• Der faule Dunst

    Es gab Momente im Jahr 2007, an die ich mich besser erinnern kann, als mir und meinen Sinnen lieb ist. Einer davon ergab sich im September in der U2 zwischen Potsdamer Platz und Mohrenstrasse. Ich stand eingezwaengt, umringt von Feier- abendlern, die empfindlich in meinen natuerlichen Sicherheits- abstand eindrangen und ich in ihren. Bei jedem Ruckeln stiess meine Nase an den Ruecken meines Stehnachbarns und zu al- lem Ueberfluss liess einer der zugestiegenen Anzugtraeger im unentrinnbaren Beisammensein einen fahren, aber so richtig.

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    Da ich vor Entsetzen saemtliche Luft aus meinen Backen blies, blieb mir kein Sauerstoff, um die Luftzufuhr vorruebergehend einzustellen und daher half nur noch die Schnellflachatmung bei leicht geoeffnetem Mund. So verharrend trug mich meine Nase dejavuehaft zurueck in die dichte Menschenmenge vor der Bar eines Clubs in Glasgow, wo ich Anfang des Jahres mit einer Freundin ein Bier bestellen wollte. Haben die hier Probleme mit den Rohren? fragte ich, die letzte Kloakenwolke auf der Tanzflaeche im gruenen Salon noch lebhaft in Erinnerung. Nee, einer hat geblaeht.

    Nein, die Schotten sind nicht einfach hinterhaeltige Furzkeulen, die die Gunst der Thekentraube nutzen, um ungeschoren davonzukommen. Nein, seit Maerz 2006 gilt in Schottland allgemeines Rauchverbot in oeffentlichen Gebaeuden und so erhielt ich an diesem Abend Einblick in den vielleicht einzig positiven Nebeneffekt des Zigarettenrauchs. Mir konnte einfach nichts entgehen. Leichter Chickencurryschweiss, heimlicher Zwiebelruelpser, stiller Erbsenfurz. Da half auch die Nebelmaschine nichts mehr.

    Darueber hinaus musste ich zum Rauchen auch noch raus in den Nieselregen, wurde ohne meine abgegebene Jacke im Hinterhof zu einem abgesperrten Areal gebeten, wo ich eingezaeunt wie eine Kuh auf der Weide neben anderen Erniedrigten meine Fluppe rauchen durfte. Zurueck in England, wo ich den Grossteil des Jahres verbrachte, wurde ich aus beissendem Geldmangel unverhofft zum Nichtraucher, entdeckte dadurch eine ueberraschende Lebensqualitaet und wuenschte mir immer sehnsuechtiger Hinterhofkuhweiden fuer Raucher herbei. Als England am 1. Juli 2007 mit den Schotten gleichzog, hatte ich die pikanten Nebeneffekte bereits wieder verdraengt.

    Statt Freilufteinzaeunung gab es zudem von der Tabaklobby gesponsorte Raucherecken mit Regenschutz, Waermepilzen und – das Schmerzlichste fuer Singles – der hervorragenden Moeglichkeit zum ungezwungenen Kennenlernen, waehrend ich am verlassenen Tisch Bierdeckel zerfledderte. In Berlin beginnt das neue Jahr nun auch mit einem Rauchverbot, das Bars und Clubs einschliesst, Verstoesse jedoch erst ab Juli 2008 bestraft. Vielleicht erwirkt diese Schonfrist ja eine sanftere Umgewoehnung vom blauen Dunst zu faulen Ausduenstungen.

    Meine Top of the Pops 07

    meistgespielte Lieder

    1. Blue Monday – New Order (1983)
    2. Love is the drug – Roxy Music (1975)
    3. Where do I begin – The Chemical Brothers (1997)
    4. Waterfall – The Stone Roses (1992)
    5. Killer – Adamski (instrumental, live, 1989)

    persoenliche Nervlieder 07

    1. Umbrella – Rihanna
    2. Chelsea Dagger – The Fratellis
    3. Big girls don’t cry – Fergie
    4. Lovestoned – Justin Timberlake
    5. Foundations – Kate Nash

    Ausfluege in England

    1. Blackpool
    2. Rochdale
    3. Lake District
    4. Camden/London
    5. Castlefield/Manchester

    Ausstellungen in Manchester

    1. Ian Berry: In the North (@ The Lowry)
    2. Hacienda 25, the exhibition: fac 491 (@ The Urbis)
    3. Do not refreeze. Photography behind the Berlin Wall (@ The Cornerhouse)
    4. Steve McQueen: Queen and Country (@ Central Library, im Rahmen des Manchester International Festival)
    5. Being Here (@ Manchester Art Gallery)

    Arztpraxenwartezimmerschockmomente aufgrund von Gala-Lektuere

    1. Britney’s Comebackversuch bei den MTV Video Music Awards
    2. Die zeitweilige Trennung von Prince William und Kate Middleton
    3. Guelcans Hochzeit
    4. Barbara ist Germany’s next topmodel
    5. Keine Gala, da von Patientin gegenueber gelesen

    Youtube-Schockmomente durch Videos von ausgewaehlten Trashperlen der 80er Jahre

    1. Sabrina Salerno: Boys
    2. Sandra: Hi, Hi, Hi
    3. Modern Talking: Geronimo’s Cadillac
    4. Samantha Fox: Touch me
    5. Clowns und Helden: Ich liebe dich


1 Kommentar zu Der faule Dunst

  • sebastian am 29.12.2007 11:16
    .. vielen DANK! Durch deinen Link zu utube hab ich jetzt die letzten 45 Minuten damit verbracht, Modern-Talking-Videos zu sehen!!! Na tolle Wurst.

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