• Zum Glück kein Arschlochkind

    Moderne Väter. Was stellt man sich heute darunter vor? Sind es die Väter, die mit Tragetuch und Hanf-Hose durch Prenzlauer Berg streifen, auf dem Weg zum nächsten FABEL-Kurs? Oder sind es die schicken jungen Väter in Anzug und Krawatte, die den neuen Peg-Pérego vor sich her schieben, damit sich die Frau, die nun Mutter ist, eine kleine Entspannungsmassage genehmigen kann, bevor der Mann wieder ins Büro eilt? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Wie alles in unserem Leben, ist auch das Vaterbild vollends individualisiert worden.

    Ein unfreiwillig komischer Fall: der Komiker Michael Mittermeier. Bis vor kurzem waren Kinder in seinen Comedy-Shows eigentlich immer nur „Arschlochkinder“. Jetzt ist er selbst Vater geworden. Zu seiner großen Erleichterung ist Mittermeiers Wurf nicht in diese unerfreuliche Kategorie gefallen. Auf 259 Seiten berichtet er in seinem Buch Achtung Baby! vom Vaterwerden und Vatersein und macht den Leser mit all den Dingen, Fachwörtern und Ereignissen bekannt, die die Vaterschaft heute so mit sich bringt. Ob Casting für die richtige Hebamme, MacLaren-Kinderwagen, Stimmungsschwankungen oder PDA – Mittermeier kennt sich aus.

    Wie er selbst schreibt, ist das Buch kein Ratgeber. Es ist vielmehr ein Erfahrungsbericht ganz im Stil seiner Bühnenshows. Althergebrachte und schon erprobte Gags werden mit neuen Inhalten kombiniert und erweitert. Kurzweilig durchfliegt man die Zeit des Kinderwunsches, Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre des Kindes im Hause Mittermeier. Bisweilen scheint es fast, dass man beim Lesen den bayerischen Dialekt mithören kann, wenn seine Frau Gudrun ihren „Michl“ zurechtweist. Es ist der ganz normale Babyalltag, den Mittermeier hier beschreibt, nur eben lustig aufbereitet für alle Mittermeierfans mit Kindern.

    Väter schreiben Liebesbriefe

    Nach der Lektüre des Buches bleibt ein vertrautes Gefühl zurück, denn Mittermeiers Babybuch erinnert an ein anderes Buch aus meiner frühen Kindheit und Jugend: Der Kleine Prinz. Wenngleich literarisch auch nicht annähernd auf einer Ebene mit Antoine de Saint-Exupérys weltberühmter Erzählung, gibt es dennoch eines, was die beiden verbindet: Exupérys 1943 erschienenes Werk ist u.a. ein Liebesbrief an seine Frau Consuelo. Mittermeiers 2010 erschienenes Buch neben allen Scherzen und viel Klamauk ein Liebesbrief an seine Tochter Lilly. Und das ist alles, was man über die neuen Väter wissen muss: Sie lieben ihre Kinder.


4 Kommentare zu Zum Glück kein Arschlochkind

  • Lesbian Mothers Union am 25.04.2010 10:00
    Sehr interessanter Beitrag. Ich wünsche mir solches Nachdenken auch über "die neuen Mütter" (jenseits von Eva Hermann Bla Bla). Was macht die moderne Mutter aus? Wie bringt sie Alltag, Kind und Beruf unter einen Hut... Freue mich über Feedback!
  • Samantha1992 am 25.04.2010 10:30
    na der vergleich mit saint-ex ehrt ja den mittermeier sehr! versteh schon die analogie über die liebesbriefsache. aber gibt es noch andere parallelen?
  • Susanne am 25.04.2010 11:59
    @lesbian mothers union: der artikel über die neuen mütter ist in planung, kommt in ein paar wochen
    @samantha: nein, andere parallelen gibt es nicht. es ist einzig das gefühl, dass es eben wirklich auch ein liebesbrief an seine tochter ist. nicht mehr.
  • Ich bin erstaunt, zu welchem milden Urteil die Rezension kommt: Ich hätte bei Mittermeier eine völlige Abstrafung erwartet. Der Vergleich mit "Der kleine Prinz" ist umso mehr ein überraschendes Ende. So lohnt es sich eben doch, Rezensionen zu lesen. Danke.

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