• Im Mülleimer des Internets: Faschistische Memes, dauer-ironische Influencer und echter Hass

    In jüngster Zeit sorgt ein neuer Typus YouTube-Star für Aufregung: Der dauer-ironische Influencer, der es scheinbar problemlos schafft, antisemitsche Hetze und anderen rassistischen Content zu verbreiten, frei nach dem Motto: ist doch alles nicht so gemeint! Theatermacher und Berliner Gazette-Autor Alexander Karschnia geht dieser Type nach und schaut sich im Mülleimer des Internets um.

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    „Kein Kommentar“: beliebte Redewendung, um etwas ohne Begründung zu verurteilen, schmallippige Antwort von Politiker*innen auf unangenehme Fragen und bekanntestes Format von euronews, in dem Nachrichtenmaterial ohne begleitende Off-Stimme gesendet wird. Es kann sich auch um eine ästhetische Strategie handeln wie in den Glossen von Karl Kraus oder den Dokumentarfilmen von Thomas Heise.

    Anders als in den meisten Fernsehproduktionen wird dort auf jene unsichtbare Instanz verzichtet, die das Gezeigte explizit bespricht, einordnet und bewertet. Das Material soll für sich selbst sprechen, bzw. wird implizit durch Kameraführung und Schnitt eingeordnet und bewertet. Diese Strategie des unkommentierten Zeigens, die sich auf seine künstlerische Mittel konzentriert, statt das Gezeigte durch diskursive Sprache zu überlagern, wird oft als Befreiung der Zuschauer*innen von pädagogischer Gängelung und ideologischer Bevormundung gewertet.

    Sie kann jedoch leicht selbst ins Ideologische kippen, wenn versucht wird, sich damit gegen Kritik zu immunisieren. Die Berufung auf den Kunstgriff gerät dann in irritierende Nähe zum neurechten Sprech gegen „politische Korrektheit“, „Gutmenschentum“ usw. wie beim Publikumsgespräch mit den beiden Machern des Films „Lord of the Toys“ (Regie: Pablo Ben Yakov, Kamera: André Krummel) im Berliner Sputnik-Kino (in der „Antifaschismus“-Reihe des Sprechsaals).

    Der Film über eine Clique politisch fragwürdiger YouTuber hatte schon im Vorfeld für hitzige Debatten gesorgt. Die Jury des Leipziger DOK Filmfestivals hatte ihm dennoch (oder gerade deswegen?) den ersten Preis verliehen. Nun wird man dem Film kaum eine bestimmte politische Botschaft vorwerfen können. Selbst seinen Protagonisten nicht. Fragt sich, ob das ausreicht, um dem Film politische Unbedenklichkeit zu attestieren. Viel interessanter ist die Frage, ob Agit-Prop im Internet nicht ganz anders funktioniert als in den Zeiten von Hitlers hate radio. Bedarf es dazu irgendwelcher Botschaften? Oder sind sogar politische Überzeugungen mittlerweile bedeutungslos?

    Mythos: Vom Flaschensammler zum Medienunternehmer

    Zum Film: eine Gruppe junger Männer um den YouTuber Adlersson aka Max Herzberg wird dabei gefilmt, wie sie sich gegenseitig filmen beim Abhängen, Partymachen, „Scheißebauen“ – und das anschließend ins Netz stellen und sich genüsslich die Online-Kommentare vorlesen. Zwei von ihnen (Adlersson und Inkognito Spastiko) sind professionelle YouTuber, d.h. sie betreiben einen eigenen Kanal, haben Sponsoren und eine fanbase, die ihnen „folgt“. Diese Realität scheint immer wieder auf, wenn man Herzberg dabei zusieht, wie er „unpacking videos“ dreht, d.h. vor laufender Kamera Sponsorenpakete öffnet und Produkte bespricht. Seine Spezialität ist die Begutachtung von Schneidewerkzeugen (Messern).

    Dieses Format, das man zu TV-Zeiten als nervige Dauer-Werbesendung kannte, bedeutet in Zeiten von YouTube nicht länger den Abstieg zu einer Art Staubsaugervertreter (das Los bestimmter Big Brother Kandidat*innen), sondern im Gegenteil das Entrée-Billett in die „Hall of Fame“ der digital natives, der sog. iGen: jener Generation von Teens bis Mid Twenties, die mit (besser: in) social media aufgewachsen sind.

    Der Film verpasst die Chance, über die dunkle Seite dieser medialen Sozialisierung zu berichten. Stattdessen huldigt er dem Mythos Vom-Flaschensammler-zum-Medienunternehmer. Von der Realität dieses Geschäftsmodells erfahren wir jedoch kaum etwas. Wir sehen Herzberg zwar ab und zu seinem Promo-Job nachgehen, aber das dient nur als Kontrastfolie für den anderen Herzberg – jenem „Adlersson“, der andere zum Saufen animiert und dabei erniedrigt.

