• Neubestimmung der Institution

    Zum sechsten Mal hatte die Berliner Gazette am 4.12. im Rahmen des Jahresschwerpunkts minimum dazu eingeladen, ueber das Gemeinsame zu diskutieren. Dieses Mal ging es unter dem Titel „Strukturfieber“ um den Aspekt „Institution und Gemeinschaft“.

    Ausgangsfragen des Abends waren: Stecken sowohl die gefestigten Strukturen von Institutionen als auch die losen Gefuege der Freien Szene in der Krise? Wie reagieren die Akteure der unterschiedlichen Milieus auf die Herausforderungen dieser Situation? Eine erste Bestandsaufnahme und Ausblicke auf die Zukunft der Institution wagten die Soziologin Tanja Bogusz, die sich intensiv mit der Berliner Volksbuehne beschaeftigt hat, Jan Engelmann, der als Kulturreferent bei der Heinrich Boell-Stiftung arbeitet und Jan Rohlf, Kurator beim Club Transmediale.

    Wozu also taugt die Organisationsstruktur Institution heute? Am Beispiel der Berliner Volksbuehne verdeutlichte Tanja Bogusz, dass die besondere historische Situation dieses Theaters nach der Wiedervereinigung wichtig fuer die Dynamiken der Gemeinschaftsbildungen an diesem Ort war. Die heutige Krise der Volksbuehne kann jedoch nicht als Beleg fuer eine allgemeine Krise der Institution dienen. Ueberhaupt wurde versucht, die Institution als ordnungsgebende Struktur zu verstehen. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die Spannungen zwischen der statischen Situation an einer Institution und den fluiden Dynamiken der Kulturlandschaft (und auch des Marktes) auszuhalten und fruchtbar zu machen. (Bilder des Abends hier.)

    Vor diesem Hintergrund muessen Institutionen neue Taktiken entwickeln. Die Heinrich Boell-Stiftung versucht dies beispielsweise durch strategische Kooperationen, so Jan Engelmann. Aus Sicht der freien Szene ist die Sachlage natuerlich eine andere. Jan Rohlf argumentierte, dass er zwar auf institutionelle Foerderungen angewiesen sei aber trotzdem versuche, verschiedene Handlungsweisen zu entwickeln um einer vollstaendigen Institutionalisierung zu entgehen. Aus dem Publikum kam von einem Mitarbeiter des Goethe-Instituts zudem der Hinweis, dass bei der Forderung nach einer Neu- bzw. Redefinition der Institution darauf geachtet werden muss, dass man nicht selbst in neoliberale Forderungen nach Flexibilitaet und Verschlankung verfalle.

    Bei einer Neubestimmung der Institution, so schloss der Moderator das Panel, muessen Transfers zum Tragen kommen: Zwischen jenen, die die Logik und Semantik der Institution bisher gepraegt haben und jenen, die dieser Logik versucht haben zu entgehen, aber in diesem historischen Moment die Rolle des Platzhalters fuer neue Modelle der Institution zugesprochen bekommen. So werden lose Verbunde wie Netzwerke nicht von ungefaehr als die Institutionen von Morgen gehandelt. Beide Seiten muessen sich fuer einen gegenseitigen Lernprozess oeffnen, bei dem nicht zuletzt der Faktor Zeit in den Vordergrund rueckt. Auf beiden Seiten nagt er wie kein anderer: Die zeitlichen Strukturen der Gesellschaft sind extrem unuebersichtlich geworden; beide Seiten muessen Prinzipien wie Entschleunigung und Beschleunigung nocheinmal grundsaetzlich durchdenken.


2 Kommentare zu Neubestimmung der Institution

  • [...] waren. So hätte ich es natürlich gerne, denn das würde heißen (wenn nicht gar beweisen), dass Institutionskritik und -reflexion die Bedingungen für wissenschaftliche Exzellenz sind. Bekanntlich wird diese Exzellenz aber mit [...]
  • [...] Macht verbundenen Möglichkeiten – auch im Sinne der strategischen Politik gegenüber anderen institutionellen Instanzen (Rektoraten, Ministerien usw.) und der Herstellung von Öffentlichkeit, hochschulintern wie [...]

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