind noch nicht so weit. Zudem arbeitet die Bundesregierung seit Januar bis Mitte des Jahres an einem Aktionsplan für seinen Teil bei der Open Government Partnership.
    Es stimmt, dass es besser wäre, wenn Bund und Länder Informationsfreiheitsgesetze hätten Hamburg. Das ist demokratisch ein interessanter Fall: in Hamburg hat nicht das Parlament das IFG durchgesetzt, sondern eine Bürgerinitiative. Sozusagen APO (Außerparlamentarische Opposition).

    OER und Open Source würde ich nicht mit Open Data in eine Topf werfen. MOOCs gibt es international schon lange, aber die deutschen Lehrer mauern seit 2 Jahrzehnten, sich elektronisch einzubringen. "Schulen ans Netz" ist verpufft, ohne OERs zu schaffen. Die Hochschulleher in D gänzen da auch nicht sonderlich. Und die Lobbyisten versuchen immer wieder kriminell, OERs zu verhindern. So wie die Kultusministerkonferenz mit dem gescheiterten Wunsch der Spionagesoftware.

    Bei Open Source ist es in den USA so, dass öffentlich bezahlte Forschung in die Public Domain muss. Daher haben wir die TCP/IP-Software für das Internet. Aber zu einer freien Gesellschaft gehört auch, dass man proprietäre Software verkaufen darf. Zudem ist der theoretische Vorteil von Open Source in Blick auf Sicherheit dahin geschmolzen, da auch dort viele Sicherheitsprobleme katastrophal exploited wurden (die Kameras neulich hatten Linux).

    Die OKF leistet hervorragende Arbeit. Aber auch ihr fällt es schwer wie anderen Akteure aus ihrer zivilgesellschaftlichen Filterblase heraus zu kommen.

    Für die Bertelsmann Stiftung habe ich mit zwei Koautoren aufgeschrieben, welchen Nutzen man heute schon mit Open Data weltweit erreicht. Das ist z.B. hier ohne Coyprightbremse (unter einer CC BY-SA 4.0 Lizenz veröffentlicht (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen)) hier downzuloaden:
    http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2017/01/23/open-data-wertschoepfung-im-digitalen-zeitalter/
    Was sonst sich tut in Deutschland zu Open Data findet man in vielen Quellen hier:
    http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/open-data/
    Darüber hinaus diskutieren wir ohne zensierende Moderatoren auf Facebook in der Open Data Gruppe mit über 700 Mitgliedern hier:
    https://www.facebook.com/groups/open4data/
  • Andre am 18.06.2017 15:37
    "Zudem ist der theoretische Vorteil von Open Source in Blick auf Sicherheit dahin geschmolzen, da auch dort viele Sicherheitsprobleme katastrophal exploited wurden (die Kameras neulich hatten Linux)."

    Wie bitte soll man bei öffentlicher IT ohne Quellcodeoffenlegung Sicherheit sicher stellen? Wer Quellcodeoffenlegung ablehnt, der macht sich zum Büttel fremder Geheimdienste.
  • "Wie bitte soll man bei öffentlicher IT ohne Quellcodeoffenlegung Sicherheit sicher stellen? Wer Quellcodeoffenlegung ablehnt, der macht sich zum Büttel fremder Geheimdienste."
    Das ist Theorie. Praxis ist:
    1.) Die dramatischen Sicherheitslücken in OpenSSL bleiben viele Jahre unerkannt, obwohl theoretisch Millionen Menschen den Sourcecode hätten inspizieren können.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heartbleed
    2.) Ein riesiger DDOS-Angriff auf Twitter, Paypal, Netflix und Spotify gelang, weil Kamera-Hersteller, deren OS auf Linux basierte, ihre Büchsen über den Telnet-Port kriminell offen ließen. Kein Nutzen durch Oepn Soruce, sondern Schaden (Windows, MacOS und andere haben nicht defaultmäßig den telnet-Port sperrangelweit offen:
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/DDoS-Attacke-legt-Twitter-Netflix-Paypal-Spotify-und-andere-Dienste-lahm-3357289.html
    Andererseits:
    3.) Der CCC dissamblierte den proprietären Code von Disgitask und deckten schwere kriminelle Aktivitäten des BKA und vieler LKAs auf (Festplattendurchsuchung, Leitung von personenbezogenen Daten zur Verschleierung über USA:
    http://www.ccc.de/de/updates/2011/analysiert-aktueller-staatstrojaner
    4.) Cisco ist im proprietären Code seines Routerbetriebssystems erwischt worden, bei der Verschlüsselung mit DES nicht alle 32 Bit zu benutzen, wodurch die Entschlüsselung durch die NSA drastisch billiger wurde
    5.) Microsoft ist vor Jahren erwischt worden, dass es bei der Programmierung von Hintertüren vergessen hatte die Symbols zu strippen, die mit NSA_ anfingen. Dann kam es heraus:
    http://www.orwell-staat.de/cms/files/windows-ein-nsa-trojaner.pdf
    6.) Im Cherry Blossom (CB) User’s Manual kann man schön nachlesen, wie sich die NSA in Linux-Systeme einhackt. Wenn man es versteht.
    https://assets.documentcloud.org/documents/3866530/CherryBlossom-Users-Manual-WikiLeaks.pdf

