AUTORSCHAFT IM NETZ
Haben Sie schon Mal ins Internet geschrieben? Und, wie war es so? Haben Sie sich danach ein bisschen wichtig gefuehlt, so als Blogger, Kommentator oder Forumsnoergler? Oeffentlich schreiben ist heute so einfach wie eine Briefmarke aufzukleben: Bisschen Spucke, bisschen Feingefuehl, Batsch und raus damit.

Doch ist jeder, der im Netz schreibt auch ein Autor? Also so ein richtiger mit ausgedehnten Cafe-Aufenthalten, einsamen Textmanikueren und schlecht sitzenden Anzuegen? Die Antwort muss natuerlich "Nein!" lauten. All die Plaudertaschen und Flame-Krieger, all die umherirrenden Forumsposter und Netzakrobaten sind genauso wichtig wie andere Netzbuerger. Aber sie sind nicht zwangslaeufig Autoren.

Doch was ist mit jenen, die das Internet nutzen, um ihre literarischen Texte unters Volk zu bringen? Also mit den Online-Poeten und Lit-Bloggern, den Netzautoren und den digitalen Literaten? Was passiert mit dem Autor, wenn er ohne Schwimmhilfen ins WWW springt? Die Literaturtheorie faengt gerade an, sich mit der Frage zu beschaeftigen. Die Rechtswissenschaftler schauen sich das antiquierte Urheberrecht an. Die Soziologen analysieren die Dynamiken und Strukturen von Weblogs. Und was machen die Netzautoren, die es schon gibt, obwohl sie noch keiner definiert hat? Klar: Die bloggen und schreiben, posten und dichten, surfen und reimen.

In einer Umfrage zur Online-Autorschaft, laesst die Redaktion der Berliner Gazette verschiedene Netzautoren zu Wort kommen. Sie berichten von den Bedingungen digitaler Autorschaft, den Unterschieden zwischen Papierbuechern und literarischen Weblogs, den Moeglichkeiten und den Nachteilen des Publizierens im Netz. Den Anfang macht am 15.11.08 der Dichter Ken Yamamoto, der seine Gedichte bloggt und auch schon in Buechern veroeffentlicht hat. Wenn Sie Interesse haben, an unserer Umfrage teilzunehmen, schicken Sie bitte eine E-Mail an info[at]berlinergazette.de mit dem Betreff "Umfrage Online-Autorschaft".
  • Multimediales Publizieren im Netz

    Was passiert mit dem Autor, wenn er ins Datenmeer springt? Die Web-Publizistin Christiane Zintzen hat darüber einiges zu erzählen. Sie betreibt das multimediale Blog in|ad|ae|qu|at und kann auf vielfältige Erfahrungen zurückblicken. Der Name ihres Projekts in|ad|ae|qu|at ruehrt aus der ersten, etwa drei Monate waehrenden Beta- Phase des Experiments Weblog her: Am Anfang stand die Suche nach Titel beziehungsweise nach einem Domainnamen, welcher die oesterreichische Laenderkennung “.at” produktiv integriert. Allerdings resultierten aus dem urspruenglichen Umlaut von inadaequ.at derartig verzerrte URL- Darstellungen, dass sie sich fuer die auch rhythmisch geeignetere “ae”- Form entschieden, welche ueberdies ermoeglichte, die Trennstriche (= als symbolisches Äquivalent von Bruchlinien) einzufuegen. weiterlesen »

  • Titelsuchen: “Lange ueber die Ueberschrift nachgedacht und dann diese genommen.”

    Nachdenken ueber eine Ueberschrift oder den Titel weglassen? Der kurze Text ist geschrieben, aber der Beitrag will noch eine Dachzeile, so ist die Regel, die das Eingabeformular vorgibt. (Vor dem Gesetz …). Manchmal fällt der Titel weg, stattdessen: drei Punkte oder ein Gedankenstrich. Auf nachwort.de veröffentlicht der Schriftsteller Nikolai Vogel in wechselnder Frequenz seine Notizen. Ein Blog, ja – allerdings eines, dessen Code er fuer seine Zwecke modifiziert hat und eines, bei dem die Kommentarfunktion deaktiviert ist. (Xsadfkmslllasfsdf…)
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  • Vom Aufmerksamkeitskuchen naschen

    Haben Sie schon Mal ins Internet geschrieben? Haben Sie sich danach besser gefühlt? Der Medienaktivist Stefan Beck hat andere Sorgen. Er betreibt seit den frühen 1990er Jahren das Netzwerk The Thing Frankfurt und bloggt dort über Kunst, neue Medien und Politik. weiterlesen »

