• Mit links abwickeln? Zukunftspotenzial des Streits um die Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz

    Am 9. Oktober tagte der Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten des Berliner Parlaments. Der öffentliche Protest gegen die stillschweigende Umwidmung der Volksbühne wurde ignoriert. Entsprechend konnten die umstrittenen Passagen im Haushaltsplan ohne Änderungsantrag die 2. Lesung passieren. Der Debattenbeitrag von Evelyn Annuß, einer der Initiator_innen der Petition „Zukunft der Volksbühne neu verhandeln“, nimmt die Kulturausschusssitzung vor dem Hintergrund der zuvor stattgefundenen polizeilichen Räumung der Volksbühnenfoyers zum Anlass für eine Bestandsaufnahme.

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    „Klein werden. Raus aus dem Totalzusammenhang. Kommt zusammen!“, lautete der erste Facebook-Post der neuen, von Chris Dercon geleiteten Berliner Volksbühne. Inzwischen hat sie sich hinter Absperrgittern verschanzt. Die fehlende künstlerische Setzung, die etwa Diedrich Diederichsen angesichts eines „hohlen“ Programms moniert, wird durch eine politische ausgeglichen: Die neue Volksbühne soll ein nach außen abgeschlossener Kunstbunker werden – notfalls mit Polizeigewalt.

    Jenes Haus, das nicht nur von den wichtigsten Regisseuren des Gegenwartstheaters – von Pollesch über Marthaler, Fritsch bis Castorf – bespielt und dank der künstlerischen Arbeit Bert Neumanns über die Bühnengestaltung hinaus permanent den Umgang mit dem Raum selbst thematisiert hat, war immer auch mit Großveranstaltungen wie Loving the Alien oder Schlingensiefs als „soziale Plastiken“ konzipierten Aktionen offen für alle möglichen Akteure und Interessen. Die Volksbühne stand also seit 1992 für zweierlei: für eine spezifische, ebenso widerborstige wie formbewusste Schauspielästhetik und für ein offenes Haus.

    Genau weil sie den Doppelcharakter des Theaters, Kunst- und sozialer Raum zu sein, in dieser Weise ernst nahm, konnte die Volksbühne enorme Bindungskräfte über das bildungsbürgerliche Publikum hinaus entwickeln. Auch daraus erklären sich die anhaltenden Auseinandersetzungen und die erstaunlichen Protestallianzen, die von gentrifizierungskritischen Mietrebellen über Kunstkollektive bis zu namhaften Intellektuellen reichen. Man könnte meinen, es handle sich um die Wunschklientel linker Kulturpolitik; immerhin ist es ihr Wahlvolk.

    Unter Verschluss

    Bei der 2. Lesung des Haushaltsplans wurde dieses im Ausschuss für kulturelle Angelegenheiten jedoch schlicht übergangen und nachträglich durchgewunken, was vor zwei Jahren ohne Beratung durch Experten hinter verschlossenen Türen entschieden worden ist: die Volksbühne einem Kurator aus der bildenden zu Kunst übergeben, der noch nie in einem Theater gearbeitet hat. Dessen vom Regierenden Bürgermeister Müller unterzeichneter Vertrag ist bis heute unter Verschluss. Man hätte die damalige Entscheidung in der heutigen Sitzung überdenken können.

    Denn die Volksbühne wird derzeit ohne Not in einen Betrieb umgewandelt, der ohne Schauspielensemble und Repertoire auskommt und stattdessen jene von der Produktion vor Ort abgelösten Künstlerinnen und Künstler präsentieren soll, die in Berlin vieler Orts ohnehin schon gezeigt werden. Welche Folgen das für das Haus haben wird, wurde gerade von Chris Dercon in einem belgischen Interview auf den Punkt gebracht: Die festen Personalkosten seien viel zu hoch. Denn dafür fehlen angesichts eines enorm kostspieligen Gastspielbetriebs die Mittel.

