• Die Schoenheit der Beilaeufigkeit

    Nach mehrmaligem und teilweise wiederholtem Gucken diverser Eric Rohmer-Filme war ich ploetzlich in Paris verliebt. Obwohl ich, wenn es um europaeische Metropolen ging, stets London den Vorrang gegeben hatte, ueberkam mich nun eine Sehnsucht.

    Wonach, blieb unklar. Die Figuren in La femme de l’aviateur (1981) laufen durch diverse Pariser Stadtviertel und den Parc des Buttes-Chaumont, eine gewaltige Naturlandschaft mit Berg und Wasserfaellen, die zwischen 1864 und 1867 entstand. Alles aus Beton. Im Film fuehrt eine Zufallsbegegnung zwei junge Leute ins parknahe Restaurant Cockers in der rue Cavendish, von dem aus sie einen Hauseingang beobachten.

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    Das wollte ich auch. Gleichzeitig wollte ich meine Dankbarkeit Rohmer gegenueber bezeugen; seinem leichtfuessigen Kino, das ad hoc durch eine Stadt faehrt und sich dabei dennoch ein hohes Mass an Kuenstlichkeit bewahrt; dafuer, dass sein Kino Einfluss auf mein Leben genommen hat, ohne dass dieser elementar waere oder meine kuenstlerische Arbeit betraefe. Aber wenn in diesem naturalistischen Kino, die Bilderwelt mit der Realitaet identisch ist, dann fuegt sich die Kunst in das Leben ein. Die Kunst ist in diesem Fall die Handlung, das zeitliche Konstrukt und die gewissenhaft gestalteten Innenraeume.

    Das Leben ist dagegen der an den Schauplaetzen mit aufgenommene Alltag. Fuer mich die Schoenheit der Beilaeufigkeit. Ein Kunstwerk online ist in einer vergleichbaren Position. Anders als im hermetischen Ausstellungsraum kann sich das Kunstwerk online nicht zurueckziehen. Es bettet sich in den Alltag als eine binnen Sekunden beliebig ersetzbare Kunst im oeffentlichen Raum. Seine Immaterialitaet beguenstigt seinen fluechtigen Eindruck, der aber durch die territoriale Domaene widerlegt wird. Eine fragile Kunst, die sich jederzeit in den Vordergrund draengeln und zurueckziehen kann.


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