• Der große Durst

    Mit meiner Kameraausrüstung und einer handvoll Plastiktannen begab ich mich ins Owens Valley. Ich war der Wasserversorgung der Wüstenstadt Los Angeles auf der Spur und interessierte mich insbesondere für das Los Angeles Aquädukt, das sich 240 Meilen nördlich von Los Angeles entlang der östlichen Sierra Nevada erstreckt. Ich drapierte diese riesige Pipeline mit Tannengrün, als Verweis auf die frühere Fruchtbarkeit dieser Gegend. Langsam nahm meine zehnteilige Fotoserie The Great Thirst (Der große Durst) Gestalt an.

    Der Bau des Los Angeles Aquädukts, das nach den Plänen von William Mulholland im Jahre 1907 begonnen wurde, galt zu seiner Zeit als brilliante Ingenieursleistung, die mit Tunnelbohrungen und der Verlegung von Eisenbahnstrecken, Straßen, Telefon- und elektrischen Leitungen einherging. Sechs Jahre später war dieses erste Aquädukt fertig gestellt und wurde 1940 zum 105 Meilen entfernten Mono Lake verlängert. Sowohl zwei Wasserkraftwerke und ein Zementwerk entstanden als auch zwei Dämme und das größte Wasserreservoir von Los Angeles, der Lake Crowley.

    Fataler Eingriff

    Auf meine Serie „The Great Thirst“ folgten bei meinem Aufenthalt 2006/07 in Santa Monica Fotografien von Müllhalden und Abbaugebieten. Mich interessiert an diesen Landschaften der organisierte Eingriff des Menschen in die Natur – diese Gewaltakte, in denen wir versuchen, uns die Natur untertan zu machen. Stehe ich oberhalb der Bingham-Kupfermine und starre in dieses riesige Abbauloch mit seiner hoch technisierten Infrastruktur, kommt mir das vor wie ein sich selbst ad absurdum führendes Theaterstück.

    Die computergesteuerten haushohen Bagger fahren tösend die wie in einer Arena stufenweise angeordneten Rampen entlang. Tag und Nacht wird hier das ganze Jahr über abgebaut. Das Stück ist erst zu Ende, wenn es kein Vorkommen mehr gibt. Oft werden die Gruben mit Müll zugeschüttet. Dieses ökologische Desaster ist schrecklich anzusehen und zugleich exemplarisch zu verstehen für menschliches Fehlverhalten weltweit.

    Alles ist vertrocknet

    Ähnlich schlecht steht es mit dem Owens Valley. Zwar behob das Los Angeles Aquädukt temporär die Wasserprobleme der Stadt, verursachte jedoch anhaltende ökologische Probleme: Die Landwirtschaft konnte nicht weitergeführt werden und der Owenslake trocknete aus.

    Dass nicht wir die Natur in der Hand haben, sondern ganz im Gegenteil die Natur über uns herrscht, lehrt uns aktuell der Vulkanausbruch in Island. Die Lernprozesse im nachhaltigen Umgang mit der Natur müssen voran getrieben werden und ich möchte mit meinen Bildern einen Beitrag dazu leisten. Und was den verbuddelten Müll betrifft: Vielleicht werden wir ihn in Zeiten des Mangels noch gut gebrauchen können.


5 Kommentare zu Der große Durst

  • Silvia am 13.05.2010 09:56
    Beneidenswert! Solche Expeditionen machen zu können! Wenn dabei auch noch so tolle künstlerische Arbeiten entstehen!
  • Interessante Arbeit. Ich habe neulich den Film The Road gesehen. Da wird auch deutlich gezeigt, wie wichtig der Müll für uns einmal werden könnte.
  • Salvy Ungemach am 13.05.2010 12:03
    Und wo wir bei Filmen sind: In "Chinatown" geht es ja wirklich ganz genau um dieses Wasserresrvoir, vertrocknete Felder, alles.
  • Haben denn tatsächlich Filme diese Arbeit in irgendeiner Weise inspiriert?
  • Danke für die Kommentare und Nachfragen. Natürlich schaue ich mir für meine Recherche Hollywood Filmproduktionen an und ich halte den Film Chinatown für grandios. Er ist zwar historisch nicht richtig, gibt aber beeindruckend die Stimmung beim Kampf um das Wasser in Kalifornien wieder.

    Den Film The Road kenne ich noch nicht - danke für den Tip. Zu einem meiner Lieblingsfilme im Zusammenhang mit apokalyptischen Visionen gehört der Klassiker Blade Runner von Ridley Scott. Und natürlich Matrix von den Wachowski-Brüdern.

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