• Einmal „Selbstfindungsphase“ bitte!

    Man sollte ja meinen, Jugendliche bzw. Heranwachsende heutzutage haetten ja ueberhaupt keine Zeit mehr. Uni, Job, Reizueberflutung und was es nicht alles gibt, um den modernen und trendigen Menschen auszulasten.

    Aber wer das denkt, liegt falsch, denn diese Leute, die u. a. mein Umfeld saeumen, haben jede Menge von der viel beschrieenen und sagenumwobenen Zeit, jedenfalls wenn es darum geht, sich mal ab und an selbst zu finden. Die Aussagen der jungen Menschen lassen darauf schliessen, dass sie bereits ihr ganzes Leben gelebt und bisherige Erfahrungen sie hochgradig negativ fuer die Zukunft gepraegt haetten. Vor allem, wenn es um Liebe, oder besser gesagt um gegenseitiges Interesse aneinander geht.

    Immer wieder hoere ich die Worte beziehungsunfaehig, nur was Lockeres oder auch die laessige Version der offenen Beziehung, weil man ja Angst hat, enttaeuscht zu werden, da man da derweil dazugelernt haette. Diese Definitionen, die mir tagtaeglich zu Ohren kommen, lassen ein grosses Fragezeichen ueber meiner Stirn entstehen. Die erste Verliebtheit der (im haeufigsten Falle) zwei Personen gehoert naemlich ebenso zum Alltaeglichen wie die schnelle Flucht, die in die Definitions-, Selbstinterpretations- oder Pseudo-Ausredenfalle ergriffen wird, sobald erste Unsicherheiten auftauchen. Natuerlich kann man beim Entstehen gewisser Verhaeltnisse nicht gleich festlegen, wo sich das hinentwickelt, trotzdem packt mich immer wieder das Entsetzen, wenn so genannte beziehungsunfaehige Menschen vor mir sitzen und gedankenverloren und mit einem seichten Laecheln an die Decke starren.

    Ist doch klar, dass eigentlich alle nur Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung suchen! Warum sich dann selbst in Definitionen zwaengen, um sich selbst zu beschraenken? Das ist jetzt kein Aufruf zur exzessiven Polygamie, sondern vielmehr ein Verdeutlichen der fortschreitenden Selbsttaeuschung. Denn man versucht staendig alt hergebrachte Muster, der Angst vor der Hoelle zweier Kinder, einer festen Ehe entsprungen, im huebsch begruenten Reihenhaus, auszuweichen. Meiner Meinung nach ist das keine Selbstentfaltung, eher ein Entgegensteuern verstaubter Tugenden. Deshalb: weniger Angst! Definitionen auswendig lernen war doch schon frueher bloed und geht raus und findet euch nicht nur selbst, vielleicht auch mal gegenseitig!


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