• Mysteriöser Vorfall mit Google-Pin

    Google Maps ist ein im Jahr 2005 lancierter Ortungsdienst. Orte, Hotels und andere Objekte lassen sich damit suchen und auf einer digitalen Karte auffinden. Doch auch in diesem Universum der totalen Übersichtlichkeit geschehen mysteriöse Dinge. Der Künstler Johannes P. Osterhoff berichtet.

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    Kürzlich wurde mein Mäzen fast von einem Google Maps-Pin erschlagen, der aus bisher ungeklärter Ursache urplötzlich vom Himmel fiel. Kein Unheil ahnend und nachdenklich wie Mäzene manchmal sind, setzte er ein Lesezeichen in der Google Maps-Anwendung seines iPhones.

    „Zuerst bemerkte ich den Schlagschatten“, erzählte er mir. „Als ich aufblickte, sah ich eine riesige Stecknadel, etwa 20 Meter groß“. Diese, der digitalen Entsprechung in der Google-Maps-Applikation verblüffend ähnlich sehende Konstruktion, stürzte in atemberaubender Geschwindigkeit zu Boden. Mit einem lauten Knall bohrte sie sich wie ein Pfeil in die Erde. Nur die Reflexe eines Mäzens von Welt und ein schneller Sprung zur Seite retteten sein Leben.

    Bis jetzt verblieben die Pins für weitere Untersuchungen am Ort des Geschehens. Eine ausreichende Erklärung für den Vorfall wurde noch nicht gefunden. Der Wetter-Radar hat keine Anomalien aufgezeigt, der Mobilfunkbetreiber lehnt bisher jegliche offizielle Stellungsname ab und Google selbst kann nicht erklären, was zu einem solch dramatischen Unglücksfall führen konnte.

    Dies ist jedoch nicht das erste Auftreten verirrter Google-Interface-Elemente im öffentlichen Raum. Im Herbst 2006 verknüpften die Netzkünstler Olia Lialina und Dragan Espenschied übernatürliche Kräfte und Interface-Elemente in ihrer Arbeit Midnight.

    Bing Maps als ungefährliche Alternative

    Das unheimliche Erscheinen eines gigantischen Google Maps-Markers in Berlin wurde im Winter 2006 und in Polen im Frühjahr 2009 von dem Medienkünstler Aram Bartholl heraufbeschworen, wie auch Thomas Göthe im Winter 2008 nahe dem Potsdamer Platz.

    „Ich werde versuchen, in Zukunft auf Bing Maps umzusteigen“, verkündete der Mäzen, der ungenannt bleiben möchte. Wenn die obskuren Vorkommnisse weitergehen und das große Unternehmen nicht die Ursache offen legt, die zu den Manifestationen seiner Interface-Elemente im realen Raum führt, wird er wahrscheinlich nicht der einzige Benutzer sein, der dies zu tun beabsichtigt.


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