Pluriverse of Peace · Wie können wir Friedens- und Umweltkämpfe verbinden? · BG Konferenz 2025 · Videos, Projekte, Audios und mehr

Wie sollen wir mit der Zunahme bewaffneter Aggressionen und den immer gravierenderen, katastrophalen Folgen der Klimakrise umgehen? Wie können wir diese Probleme auf struktureller Ebene und über nationale Grenzen hinweg angehen? Wie kann eine emanzipatorische Politik die Kämpfe der Verarmten, Entrechteten und Ausgebeuteten in den Mittelpunkt stellen, also jener Personen, die in der Regel am stärksten von Militarismus und Umweltkatastrophen betroffen sind, von Friedens- und Klimabewegungen jedoch oft vernachlässigt werden?
Auf der BG-Konferenz „Pluriverse of Peace“ haben Forscher*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen aus mehr als 25 Ländern nach Antworten gesucht.
Tauchen Sie in die Dokumentation ein: Audios, Videos, Fotos und Workshop-Projekte. Oder scrollen Sie weiter, um zu den Aufzeichnungen der Programmpunkte zu gelangen.
Konzeptnotiz
Emanzipatorische Bewegungen in Europa und darüber hinaus haben entweder an Schwung verloren oder sehen sich beispielloser Repression gegenüber. Unterdessen haben die Eliten ihre weißen Handschuhe ausgezogen und streben auf immer barbarischere Weise nach Profit, Macht und Prestige. Angesichts dieser Situation, in der kurzfristige Fortschritte unerreichbarer denn je scheinen, ist es an der Zeit, die Ursachen unserer schwierigen Lage und die Grundlagen für eine radikal bessere Welt für alle zu erforschen. Zu diesem Zweck fokussiert die BG-Konferenz „Pluriverse of Peace“ die (Un-)Möglichkeiten von Friedens- und Umweltpolitik.
Die „endlose Anhäufung von Kapital“ (Wallerstein) durch marktorientierte Massenproduktion, Finanzialisierung etc. hat die Ressourcen erschöpft und den Planeten verschmutzt. Dadurch sind Ökosysteme anfälliger und instabiler geworden, was wiederum Auswirkungen auf Märkte hat. Der Wettbewerb um Ressourcen und die Kontrolle über Lieferketten führt zu territorialen Konflikten. Krieg ist zu einem immer häufiger eingesetzten Mittel zur Verteidigung der ‚Volkswirtschaften‘ geworden. Gleichzeitig verursacht der ressourcenintensive Ausbau des globalen Kriegsregimes einen katastrophalen ökologischen Fußabdruck, der den Zusammenbruch der Ökosysteme noch beschleunigt. Nebenbei entstehen verschiedene Formen der Umweltkriegsführung. Dabei werden extreme Wetterbedingungen, Umweltverschmutzung oder Terraforming als Waffen eingesetzt.
Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, müssen wir tiefgreifende Fragen zu der Polykrise stellen und Strategien sowie Allianzen überdenken, um den geteilten Wunsch nach Befreiung und einem gerechten Übergang (just transition) zu artikulieren. Die Konferenz befasst sich mit der strukturellen Dimension dieser Problemlage und thematisiert die Klasseninteressen hinter dem Wiederaufleben des Militarismus sowie die zunehmend reaktionären Reaktionen auf die Klimakrise. Für alle, die sich vor der Konferenz mit dem Thema auseinandersetzen möchten, bietet die seit Anfang 2025 auf BG | berlinergazette.de veröffentlichte Textserie „Pluriverse of Peace“ verschiedene Perspektiven und erste Denkanstöße.
Keynotes · Svitlana Matviyenko, Sandro Mezzadra, Shuree Sarantuya, Enikő Vincze und mehr

Keynotes
Donnerstag, 16. Oktober 2025, 14 bis 20 Uhr
Ort: ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry, Christinenstraße 18-19, Haus 8, 10119 Berlin
Sprache: Englisch
14:00 Uhr: Begrüßungsrede · Claudia Peppel (ICI Berlin)
14:05 Uhr: Einleitung · Magdalena Taube + Krystian Woznicki (BG | berlinergazette.de) · Audio · Video
14:15 Uhr: Performance Lecture · Eco-Wars on Nomads: The Making of ‘Hostile Environments’ in Mongolia · Shuree Sarantuya (Medienkünstlerin, Aktivistin und Forscherin, Ulaanbaatar/Köln) · Audio · Video
14:45 Uhr: Talk · Elemental Warfare: How Russia Weaponizes Environmental Destruction in Ukraine · Svitlana Matviyenko (Medientheoretikerin und Aktivistin, Simon Fraser University, Vancouver) · Audio · Video
15:15 Uhr: Wrapping up
15:30 Uhr: Kaffeepause
16 Uhr: Talk · What Are War and the Environmental Crisis to Capitalism? · Debora Darabi (Physikerin und politische Bildnerin, Charité-University Hospital Berlin) · Audio · Video
16:30 Uhr: Talk · ‘ReArmEurope’: Saving Capitalism, Abandoning Life · Enikő Vincze (Sozialtheoretikerin und Aktivistin, Babeș-Bolyai University, Cluj-Napoca) · Audio · Video
17 Uhr: Wrapping up
17:15 Uhr: Kaffeepause
17:45 Uhr: Talk · Beyond Collaps: Rethinking Emancipatory Politics in the Age of Global War and Climate Crisis · Raúl Sánchez Cedillo (Philosoph und Aktivist, Fundación de los Comunes/Universidad Nómada, Madrid) · Audio · Video
18:15 Uhr: Talk · Proliferating Transitions: New Beginnings At the End of the World As We Know It · Sandro Mezzadra (politischer Theoretiker, Università di Bologna) · Audio · Video
18:45 Uhr: Wrapping up
19 Uhr: Empfang
Multimedia Intervention · eeefff