    Solche Szenen ließen sich mit x-beliebigen Männergruppen filmen, das Besondere an dieser Truppe ist, dass die Saufereien am laufenden Band von politisch inkorrekten Kommentaren begleitet werden – um es in der verharmlosenden Sprache der Filmemacher zu sagen. Konkret geht es von Anfang an um einen zynischen Antisemitismus, der ein fester Bestandteil dieser speziellen Prollkultur zu sein scheint. Es beginnt mit der „challenge“, Sekt aus einer Melonenhälfte zu schlürfen, wobei Adlerssons erstes Opfer mit Schaumwein vorm Mund etwas von „dreckigen Juden“ faselt. Etwas später wird der mittlerweile sturzbetrunkene Mann von Adlersson mit dem Deodorant seines Mitbewohners „vergast“. Kein Kommentar.

    Brecht und der politische Dokumentarfilm

    Teile des Kinopublikums reagierten bei der Aufführung im Sputnik-Kino mit einem penetrantem Beavis and Butt-Head-Kichern. Der andere Teil des Publikums übte sich anschließend in weich gespülten, einfühlsamen Nachfragen beim Publikumsgespräch, an dem auch Freddy Seibt, einer der Protagonisten teilnahm (im „Evil German“ T-Shirt). Man versicherte sich gegenseitig, dass die heftigen Kritiken, die der Film ausgelöst hatte, vollkommen überzogen seien. Kopfschüttelnd wurde eine „Prenzlberg-Mutti“ erwähnt, die kritisiert hatte, der Film „vermenschliche“ seine Protagonisten. Gelobt wurde die Kunsthaftigkeit des Films, seine Dramaturgie: „Bertolt Brecht hätte das sicherlich gefallen“, meinte der Kurator Lars Dreiucker. Das ist mit Sicherheit auszuschließen.

    Nun steht der politische Dokumentarfilm tatsächlich in einer bestimmten Brecht-Tradition. Dabei geht es um zwei zentrale Punkte: Haltung und Distanz. Die künstlerische Darbietung hat nicht der Einfühlung zu dienen, sondern im Gegenteil der „Ausfühlung“. Brechts berüchtigter V-Effekt dient dazu, die Distanz zwischen Publikum und fiktiven Figuren zu erhöhen.

    Zweitens: wichtiger als jede Botschaft, die ein Kunstwerk mitzuteilen vermag, ist die Haltung, die sie vermittelt. Voraussetzung dafür ist, dass die Künstler*innen selbst eine Haltung besitzen. Den Macher*innen von „Lord of the Toys“ mangelt es an beiden. Wie Herzberg sich weigert, sich von seinen rechtsextremen Fans & Followern zu distanzieren, weigern sie sich, sich von ihm zu distanzieren. Der Preis dafür ist hoch: Statt einen kritischen Film über eine gefährliche Entwicklung der gegenwärtigen Kulturindustrie zu drehen, produzieren sie eine Helden-Story.

    Dafür übergehen sie Herzbergs enge Verbindung zur Identitären Bewegung und übertreiben seine Bedeutung (er sei „ sehr mächtig“): Aktuell hat Adlersson 235.515 Abonennten, zum Vergleich: Rezo 1.051.134, Rewi 2.8 Millionen, Julien Bam 5.5 Millionen und PewDiePie, der weltweit erfolgreichste YouTuber 98,9 Millionen. Vor allem aber scheitern sie am eigenen Anspruch, etwas über das „vorgeschaltete System“ zu vermitteln. Kann es sein, dass dieses “System”, der “Plattform-Kapitalismus”, wie manche concerned netizens seit längerem befürchten, zu einer Maschine verkommen ist, die nur noch dazu dient, Nazis zu produzieren? Was passiert in diesem Black Hole YouTube?

    Das Übel unsrer Zeit ist der „ironische Faschist“

    Dabei hat “Lord of the Toys” durchaus gelungene Sequenzen: Zu nennen wäre die Oktoberfest-Sequenz, das Highlight des Filmes. Dabei geht es um handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen der Clique und einer Gruppe von Migrant*innen. Diese Sequenz zeigt eindrücklich, wie solche Vorfälle, die immer wieder in die Schlagzeilen kommen, mutwillig herbeigeführt werden können: In diesem Fall von einer jungen Frau, die in der Mitte des Films auftaucht und zur Freundin des zweiten Protagonisten, Inkognito wird. Kurz vor den Auseinandersetzungen erzählt sie, dass sie Mitglied des III. Weges war, einer militanten Neonazi-Organisation, der die NPD zu liberal ist (was jedoch durch den Verzicht auf Erläuterungen leicht zu überhören ist). Immer wieder geht sie einen jungen migrantischen Mann an: „You are ugly. Go back to your country. We don’t like you.“ Kurz darauf fordert sie ihren Freund auf, endlich tätlich zu werden: „Der hat mich angegriffen! Tu endlich was!“ Die Sequenz endet damit, dass Herzberg der Gruppe zu ruft: „We are Nazis and we are proud of it!“