    Die Dialektik mit "Open Source sicher, propietärer Code Einfalltor für NSA" hört sich zwar charmant an und ist für die populistische Diskussion gut geeignet, hat aber nicht mit der Realität von Computer-Security zu tun :-)
  • Andre am 20.06.2017 15:09
    1. Die Sicherheitslücken in OpenSSL bleiben unerkannt, weil die öffentliche Hand nichts in Code Review von Kernkompenten investiert.

    Ansonsten werden die Lücken aufgedeckt und sofort geschlossen.

    2-5 erklärt was passiert ohne Quellcodeoffenlegung. Disassemblieren ist eine Notlösung.

    6. Unhackbarkeit ist kein Ziel von IT-Security. Die entscheidende Frage sind die Kosten und die Wirksamkeit eines Angriffs.

    Eine gesetzlich verpflichtende Offenlegung von Quellcode, jedenfalls für den Bereich der öffentlichen Beschaffung, würde das Sicherheitsniveau signifikant steigern.
  • Andre am 20.06.2017 15:13
    "Aber zu einer freien Gesellschaft gehört auch, dass man proprietäre Software verkaufen darf."

    Hat nichts mit Quellcodeoffenlegung zu tun.
  • "1. Die Sicherheitslücken in OpenSSL bleiben unerkannt, weil die öffentliche Hand nichts in Code Review von Kernkompenten investiert."
    Es war vorher behauptet worden, dass Open Source auch sicherer sein solle, weil die Zivilgesellschaft den Quellcode inspizieren. Jetzt wo es widerlegt ist, soll die öffentliche Hand zahlen? Faktenfreier Behauptungsjournalismus ?

    "Eine gesetzlich verpflichtende Offenlegung von Quellcode, jedenfalls für den Bereich der öffentlichen Beschaffung, würde das Sicherheitsniveau signifikant steigern. "
    ja, kann man faktenfrei behaupten. Gibt es Belege? Ich kenne keine.

    "2-5 erklärt was passiert ohne Quellcodeoffenlegung. Disassemblieren ist eine Notlösung."
    Ja, Man kann die Fakten leugnen. Fakt bleibt aber, dass durch Disassemblierung schwerwiegende Sicherheitslöcher gefunden wurden, aber riesige Lücken in Open Source unentdeckt blieben. Wem nützen also solche ideologischen Diskussionen fern der Realität?

    Zudem darf ich daran erinnern, dass Teile der öffentlichen Hand gar kein Interesse haben, Sicherheitslücken zu schließen, sondern nur sie zu exploiten. Wenn im BSI weiter Spione des BND arbeiten, die geheim mit der NSA zusammenarbeiten, ist der Hinweis auf die öffentliche Hand absurd. Sie auch illegale Spionage vom BKA. Sicherheit muss von neutralen Menschen gemacht werden, nicht von der öffentliche Hand, die ihre Bürger ausspionieren will. Man kann sich auf den CCC mehr verlassen als auf das BSI. Realitätsflucht ist ein Sicherheitsproblem.
  • Andre am 21.06.2017 16:36
    Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass ich nicht von Open Source, sondern von Quellcodeoffenlegung gesprochen habe.

    "Fakt bleibt aber, dass durch Disassemblierung schwerwiegende Sicherheitslöcher gefunden wurden, aber riesige Lücken in Open Source unentdeckt blieben."

    Das Finden von Sicherheitslücken ist kein Urteil. Tatsache ist, dass Transparenz es einfacher macht Fehler zu finden, und genau darum geht es doch: So schnell wie möglich Fehler finden und sie beseitigen.

    Kritische Infrastrukturen sicher zu halten, wenn man es kann, sehe ich als staatliche Aufgabe,

    Wenn ich der Staat bin und eine Software beschaffe, die ich einsetzen will und auf Sicherheit untersuchen will, dann hilft es mir in meiner Untersuchung, wenn ich Quellcode vorliegen habe. Darum sollte Offenlegung verpflichtend sein.

