• Medienkunst erledigt? Antwort #3

    Medien-Kunst? Fast natuerlich erscheint es, dass sie sich in einem Dilemma befindet, ueberblendet vom Dauerrausch[en] der omnipraesenten Medialisierung der Welten. Das aesthetische und inhaltliche Provozieren und damit Evozieren von Kontroversen, Bestimmen von Diskursen faellt ihr immer schwerer, draengen die kommerziellen Medien doch jede Rezipienten-Reizschwelle staendig weiter (vom Ertraeglichen). Die wahre Provokation scheint heute in der Reduktion zu liegen, dem Mut zum still, zur Dauerschleife mit langer Weile. Doch auch hier wirkt das Feld dekliniert: Haben nicht Ikonen wie Bruce Nauman die Geduld des Zusehers schon vollstaendig – und im positivsten Sinne – ausgereizt?

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    Bild: Norbert Bayer

    Vielleicht kann eine Zukunft medialer Kunst im Neubesinnen auf Inhalte liegen, auf eine Intermedialitaet, die herkoemmlichen, bescheideneren Medien, wie zum Beispiel Text, neue Dialog-Mittel eroeffnet. Einem neuen Medien-Kunst-Projekt staende der Versuch gut zu Gesicht McLuhan widerlegen zu wollen, das Vordergruendige, die Oberflaeche, das selbstreferentielle Auto-Erzaehlen abzustreifen und die Kanaele wieder staerker fuer die eigentlichen Botschaften zu oeffnen. Eine solche Verfeinerung und Selbstbeschraenkung haette, meiner Meinung nach, die Konsequenz, dass Medien als Medien wieder Reiz-voller, durch ihr Zuruecktreten mittelbarer werden und damit wieder wesentlicher auf sich verweisen. Der teilweise kunstvolle Verzicht der Medien auf sich selbst waere noch einmal eine neue Provokation


2 Kommentare zu Medienkunst erledigt? Antwort #3

  • Hanno Mahsenfeld am 21.05.2007 11:12
    Es gibt im Grunde genommen viel zu viele Künstler, die weder die nötigen Techniken umfassend beherrschen noch eine aussergewöhnliche gottgegebene Begabung besitzen, die sie von Nicht-Künstlern unterscheidet. Von wirklich guten Ideen, Phantasie und Innovationen ganz zu schweigen.
    zu werden wird immer leichter, die Aufnahmekriterien und Lehrangebote an den Akademien sind meines Erachtens ein Witz, gerade in Studiengängen, die sich mit digitalen Medien befassen. Autodidakten haben es in der Medienkunstwelt paradoxerweise weitaus schwerer als schon in der -normalen- Kunstwelt, da akademische Grade, Stipendien und Preise aufgrund mangelndem Verständnis von außen nahezu unumgänglich sind.
    Wen wundert da noch ein Überangebot an digitalem künstlerischen Müll?
    Und Medienkunst soll im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wissenschaft agieren? Lachhaft, da die künstlerische Ausdruckskraft bei den allermeisten zu Wünschen übrig lässt und die Erkenntnisse und Lehren der Wissenschaften doch aufgrund einer mangelnden (natur)wissenschaftlichen Ausbildung nur oberflächlich und populärwissenschaftlich wiedergegeben werden kann. Kaum ein ernsthafter Wissenschaflter wird sich auf ein Medienkunstwerk berufen, anders aber im umgekehrten Falle.

    Irgendwann wird jemand kommen und den ganzen Haufen flimmernder, rauschender und öde vor sich hinsabbelnder Medienkunst und ihrer dazugehörigen sklavischen Anhänger und Propheten in der zweigrößten Toilette der Welt hinunterspülen und niemand aussen den Medienkünstlern selbst wird ihr Verschwinden vermissen.
  • Der Unterschied zwischen Künstler und Nicht-Künstler ist, aus meiner Sicht, der Mut seine eigenen Standpunkte auszumachen, sie zuzulassen und der Versuch diese in eine Tat oder ein Werk umzusetzen. Kunst wird dabei immer nur ein Versuch sein und darf es auch. Sie ist zum Glück nicht mess- oder beurteilbar in technische Fertigkeiten und korrekte Wiedergaben von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Gegenteil. Kunst wird und soll immer einen Freiraum neu besetzen, spielerisch mit Vorgaben oder vermeintlichen Wahrheiten umgehen. Kunst, auch die die man kritisiert oder sogar ablehnt, ist wichtig, und war es wert produziert zu werden - als Versuch, Raumnahme, Scheitern, Anlass für neue Diskussion oder neue Versuche.

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