    Nicht dass Herzberg alias Adlersson damit überführt wäre – das ist natürlich auch nur ein Spruch wie: „Der Hausherr ist rechts!“ Der Satz ist Cliquen-Code, er zirkuliert zunächst intern, wird aber schon bald zum Slogan, der ihnen auf der Straße von Fans & Followern zu gerufen wird, wie Herzberg seinem Vater erzählt: „Er verbreitet sich immer weiter. Nur das zählt!“ Das Übel unsrer Zeit ist nicht der stolze Nazi, sondern der „ironische Faschist“. Das Problem sind nicht die, die meinen, was sie sagen – das Problem sind die, die es nicht so meinen…oder doch…oder doch nicht… Herzberg alias Adlersson ist kein neofaschistischer Agitator, er ist etwas Schlimmeres: ein toxischer Influencer. Das Gift, das sich durch ihn verbreitet hat einen Namen: „irony poisoning“.

    Höhenflug und Absturz

    Dafür gibt es Vorbilder: PewDiePie, der sich das ganze Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Bollywood-Musikkanal um den Platz 1 auf YouTube lieferte (Slogan: „Subscribe to PewDiePie!“), hat vor zwei Jahren selbst einen Skandal provoziert, indem er zwei lachende und singende halbnackte Männer in Indien dafür bezahlte, ein Banner zu entrollen mit der Aufschrift: „Death to all Jews!“ Just joking!?

    Am 15. März 2019 stürmte ein Mann in der Stadt Christchurch (Neuseeland) in zwei Moscheen, erschoss 51 Menschen und verletzte 50 weitere, zum Teil schwer. Das Massaker übertrug er live ins Internet. Der letzte Satz vor der Tat: „Subscribe to PewDiePie!“

    Nun schien Ironie lange das Gegengift für Ideologien zu sein: Wie kann Ironie selbst zur Ideologie werden? Ideologien funktionieren durch penetrante Wiederholung: Bestimmte Worte, Sätze, Redewendungen werden so lange wiederholt, bis man sie den Köpfen eingehämmert hat. Anders als im vertikal organisierten Rundfunk funktioniert das im horizontal organisierten Netz viral, es verbreitet sich von selbst. Am besten funktioniert das durch „Witzelsucht”. Jede Aussage wird sofort ironisiert, veralbert, verballhornt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ spaßt Herzberg. Es ist die Ironisierung dieses Satzes, die ihn überführt. Denn wenn es ein „faschistisches Programm“ gibt, besteht sie darin: Jenen Satz (Artikel 1 GG) ins Lächerliche zu ziehen.

    Denn wenn alle würdelos sind, hast Du nur eine Wahl: entweder Du entwürdigst oder Du wirst entwürdigt. Was Typen wie er nicht verstehen ist, dass das eine nicht ohne das andere zu haben ist. Der Preis der funny games ist die Depression, die in der iGen endemisch ist: Auf die manischen Schübe, ausgelöst durch digitale Gratifikationen, folgt regelmäßig der Absturz (der öffentliche psychische Zusammenbruch von YouTube-Stars ist zum eignen Genre geworden).

    Dieser brutale Downer ist der technischen Struktur eingeschrieben: „Sad by design“ nennt es der niederländische Internetkritiker Geert Lovink in seinem neuen Buch: „digitaler Nihilismus“. Die größte Verfehlung des Films besteht darin, diesen Teil der Realität nicht zu zeigen. Herzberg bleibt bis zum Schluss souverän: Er wird so gezeigt, wie er gesehen werden will. Er triumphiert am Ende noch über die Versuche von YouTube, ihn zu zensieren. Was wir nicht sehen ist die Kümmerlichkeit einer solchen, künstlichen Existenz – einen traurigen Clown, der den Weg zurück nicht mehr findet. „Der Hausherr ist rechts?“ Die Wahrheit ist: Hier ist niemand der Herr – und keiner zu Haus.

    Der „große Austausch“, den sowohl Identitäre wie der Christchurch-Attentäter angesichts von Migration halluzinieren – er findet statt! Doch es sind nicht andere Menschen, die uns ersetzen, sondern Maschinen. Adlersson und seine Bro-Army haben sich ihnen längst mit Haut & Haaren verschrieben. Da hilft auch keine rote Pille. „Und von jetzt ab und eine ganze Zeit über/Wird es keinen Sieger mehr geben/Auf eurer Welt, sondern nur mehr Besiegte.“ heißt es in Brechts Fatzer-Fragment.

