• Eine abgefahrene Nachtmusik

    Eine halbe Ewigkeit habe ich im unertraeglich grellen Neonlicht des Hausflurs gewartet, dann schlenderte er endlich die Treppe hinab:Anthony. Die Haare abstehend und Drei-Tage-Bart tragend streckte er mir die Hand entgegen. Ueber Gott und die Welt labernd, machten wir uns auf den Weg zur Party.

    Immer entlang am Maybachufer, wo sich die Lichter der Strassenlaternen im Landwehrkanal brachen und es an jeder Ecke anders roch, doch irgendwie immer wieder nach Doener. Am Ziel angekommen schlichen wir uns ueber den Hinterhof, der sich fuer den einen oder anderen Drogendeal eignen wuerde, in das Hinterhaus.

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    Knarrend oeffnete sich die Tuer, die einer alten Schiffsluke glich. Behutsam stiegen wir die Treppen hoch bis in den vierten Stock und vernahmen dabei Stimmen, Schreie, Lacher, laufende Fernseher und laute Reggae-Musik. Die Tuer stand offen und es schlug uns verrauchte Luft entgegen, die so dick war, dass man sie in Scheiben schneiden konnte und damit eine Kleinfamilie satt bekommen haette. Egal. Die Sachen in eine Ecke des Flurs geschmissen, suchten wir uns einen kleinen Platz auf der Couch, in dem viel zu kleinen Zimmer.

    Die Rockmusik war laut und mischt sich immer wieder mit Goa und experimentellem Elektro. Anthony drehte und rauchte eine Kippe nach der anderen. Seine Augen waren irgendwie ein bisschen Rot. Eine schwarze Katze sprang von den Bananenkisten auf die Matratze. Ich hab doch eine Katzenallergie, deswegen faellt mir also das Atmen so schwer, so Anthony. Wieder draussen an der frischen Luft, ging es ihm besser. Wir schlenderten zurueck und liessen uns noch von einem Mitbuerger, ueber das Ergebnis des Abends aufklaeren. Liverpool gegen irgendwen – acht zu null.


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