• Ein Ende

    Ich hab kein Herz fuer Menschen. Zumindest nicht fuer zehn Prozent dieser Daseinsform. Stehen verbloedete Baenkerskinder mit Omas goldenem Tafelbesteck im Arsch an erster Stelle, kommen doch gleich danach Touristen. Nicht gleichmaessig verteilt sich meine Abneigung auf sie, nein, ein bisschen auf Sandalentraeger in Thailand und ein wenig auf uebergewichtige Amtstrullas auf Kamelen.

    Das Uebermass aber goenn ich Kreuzbergerkrawalltouristen, von denen der Bezirk am ersten Mai abscheulich schwitzte und stank. Ein Odeur von Luxuslangeweile. Auf der Strasse feiern war da fuer mich nicht drin. Konsequenz: Man macht seine eigene Party. Doch hirntote Zombies rennen auch durch geschlossene Tueren.

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    Sie schwappten ueber die Mauer des Nachbargrundstuecks, fielen in die Pisswanne zwischen den Dixis, breiteten sich wie ein boeser Schnupfen aus und verstopften Einfahrt und Hof. Was sich als ein gepflegtes Fest haette entwickeln sollen, natuerlich einschliesslich herkoemmlicher Leichen und Abstuerze, uebermutierte unkontrollierbar zum ausschliesslichen Totentanz und Totalabsturz. Vielleicht haben meine Freunde und ich zu viel vom Guten gewollt und damit das Schlechte provoziert. Mag sein, wir sicherten schliesslich Terrassen und Balustraden im Hinterhof mit Gelaendern, versorgten die Leute mit Getraenken an unserer Bar, stellten Toiletten auf und liessen DJ’s Baesse pumpen.

    Leuchtet ein, dass man bei so viel Party-Input schon mal uebermuetig werden kann. Doch trotzdem habe ich fuer diese abgehalfterten Krawallisten kaum Verstaendnis. Traurig waere ich jedenfalls nicht, wenn ich ihre Namen auf der Anwaerterliste fuer den Darwin-Award lesen wuerde, der jaehrlich die bekloppesten Todesarten ohne Fremdeinwirkung ehrt. Wenn es mich auch freut, dass viele Leute den Abend bei uns genossen und genuesslich ins Morgengrauen tanzten, drehten doch unterm Strich zu viele grauenhaft frei. Zurueck mit euch in die Gruft eurer heimischen vier Waende! Das war meine letzte Party zum ersten Mai. (Anm. d. Red.: Der Verfasser des Textes nimmt am CRASHKURS ONLINE-MEDIEN der Berliner Gazette teil.)


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