    Anm. d. Red.: Das Foto oben stammt von Mario Sixtus und steht unter einer CC-Lizenz (by nc sa).


29 Kommentare zu Im Mülleimer des Internets: Faschistische Memes, dauer-ironische Influencer und echter Hass

  • tilman am 17.08.2019 10:30
    Ich würde sagen, bei Dokumentarfilmen geht es immer primär um die Bilder - die Kommentarebene ist sekundär. Ich erinnere an den Skandal Anfang der 90er um Winfried Bonengels Dokfilm "Beruf: Neonazi", in dem er Ewald Bela Althans portraitierte. Er wurde dafür kritisiert, dass die Bilder etwas ganz anderes erzählen als die Kommentarebene, die Althans verurteilte. Und ist das nicht oft auch bei TV-Dokumentationen der Fall, diese Schere zwischen Bild und Ton? Besteht nicht die ganze Kunst des Dokumentarfilms ausschließlich darin, über die Bilder zu sprechen - und ohne Worte eine Haltung zum Ausdruck zu bringen?
  • Axiomator am 19.08.2019 14:20
    @tilman
    Nein
  • Greenbrother am 19.08.2019 14:38
    @Aximator
    Warum?
  • Mr. Kackapopoloch am 19.08.2019 14:40
    "Das Übel unsrer Zeit ist der „ironische Faschist“

    Das Übel unsrer Zeit sind aber nicht YouTuber wie Adlerson, sondern die, die hinter allem einen tieferen Sinn entdecken wollen.
    Allein schon die Frage, ob dem man dem Film politische Unbedenklichkeit attestieren kann, ist lächerlich. Wie es in einer Dokumentation sein soll, wird das Gezeigte nicht kommentiert. Also lasst doch bitte den Zuschauer entscheiden, was er mit seinen Eindrücken anfängt!
  • klauskleber am 19.08.2019 14:42
    bitte nur noch Haltungsjournalismus und Haltungsdokus! ich möchte nur noch bilder einer wunschrealität sehen. Frauen in Burkas, die im lesbischen swingerklub arbeiten, nazis, die heulend bereuend kleine türkische kinder auf dem spielplatz betreuen während deren große brüder über das dt. grundgesetz und schwule liebe rappen!
  • Drachenlard am 19.08.2019 14:44
    Leider stört in diesem Artikel, wie in vielen aktuellen Artikeln, dieses "*innen".
    Dieser Genderwahn stört unheimlich den Lesefluss und ist so oder so überflüssig, denn Die Zuschauer bezieht sich auf eine Vielzahl. Also mehrere. Darin eingeschlossen sind weibliche wie männliche Zuschauer.
    So eine Schreibweise würde ich mit keinem Cent unterstützen.
    Bitte unterlasst diesen Quatsch.
    Danke.
  • Slemme am 19.08.2019 15:21
    Ich habe eher das Gefühl, das Problem sind Außenstehende, die nicht mit der YouTube Landschaft und ihren Gepflogenheiten vertraut sind.

    Allein schon wieder diese "PewDiePie-Affäre", jedem der mit Felix's Inhalten und seiner Person etwas vertraut sind haben gemerkt, dass der Witz nicht in der Aussage "death to all jews" besteht, sondern in der Absurdität der Sache selbst.
    Also dass sich im Jahr 2017 noch Leute finden, die bereit sind für 5$ so etwas vor laufender Kamera zu sagen...

    Als nächstes will man mir noch erzählen bei GamerGate ging es von Anfang an nur um Frauenhass...
  • DRACHENLAND - genauso! Dieser sprachliche Genderwahn ist eine unnötige Pest, die sich überkorrekte praxisferne Bürokraten ausgedacht haben. Unglaublich, wie das jeden Satz zu einem riesigen Wort-Ungetüm aubläst!
  • Ich wußte, noch bevor ich zu lesen begonnen habe, dass Pewdiepie hier reingekippt wird.