  • Der Autorname als URL

    Öffentlich schreiben ist heute so einfach wie eine Briefmarke aufzukleben: Bisschen Spucke, bisschen Feingefühl, Batsch und raus damit. Doch was können wir von einem erfahrenen Blogger lernen? Hartmut Abendschein ist Initiator zahlreicher Netzprojekte und bloggt seit den 1990er Jahren. weiterlesen »

  • Auf die Tube druecken

    Seit 2006 stelle ich meine Poetry ueber Blogs ins Netz. Vorher hatte ich mich jahrelang mit den traditionellen Veroeffentlichungsmoeglichkeiten herumgequaelt, um nach grossen Muehen Arbeiten in Anthologien, Fanzines und auch in einem kleinen Verlag unterzubringen. Nunmehr betrachte ich dieses Medium als meine Form, mit der ich meine Kunst in die Oeffentlichkeit tragen kann. Und wenn ich den Statistiken der Blog-Betreiber einigermassen vertrauen darf, erreiche ich so mehr Leser als je zuvor. Da sind zunaechst eine kleine Schar von Freunden , meine Community, die sofort von jedem Eintrag informiert werden. Aus ihren Kommentaren weiss ich, dass es regelmaessige Leser sind. Es sind nicht viele, aber als experimenteller Lyriker entscheidet nicht die Quantitaet. weiterlesen »

  • Literatur ist wie Sex

    Ich halte es so: Literatur ist Text, der seine Welt enthaelt. Damit komme ich zu keinem Gespraech. Ich brauche zwei weitere Saetze: Literatur ist Ware am Literaturmarkt. Und/oder: Literatur ist eine Sportart. Man kann die Texte, die ihre Welten enthalten, verkaufen, man kann damit zu Wettbewerben antreten. In beiden Faellen vermute ich, dass die Texte dann mehr als nur sich enthalten, auch Absichten, aber das ist hier egal. Wichtiger: Literatur im Gespraech ist Literatur, die erscheint. Eben am Markt oder in der Arena. Die Frage nach der Netzautorschaft zielt auf eine Literatur, die ausserhalb dieser Spielstaetten existiert. Ich denke, es gibt sie in den Gespraechen noch nicht. weiterlesen »

  • Zu viele Gebaeude im Netz

    Ich bin seit etwa acht bis zehn Jahren im Web aktiv, habe einzelne Moeglichkeiten zur Online-Veroeffentlichung, aber auch Portale von Kulturservern wie nrw-literatur-im-netz.de zur Selbstdarstellung genutzt. Seit September 2004 betreibe ich eine eigene Website, crauss.de, die ich selbstaendig und in Heimarbeit aktualisiere. Da ich kaum Programmierkenntnisse habe, bedeutet dies stetige Bastelarbeit. Demzufolge ist die Website zwar einfach strukturiert, andererseits jedoch nicht ueberfrachtet mit Popups und unnoetigem Schnickschnack. weiterlesen »

  • Jazz schreiben

    Einmal waehrend einer Nacht oder am Morgen oder Abend eines Tages stehe ich in meinem Zimmer, ich stehe oder sitze still, schaue auf die Uhr und dann notiere ich, eine Frage zum Beispiel, oder einen Gedanken, eine getraeumte, eine erfundene oder eine erlebte Geschichte. Mal ist das Particle, das ich finde, eine kleinere Einheit, eine Zeile lang oder nur ein Wort, dann wieder von groesserem Umfang, aber hoechstens von doppelter Bildschirmhoehe. Und sobald der Text fertig geworden ist, wird gesendet, ein seltsamer, ein aufregender Moment in jedem Falle, und noch immer kann ich nicht sagen, warum das so ist, warum ich die Sekunde der Publikation so intensiv erlebe. weiterlesen »

  • Ein Imperativ weniger

    Mitte dieses Jahres bin ich aus allen Internetforen, an denen ich mich beteiligt hatte, ausgetreten. Der Wunsch in mir wurde immer groesser, mein Leben nach Jahren der Beschleunigung mal wieder zu entschleunigen. Also habe ich beschlossen, mein Engagement im Netz konsequenter zu minimieren. weiterlesen »

  • Das Blog als Roman

    Ich habe – fuer meine Generation – relativ frueh damit begonnen, mit Verwerfungen zu arbeiten, deren gesellschaftliche Auswirkungen im Siegeszug der Neuen Medien, den ich ueberaus bewusst miterlebt habe, unuebersehbar waren. weiterlesen »