Conditions of War, Fairytale About Love, fixDisputedCities, Total Metrics, Factory of the Map, Minimum Wage May Be Denied
Multimedia Intervention: eeefff · Audio · Video
Freitag, 17. October · 19 Uhr
Ort: ZK/U, Siemensstraße 27, 10551 Berlin
Mit dieser Intervention untersuchte das Künstler*innen-Kollektiv eeefff, wie Krieg, ökologischer Kollaps und koloniale Infrastrukturen durch unsichtbar gemachte Systeme in das tägliche Leben eindringen.
Cyberkrieg, digitale Kartierung, algorithmische Assistent*innen und codierte Anweisungen verändern leise und unbemerkt die Realität und verankern Militarisierung in Haushalten, Körpern und Vorstellungswelten. Extraktivistische Märchen, Produktivitätsregime und sogar versteckte Kommentare im Code zeigen, wie Gewalt auf infrastruktureller Ebene normalisiert und stabilisiert wird.
Bewegte Bilder, die auf kürzlich durchgesickerten Yandex-Codes basieren, gewähren einen Einblick in die extraktivistische Maschinerie von Geografien und Intimitäten und verfolgen die Ausweitung von Russlands Kolonialismus durch algorithmische Systeme und technologische Plattformen. Ton, Projektion und verkörperte Aktion zeigen, wie digitale Architekturen die Logik der Kontrolle, territorialen Dominanz und Ressourcenausbeutung reproduzieren und einen digitalen Faschismus schaffen, der imperiale Gewalt mit technologischer Standardisierung verbindet.
Planeta Lounge · Pepe Dayaw

Make Love, Not War
Planeta Lounge: Pepe Dayaw · Audio
Samstag, 18. Oktober · 19 Uhr
Ort: ZK/U, Siemensstraße 27, 10551 Berlin
Betreten Sie den inneren Raum, in dem Menschen ihre Gefühle erforschen und reflektieren können. Die Kriege und Umweltkrisen, die außerhalb unserer Mauern stattfinden, spielen sich auch in unserem Inneren ab und manifestieren sich in Form von Trauer, Angst und Furcht. Diese Emotionen führen oft zu Isolation und einem Gefühl der Entfremdung.
Pepe Dayaw hat ein Ambient-Live-Set aufgeführt und die Teilnehmer*innen dazu einladen, sich auszuruhen und über ihre Verbindung zum menschlichen und mehr-als-menschlichen Leben auf diesem Planeten nachzudenken. Dabei wurden verschiedene Musikstile, gesprochene Worte sowie Live- und aufgezeichnete Klänge miteinander vermischt, darunter lokale Klänge, exotische Geräusche und nomadische Reisen. Hier können wir für einen kurzen Moment zuhören und uns in den Räumen zwischen uns bewegen.
Workshops · Max Haiven, Iskra Krstić, Inga Lindarenka, Monisha Martins, Marta Peirano und mehr

24 Stunden Hackathon
Im Rahmen der „Pluriverse of Peace“-Konferenz wurden fünf Workshops mit einem jeweils 24-stündigen Programm angeboten: “General Will: Designing a campaign based on data from the Peoples Climate Vote”, “Defunding Life? Mapping anti-austerity struggles in relation to environmental and anti-war movements”, “Endless War on Earth? Developing a multi-level strategy toolkit for short, medium and long-term action”, “Mining is War: Mapping movements in the Balkans against extractivism as warfare”, “World Game: Designing a game for (potential) activists to explore commonalities and bridge differences”.
Bei diesen Workshops kamen Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Kulturschaffende aus über 25 Ländern zusammen, um die Gemeinsamkeiten zwischen Klimagerechtigkeits- und Friedensbewegungen zu erkunden. Schauen Sie sich jetzt die „Pluriverse of Peace“-Workshop-Projekte an.
Organizer · Funders · Partners
Die „Pluriverse of Peace“- Konferenz wurde von BG | berlinergazette.de organisiert und von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert.
Die Konferenz fand in Zusammenarbeit mit ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry, Satellit und ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik statt. Zu den Outreach-Partner*innen gehörten: Ambasada, Dietz Berlin, Harun Farocki Institut, Hopscotch Reading Room, Kuda.org, Supermarkt, UnAuf und Undisciplined Environments.
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