    Der Mann ist gerade KEIN Ideologe. Das Leben an sich ist chaotisch und unberechenbar. Lebt damit. Es ist nicht alles "problematisch", und dass ihr alles für "problematisch" haltet, ist wirklich, wirklich lästig.
  • Hndsftt am 19.08.2019 15:47
    Es geht mir auf den Keks: Hinter jeder Ecke lauert der "Faschist", während ich auf dem Weg per öffentliche Verkehrsmitteln nach Hause ganz andere, störende Realitäten wahrnehme. Darunter eine heftige Portion "Rassismus" gegen Deutsche, über die natürlich dank des Stillhaltegebotes der öffentlichen Medien nichts berichtet wird. Der Genderblödsin interessiert mich da schon weniger, der erledigt sich mangels Massentauglichkeit von alleine.
  • AlsObIhrDasErfahrt am 19.08.2019 15:49
    Jeder, der solch einen Artikel verfasst ist ABSOLUTER Teil des Problems unserer Gesellschaft. Bitte kritisch überdenken und nicht vor Selbstkritik scheuen!
  • Thomas Eifert am 19.08.2019 15:49
    Tja, ironisch oder nicht, Alltagsrassismus senkt die Hemmschwelle für rechtsgetrollte Attentäter und muss unterbunden werden. Ein Staat, der solchen Müll wie diesen "Film" durchgehen lässt, muss sich als Versager titulieren lassen. Und: wer sich so einen Mist ansieht, hat zwar eh nur noch 2 überlegende Gehirnzellen, aber Nazis bleiben Nazis und gehören geboxt. Das das mal klar ist.
  • la defleur am 19.08.2019 21:11
    die scheene bohrmaschine :(.
  • https://www.piqd.de/users/magdalena.taube/piqs/irony-poisoning-wenn-schlechte-scherze-in-echten-hass-umschlagen

    In diesem Essay erklärt der Theatermacher Alexander Karschnia ein Phänomen, dem ich im Netz schon oft begegnet bin, für das ich bisher jedoch keinen richtigen Begriff hatte.
  • Magdalena Taube am 20.08.2019 09:31
    Ich finde den Bezug zum "digitalen Nihilismus", die programmierte Unzufriedenheit der meisten digitalen Anwendungen. Doch kann man das tatsächlich als ein "Generationenproblem" abtun? Klar, die Vertreter*innen aus dem YouTube-Kosmos, die du hier anführst, sind Teil einer bestimmten Generation. Aber wir als "Elterngeneration" schieben das Problem damit von uns weg, "die" können nicht mit dem Netz umgehen, haben ihre Sucht nicht im Griff. Das "die" ist schon lange ein "Wir", glaub ich.
  • kjberg am 20.08.2019 09:53
    Es ist schon interessant, wie dieser Artikel sofort und reflexhaft die häßliche Kommentar-Gegenbewegung initiiert, genau deren mangelnde kritische Auseinandersetzung im Artikel behandelt wird. Wurde im beschriebenen Film die unreflektierte Wiedergabe (statt einer Auseinandersetzung) entlarvt und ihre Haltung damit erstmal auch beschrieben, sind es hier die Kommentatoren, die sich -- klare Kante beziehend, aber gegen was? -- abermals einer kritischen Auseinandersetzung entziehen, in dem die Argumente gar nicht mehr genannt werden müssen. Es ist Euch lästig? Geht auf dem Keks? Gendersprache nervt Euch? Gut. Kritische Auseinandersetzung ist unbequem. Wer dazu keine Lust hat: Viel Spaß beim stumpfen Kichern und Besserwissen.
  • Peter Zwegat am 20.08.2019 10:11
    Das Problem liegt im Publikum, wie man auch an deen Kommentaren unter diesem Artikel sieht. Es gibt einen Alltagsrassismus, der uns alle umgibt. Wer da von einem Rassismus gegen Weiße spricht, versteht nicht, was Rassismus ist. Nein, es geht tatsächlich um Antisemitismus und anderen gruppenbezogenen Menschenhass, der sich gegen Marginalisierte richtet. Es sind nicht Adlersson und Kompanen, die die Gesellschaft zerstören. Es ist vielmehr die unkollegiale Gesellschaft, die solche Weltanschauungen und Youtube-Kanäle hervorbringt. Wie sollten sonst die knapp 250 Tausend Anhänger Adlerssons zustande kommen?! Fatal ist jedoch die mangelnde Fähigkeit zur Reflexion bei Adlersson, dem Publikum sowie vielen anderen Menschen in Europa, schließlich reiht sich deren Werk und fehlende Kritikfähigkeit in einen menschenhassenden Kanon ein, der nicht zuletzt von AfD und III. Weg aufgegriffen wird. Der Ausruf "Es wird bald kippen/platzen/ausgetauscht" ist richtig, jedoch falsch, wenn behauptet wird es läge an Semiten, Geflüchteten oder anderen Benachteiligten.
  • Pandemonium am 20.08.2019 11:22
    Dabei ist es doch genau der Weg, auf dem die Gendersprache eingeführt wurde. Meinung, Emotion. Eine kritische Auseinandersetzung hab ich da auch nicht wirklich gefunden, und ich habe danach gesucht. Ich verstehe das Argument, mehr Aufmerksamkeit auf andere Geschlechter zu legen, sehe aber für mich meistens nur einen unbegründeten Neid, dass in vielen Mehrzahlen doch eher das Maskulinum steckt als das Femininum. Dabei liegen rationale Argumente dagegen doch auf der Hand - es verlängert unsere Sprache, es führt Stolpersteine in das Lesen ein (übrigens ein toller Teil der deutschen Sprache, wir können ganze Sätze richtig gut an ihrer Form erkennen, das haben Sprachen wie z. B. Englisch nicht), welche den Fluss stören und zu guter letzt - politisiert unsere Sprache völlig unnötig. Durch Grammatik die eigene Meinung ausdrücken? Als ob es nicht schon schlimm genug ist.