    Natürlich steht es dem Staat frei offensive Angriffstechniken zu nutzen, gleichzeitig muss er sich bei seiner Nutzung öffentlicher Software davor verteidigen. Die Disassemblierung bleibt eine sehr teure Methode, die besondere Speziallistenressourcen erfordert.
  • Florian Cramer am 21.06.2017 16:46
    Der wirklich kritische Punkt wurde im Artikel und in den Kommentaren noch gar nicht angesprochen: Dass sich Open Data nicht mit dem Prinzip der Datensparsamkeit verträgt, das Digital-Bürgerrechtler und Privacy-Aktivisten fordern. Jede Offenlegung von Daten ist ein Datenschutz-Risiko. Hier ist heute kritischeres Denken angesagt als noch in den euphorischen Open Data-Zeiten von vor rund zehn Jahren.
  • @Florian Cramer:
    Datenschutz gibt es nur bei personenbezogenen Daten. Personenbezogene Daten haben bei Open Data nicht zu suchen.
    - Ob der pH-Wert stark sauer im See isst
    - der Nitratwerte des Grundwasser über dem Grenzwert liegt
    - wann der Bus kommt
    sind keine personenbezogene Daten. Da hat man auch kein Datenschutzrisiko. Schon mal in sBDSG oder die EU-DSGVO reingesehen?
  • @Andre:
    „Wenn ich der Staat bin und eine Software beschaffe, die ich einsetzen will und auf Sicherheit untersuchen will, dann hilft es mir in meiner Untersuchung, wenn ich Quellcode vorliegen habe. Darum sollte Offenlegung verpflichtend sein.“

    Das ist eine unbewiesene Behauptung. Der Staat hat heute schon Schwierigkeiten Personal zu rekrutieren. Da hilft es nichts, wenn man behauptet, dass wenn der Staat Autos kauft, dass dann die Software offen gelegt werden muss, für die er kein Personal zur Prüfung hat.
    „Die Disassemblierung bleibt eine sehr teure Methode, die besondere Speziallistenressourcen erfordert. “

    Die Disassemblierung des kriminellen BKA-Trojaners war kostenlos. Andererseits hatte der damalige Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar bei der Verifizierung der Vorwürfe gesagt, dass er kein Geld habe für die Sourcecodeinspektion habe.
    http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2012-09/bundestrojaner-quellcode-schaar

    „Natürlich steht es dem Staat frei offensive Angriffstechniken zu nutzen“

    Auch das ist Quatsch. Es ist dem Staat verboten, Straftaten zu begehen. Aktionen wie Stuxnet sind kriminelle Vorgänge. Die Software von Digitask, die vom BKA und vielen LKAs benutzt wurde, war illegale. Der Statt darf nur aufgrund von Gesetzen handeln, nicht wegen der von Ihnen behaupteten Allmacht.

    Bei Microsoft waren hörte andere als die obigen weltfremden Vorschläge diskutiert. U.A. war Konstantin von Notz von den Grünen da. Es wurde ein digitale Genfer Konvention vorgeschlagen:

    „Hacking Democracy: Cyberalarm im Wahljahr! Zeit für eine digitale Genfer Konvention?“

    In der Genfer Konvention geht es auch nicht darum, wie Waffen konstruiert werden, ob das G3 von Heckler und Koch manchmal auch trifft, sondern darum, dass bestimmte Taten von Menschen verboten sind. Also z.B. Zivilisten (Nichtkombattanden) angegriffen werden dürfen (oder mit G3s getötet werden dürfen). Ebenso nicht zivile Einrichtungen, wie Wasserwerke, Stromwerke, Krankenhäuser und andere mit dem Roten Kreuz/Halbmond geschützte Einrichtungen. Es geht um das was und nicht das wie. Wenn man gut ist, erkennt der Signaturstaat auch den Internationalen Strafgerichtshof an. Dann schickt man Verbrecher wie Milosevic oder Karacic (oder die Staatsterroristen von der NSA) eben in den Knast. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man das alleine technisch hin bekäme. Und nur mit Behauptungen ohne jeden Beweis kommt man erst recht nicht weiter.
  • Andre am 26.06.2017 20:42
    @Ksoll: Ich denke diesen Schmarrn braucht man nicht weiter zu diskutieren. Ich finde ihre Ansichten schädlich und gefährlich für die Sicherheit dieses Landes. Die Trägheit ist der Verbündete beim Abwehren von Transparenz in der Informationstechnik und es gibt in der Tat viele Nebenschauplätze. Open X, das niemanden in seinen Interessen berührt, bringt nichts.

    Ihre Nebenkerzen und Kritik des Staates in allen Ehren. Die Problematik einer Veranstaltung bei und von Microsoft ist, dass sich ein staatsfremdes Unternehmen überhaupt übergriffig in deutsche Politik einmischt. Die können Washington lobbyieren wie sie wollen. Es wäre an der Zeit diese Einmischung zu unterbinden.

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