• Maschinengewehrlektuere

    Wenn es so etwas wie das perfekt gestellte Hochzeitsfoto gibt, ist es mit Sicherheit dieses: Der Braeutigam im Smoking, mit schwarzer Fliege und immer sitzender Frisur wie aus der Schwarzkopf-Werbung. Die Braut mit einem schneeweissem Kleid, dazu passendem Hut und einem Brautstrauss in der Hand. Zu Fuessen des perfekten Paares ein Blumenmaedchen mit dem breitesten Grinsen der Welt. Die ganze Szene wirkt jedoch so was von angespannt und ernst, dass es einfach nicht zu Rocko Schamonis‘ Buch Risiko des Ruhms passen will. Schamoni, der Braeutigam – ein Punk im Schafspelz koennte man sagen.

    Bei dem Allroundkuenstler Schamoni sind Verwirrung und Provokation angesagt. Das konnte man schon in seinem letzten Werk >Dorfpunks< sehen. Dass er nun mit der Neuauflage seines Debuetromans noch eins draufsetzt, klingt unglaubwuerdig, ist aber so. Schamoni schreibt schnell, fast schon zu schnell. Pointen reihen sich wie Kugeln aus einem Maschinengewehr aneinander und durchloechern das Zwerchfell des Lesers. So durchschossen bleibt natuerlich nicht gerade viel haengen, von dem was man da gerade gelesen hat. Aber wie bei einer guten Droge bleibt man einfach dran.

    Risiko des Ruhms ist eine Sammlung von Kurzgeschichten auf Speed. Die Stories sind total absurd. Welche Hauptfigur kann schon von sich behaupten Artist, Raeuber, Kuenstler, Seemann, Gestrandeter und dann auch noch Autor zu sein? Der Protagonist erlebt einfach zu viel, als das man es auch nur ansatzweise zusammenfassen koennte. Es ist ein Buch das vom Tempo her einer Achterbahnfahrt Konkurrenz macht und Aufenthalte in der Nervenklinik werden danach ein Kinderspiel sein. Aber das ist wohl das Risiko des Lesens.


2 Kommentare zu Maschinengewehrlektuere

  • Desiree am 01.07.2007 12:04
    Ja! Das ist Du sehr gut beschrieben, Michael. Das ist der Stil von Schamoni, einen meinen deutschen Liebslingsautor. Er ist für mich with Jonfen Safran För, bloß nicht Jude - was manchmal gut ist für Humor.
  • Magdalena am 02.07.2007 08:05
    @ Desiree: Der Vergleich mit Jonathan Safran Foer drängt sich mir eigentlich nicht auf. Man könnte Schamoni eher als den deutschen Charles Bukowski oder Howard Stern bezeichnen, oder eine Mischung aus beidem. Nur dass er halt viel lieber ist - in der Hinsicht ist er Safran Foer sicherlich ähnlicher! Ich bin mir nicht ganz sicher bezüglich Deiner Anmerkung über den Humor und das Judentum von Foer... vielleicht kannst Du das ja ein bisschen erhellen. Ansonsten kann ich dir durchaus zustimmen: Michael hat Schamonis Schreibe ganz gut getroffen!

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