    Ich finde dazu noch diesen Kommentarbereich und die Struktur dieser Diskussion super. Menschen kritisieren hier den Autor und dessen geschriebene Inhalte und bekommen direkt ein "ja das Publikum ist das Problem", alles nur hässliche "Kommentar-Reflexbewegung". Na dann schaffen wir doch am besten direkt die Kommentarspalte ab. Wenn die Meinung des Publikums hier nicht gut genug ist, wozu brauchen wir dann das Publikum?
  • Allionuschka am 20.08.2019 12:01
    Komisch, immer nur rechts, rechts, rechts Nazi, Nazi (mittlerweile ein Sammelbegriff für alles, was dem Mainstream nicht passt). Wieso spricht eigentlich kaum jemand über den linken Terrorismus der sogenannten "Antifa"? Die "Aktivisten" von grün und rot! DIE scheren sich um überhaupt nicht´s! Weder um Gesetze, noch Privateigentum wenn es darum geht ihre kruden Vorstellungen von "Gott und der Welt" umzusezten. Da wird alles mögliche in Brand gesteckt, Leute zusammengeschlagen die manchmal nur nach deren Vorstellung das falsche T-Shirt anhaben, die "Bullen" werden mit Brandsätzen und Gehwegplatten (von Dächern) beworfen usw. Das sind keine Aktivisten, sondern Terroristen! Da sollte mal was dagegen getan werden! Mittlerweile ist das Gefahr und Gewaltpotenzial der rot grünen Avangarde wesentlich höher als das von Rechts!
    Mmmm, will aber keiner wahrhaben, die Medienlanschaft ja sowieso nicht.
  • Frenzy am 20.08.2019 12:08
    Ich kannte den Film noch nicht, werde ihn aber nach dieser Empfehlung anschauen.
  • Lisa R. am 20.08.2019 12:51
    @ #19: Das find ich sehr undifferenziert. Der Mord an Walter Lübke wurde von einem rechten begangen!
  • Alex K. am 21.08.2019 09:33
    @ #15: Das stimmt natürlich, liebe Magdalena, dieses "sie" ist längst ein "wir", zumindest in jenem Sinne, dass wir alle diese Dynamik von Höhenflug und Absturz kennen, der man sich aussetzt, wenn man in social media aktiv wird. Der Unterschied ist nur der, dass digital natives in dieses oft sehr toxische Umfeld hinein sozialisiert worden sind: alle ab Mitte der 90er Jahren geborenen, (heute maximal Mitte Zwanzigjährigen) haben spätestens mit dem Beginn ihrer Teenager-Zeit mit social media zu tun gehabt: Dr. Jean Twenge nennt sie "iGen" - die next generation nach den millenials - die smartphone Generation. Diese Generation hat es hart erwischt: Es gibt erschütternde Anzeichen dafür, dass sie mit schwerwiegenden psychischen Problemen zu kämpfen hat, die man direkt auf die Auswirkungen von social media auf ihr Seelenleben zurückführen kann: Depressionen, Suizid (vgl. den entsprechenden TEDx talk mit Dr. Twenge: https://www.youtube.com/watch?v=UA8kZZS_bzc). Der Internetkritiker Geert Lovink hat das aufgegriffen in seinem neuen Buch, das auf Englisch den Titel: "sad by design" trägt. Die Frage stellt sich, ob wir es bei dem Phänomen (oder besser: Symptom) Adlersson um eine spezielle Ausprägung dieser Entwicklung zu tun habent: "fascist by design"? Zumindest Sam Kriss geht in dem oben verlinkten Text "The voice from the black hole" davon aus. Es hat also etwas mit der technischen Infrastruktur zu tun, es ist quasi in sie eingebaut. Und das ist natürlich, von außen betrachtet, ironisch (bzw. tragisch-ironisch), dass die Rhetorik von social media, die wir von den Zuckerbergs dieser Welt kennen ("bringing people together") von der Realität konterkariert wird: in Wirklichkeit bringt social media Menschen auseinander, wiegelt sie gegeneinander auf - und die Gewinner in diesem Spiel sind die Profi-Divider, die Rechten - diejenigen, die die Gesellschaft spalten wollen, die polarisieren, aufhetzen: Je mehr facebook-Nutzer in einem Ort, desto größer die Gefahr rassistsicher Anschläge. Hier trifft die deutsche Übersetzung von Lovinks Buch ins Schwarze: es ist der "Nihilismus" - nicht der intellektuell spannende 19. Jahrundert Nietzsche-Nihilismus, sondern der eliminatorische Nazi-Nihilismus, den Hannah Arendt bechrieben hat. Leider hat diese Leere, dieses Vakuum, das sich hinter den Ideologien verbirgt eine große Anziehungskraft - nicht die Ideologien ziehen die Menschen in den Bann, sondern dieses Nichts, das Vernichtungswerk. Wie Arendt beschrieben hat, gibt es eine ganze Menge Menschen, die dieses Nichts wittern - und von ihm angezogen werden. Sie wollen teilhaben am Vernichtungswerk - auch wenn es letzten Endes auf Selbstvernichtung hinaus läuft.
    Dagegen gilt es sich zu wappnen als Gesellschaft. #unteilbar ist schon mal ein guter Anfang, zumindest ein gutes Label:
    "Unteilbar" ist die Republik. Sie muss verteidigt werden - gegen die Hetzer, gegen die technologischen Oligopole.
  • Robin am 21.08.2019 21:18
    @21: ich fürchte, das ist mehr als "undifferenziert", das ist der Versuch, den Spieß herumzudrehen: ein Rechter läuft Amok in Christchurch - und spendet vorher Geld an den Posterboy der deutschsprachigen Identitären (damals gab es noch einen FPÖ-Innenminister, also hat die Polizei höftlich vor seiner Tür gewartet bei der Hausdurchsuchungen, bis er alle Spuren beseitigt hatte) - ein paar Monate später läuft ein Nachahmungstäter Amok in El Paso - d a s ist Terror! Wird aber nicht so genannt, zumindest nicht vom US-Präsidenten. Er möchte lieber die Antifa als "domestic terrorist" einstufen lassen. Und so versuchen die Rechten das Spiel auch hier zu spielen: Sagt jemand "rechter Terror", sagen sie "linker Terror". Es gibt einen Namen für dieses Kinderspiel: what-aboutism. Aber man muss ja nicht über jedes Hölzchen hüpfen, was einem hingehalten wird.
  • Vogelgesang am 22.08.2019 11:49
    @"sad by design", Depression und ihre remedies im Digitalen:

    Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit durch glorifizierende Aneignung in der eigenen Identität aufzuheben ist nicht nur bei den Adlerssonschen Flaschensammlern als Entertainment erfolgreich, die sich erfolgreich als souveräne Mackergang in der Hackordnung des öffentlichen Raums inszenieren können, es ist in der Figur des Doomers identitäres Leitbild einer ganzen Kohorte von Online-Trollen, die Gesellschaft gar nicht mehr anders wahrnehmen können und wollen als sozialdarwinistisch. Und aus dieser propagandistisch bestärkten Wahrnehmung ihre Gegenstrategien entwickeln.

    Bei den Filmemachern hört man die Sehnsucht nach der männlich-virilen Aneignung der eigenen Traurigkeit deutlich am Ende dieses Adlersson-Video: https://youtu.be/xnpJid3_yj8?t=4m53s Doof halt, wenn sie diese Sehnsucht nicht reflektieren und dann ihre Doku auf der Basis von Faszination schneiden und nicht als ein Nachdenken über das, was sie da dokumentieren.

    Das Grundproblem ist aber, vom Film einmal abgesehen, mMn nur teilweise ein technologisches oder nur insofern, als Plattformen wie YouTube oder allgemein "soziale Medien" eben als gamifiziertes Redesign von Fremd- und Selbstverhältnissen entlang ihrer Akkumulationslogiken (Aufmerksamkeit, Daten, Werbeeinnahmen) funktionieren. Gebroadcastete Straßenmackerei ist da als Konsequenz allemal "besser" als die Selbstbefreiung des Doomers in den terroristischen Protagonisten eines herbeifantasierten "race war", wie bei "Saint Tarrant" und seinen Nachahmern, auch wenn es Erweiterungen der selben Logik sind.

