Planetar denken
Musste erst die Klimakatastrophe eintreten, damit die Menschen im Globalen Norden ein planetares Bewusstsein entwickeln? Vielleicht. ‚Wir‘ sollten jedoch nicht dem Irrtum verfallen, dies sei ‚unsere‘ eigene Erfindung. ‚Wir‘ haben zwar immer behauptet, die Vorreiter*innen der Zivilisation zu sein, und haben von allen erwartet, dass sie ‚unserem‘ Beispiel folgen. Doch jetzt müssen ‚wir‘ anerkennen, dass viele, die wir als ‚unterentwickelt‘ bezeichnet haben, ein planetares Bewusstsein bereits lange vor ‚uns‘ hatten – beispielsweise jene an den Rändern der westlichen Moderne, deren Kosmologien nicht auf der Herrschaft über die Natur beruhen. Was können ‚wir‘ heute von ihnen lernen? Welche Rolle spielen die Künste in diesem Zusammenhang? Wie könnte ein reflektierter und vor allem dekolonialer Umgang mit Technologien aussehen, die ein solches Bewusstsein ermöglichen? Wie können diese Erkenntnisse letztlich in ein planetares Denken einfließen, das als Nukleus und Ausdruck politischer Subjekte einer besseren Zukunft dienen könnte?