• Leben in der Pseudofreiheit

    Immer wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, stelle ich fest, wie leer der Kuehlschrank in meiner eigenen Wohnung eigentlich ist. Im Grunde brauche ich nicht einmal einen Kuehlschrank, da ich sowieso immer nur fuer zwei oder drei Tage einkaufe.

    Meine Eltern jedoch brauchen ihn und den grossen Gefrierschrank im Keller unbedingt, wenn sie ihren Luxuslebensmittelstandard wahren wollen. Ein Standard, den ich Jahre lang als selbstverstaendlich hinnahm und der sich nicht erst seit gestern zu meinem Entsetzen auf Tierausbeutung stuetzt.

    tier

    Zum einem sind dort die unzaehligen Kaesesorten, die Fruchtjoghurts, die Eier, der Lachs, die Salami, der Schinken und die Milchpackung, die einem das Bild von der gluecklichen Kuh auf der gruenen Wiese zeigt. Dass diese Werbemanipulation bei mir Jahre lang wirkte und bei meinen Eltern immer noch zieht oder die Wahrheit ueber den Konsum von tierischen Produkten ignoriert wird, laesst mich fassungslos schweigen. Denn eines ist sicher: Die Realitaet der meisten eurer Milchkuehe sieht anders aus.

    Dass es jedoch auch anders gehen kann, beweisen mir nicht die Bio-Landwirte sondern Niemand. Als ich bei meinen Eltern einen Ausflug in die Natur machte und auf eine Herde freilebender Rinder traf war ich zu erst sehr froh darueber, dass es doch noch Kuehe gibt, die mit ihren Kaelbern weiden duerfen. Neugierig kamen sie auf mich zu getrabt, doch mussten beim elektrischen Weidezaun schliesslich halt machen. Von Angesicht zu Angesicht kam dann wieder die verborgene Wahrheit in mir hoch und ich wurde traurig, denn vom Leben in der Pseudofreiheit bleibt ihnen nichts anderes als der Tod beim Schlachter.

    Das solch ein Schicksal der Tiere jedoch nicht von allen Menschen bedingungslos hingenommen wird, beweisen mir Kampagnen wie die gegen den Pelzhandel von Escada, Tierbefreiungen und anti-speziesistische Demonstrationen wie neulich in Berlin. Dass man als erfolgreicher Aktivist fuer Tierrechte jedoch auch schnell Opfer der Repression werden kann, zeigen Festnahmen von zehn Tierrechtlern im Mai diesen Jahres in Oesterreich. 104 Tage in Untersuchungshaft dafuer das einem keine kriminelle Handlung nachgewiesen werden kann und man sich fuer die Rechte der ausgebeutetsten Individuen in unserer Gesellschaft eingesetzt hat, zeigt wieder mehr als deutlich wie es um unsere demokratischen Verhaeltnisse bestellt ist.


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