    Die jüngste Evolutionsstufe dieses Typus in Meme-Form ist seit einer Weile der Honkler (https://youtu.be/Sv6e3tXtIlI), der nihilistische Clown in der "Clown World", der angebliche Apokalypse, Kulturverfall und Hoffnungslosigkeit als unumstößlich akzeptiert und darüber lacht, der tötet, dabei Witze für seine Fans im Livestream macht und (wie schon Breivik 2011) lacht und lacht und lacht. Kein trauriger Clown, sondern ein nihilistischer, ein Anti-Clown, der nicht andere zum Lachen bringt, sondern nur noch sich selbst und seine Klone im Let's Play des provozierten Untergangs.
  • Karsten am 23.08.2019 00:10
    Jeder kann immer rechte Themen einwerfen, wenn man das will. Schon in der Vergangenheit waren die Organisationsfantasien von Behörden gegenüber Gruppierungen eine Lachnummer. Wenn man sie dann noch gezielt mit Spuren anfüttert, wird es witzig.

    Der Drachenlord hat z.B. keinen Peil zu den "Refuges":
    https://www.youtube.com/watch?v=JSk-WPeo4-4

    Die Identitären ködern uns mit Wahrheit. Das besondere an ihrer Haltung ist die Disziplin nie was wirklich anstössiges zu sagen aber trotzdem ein Klima zu schaffen. Auch Schwanensee kann politisch sein, wenn es ausserplanmäßig in der UDSSR im Fernsehen lief, schwante den Bürgern, dass bei den Genossen wohl gerade was nicht in Ordnung war. Schwanensee "as such" hat keine poltische Botschaft. Jeder Versuch da was reinzudenken, deutet auf Idiotie. Man darf nicht sich den politischen Kommissar oder Polizeichef einer Diktatur zum Beispiel nehmen.
  • Robin am 23.08.2019 09:52
    "Rechte Theorie" ist ein Widerspruch in sich - rechtes Denken ist nicht "theoriefähig" und es ist auch nur als "Denken" zu bezeichnen, wenn man den Begriff sehr weit ausdehnt: "rechts" verortet sich alles, was sich explizit gegen "links" in Stellung bringen lassen will, also gegen Emanzipation, Aufklärung, Egalitarismus, Solidarität. Man sollte diese "Identitären" nicht überschätzen: die sog. "Neue Rechte" ist längt ein Alt-Herren-Verein von vertrollten Peinsäcken, sie brauchten eine Jungspunt-Kur und haben ein paar Weirdos von der Leine gelassen, die versuchen, die Antifa-Kultur zu beklauen, indem sie alles umdrehen: "cultural appropriation"? Mit System... Aber am Ende des Tages sind sie einfach nur Trolle, nichts als Trolle - durch und durch. Von ihnen wird nie was eigenständiges kommen, denn sie sind aufs Ressentiment gebucht: sie sind die REAKTION. Nicht mal ignorieren, rate ich...
  • […] • Im Mülleimer des Internets: Faschistische Memes, dauer-ironische Influencer und echter Hass […]
  • Brunopolik am 06.09.2019 09:21
    Was sich im Mülleimer des Internets alles tummelt und zu Ängsten führt, zum digitalen Nihilismus gar und sich mit Antisemitismus, Rassismus und Faschismus trollt, sind die Folgen von Kapitalismus, insbesondere Neoliberalismus und deren teuflischen Ideologien. Dem zu begegnen ist die existenzielle Herausforderung unserer Zeit. Wie schon im Beitrag „Verrückte Solidarität“, bedarf es dafür radikal neuer Ansätze im Denken und politischen Handeln. Es wird vor allem die Angst vor dem Ende unserer Art sein, einem Ende, was bereits vielen Lebewesen dem Planeten Erde zuteil wurde, die die Menschheit zur erforderlichen Radikalität zwingen wird, wie sie sie schon jetzt fatal in dadaeske Clownerien aber auch den digitalen Nihilismus treibt. Doch die so entstehenden Ängste vor einer katastrophalen Zukunft mit einem sicheren Ende können auch beflügeln: könnten sogar eine neue Jugendkultur hervorbringen, und dann mit Solidarität, einem Unteilbar zum Potential Hoffnung werden. Wie seinerzeit Woodstock? Eine verrückte Vision für eine verrückte Solidarität aus dem Paradox der Kunst?
  • @28: es ist bekanntlich die Hoffnung, die zu letzt stirbt - Sie zitieren in Ihrem Artikel ja auch Greta, die explizit sagt: "Ich will Eure Hoffnung nicht!" Zugleich sollte man nicht in Verzweiflung verfallen, das lähmt nur. Die Herausforderung bleibt: weder Hoffnung, noch Verzweiflung. Denn die Dringlichkeit der globalen Situation angesichts der drohnenden Klimakatastrophe könnnten auch schnell zu ganz anderen Reaktionen führen als Schulschwänzen - Vorboten könnten jener Massenmörder von Christchurch sein, der sich in seinem Manifest auch als "Ökofaschisten" bezeichnet - ich empfehle dazu diesen Artikel: https://mobile2.12app.ch/articles/20641537

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