    Auch die Nichtbespielung der Volksbühne bis November und die weiterhin erwartbaren Löcher im Spielplan erklären sich aus dieser öffentlich nicht moderierten Umwandlung. Ebenso wie die im aktuellen Wirtschaftsplan vorgesehene Abschaffung aller Regie- und Dramaturgiestellen, die Halbierung des Ensembles, die Verdopplung der Stellen für Programmdisposition und Marketing und die Schaffung von acht Kuratorenstellen. Das zu einem wesentlichen Teil aus Gastspielen, Konzerten oder digitalen Aufführungen, also Videos, bestehende Programm widerspricht den Zusicherungen des Berliner Senats ebenso wie den bisherigen öffentlichen Erklärungen der Theaterleitung.

    Eine im Netz veröffentlichte Spielplan-Recherche von Raban Witt zeigt jedoch, dass die Begriffe Ensemble, Repertoire, Premiere und Uraufführung schlicht neu definiert wurden – so dass jetzt auch die Freischaltung einer App als Premiere 2.0 bezeichnet werden kann. Die Kulturverwaltung und der Kulturausschuss wissen darum. Geändert hat es nichts.

    40.000 Unterzeichnende

    Über Politikverdrossenheit bräuchten sich die in Berlin regierenden Parteien schon lange nicht mehr zu wundern. Indes haben die gefühlt endlosen Auseinandersetzungen gezeigt, dass viele einer zunehmend von der Stadtgesellschaft entkoppelten Politik ein anderes Demokratieverständnis entgegensetzen. Über 40.000 Unterzeichnende haben in den vergangenen drei Monaten eine Petition unterstützt, die den Berliner Senat zur Neuverhandlung der Volksbühnenintendanz aufruft.

    Bei der Übergabe des Zwischenstandes an den Kultursenator und den parlamentarischen Kulturausschuss wurde gefordert, dass die Politik sich endlich sachgerecht und ergebnisoffen von Leuten beraten lassen möge, die wissen, wie ein Ensemble- und Repertoirebetrieb funktioniert. Passiert ist nichts. Stattdessen hat sich ein fatales Zusammenspiel aus Politik und Teilen der Presse ergeben.

    Um die anhaltende Kritik zu diskreditieren, wurde insbesondere von den Medienpartnern der neuen Volksbühne das Gespenst entfesselter Wutbürger und Castorf-Groupies beschworen. Dadurch entstand schließlich ein Vakuum, das die Besetzung der Foyers und die Inszenierung einer kollektiven Intendanz durch Aktivistinnen und Aktivisten hervorgerufen hat.

    Kriseninterventionistische Inszenierung

    Die artivistische Alternativbespielung eines ansonsten über Monate unbespielten Hauses übersetzte die Frage, wem die Volksbühne gehört, ins Performative. Als Kindertheater geschmäht, schloss diese Occupy-Volksbühne-Performance den Protest gegen neoliberale Kultur- und Stadtentwicklungen kurz. Was die Aktion hierbei zitierte, waren nicht nur Schlingensiefs soziale Plastiken, die alle vor Ort einbeziehen, sondern auch die gegenwärtigen, vor allem in den Sozialwissenschaften geführten Auseinandersetzungen um „Konvivalismus“, also neue Künste des Zusammenlebens.

    Ein in diesem Kontext breit rezipiertes Manifest, an dem u. a. Alain Caillé und Chantal Mouffe beteiligt sind, lieferte die Stichworte für die kriseninterventionistische Inszenierung einer neuen Intendanz. Diese allerdings entpuppte sich obendrein als Krisenexperiment hinsichtlich der marktgerechten Verwertung konvivalistischer Rhetoriken im Kunstbetrieb: Mit dem eingangs zitierten Slogan vom Zusammenkommen, der in diesem Kontext steht, sollte die Abwicklung der bisherigen Volksbühne legitimiert werden. Die ebenso unnötig wie übereilig geräumte Foyerbespielung hingegen, die den Probenbetrieb ohnehin nicht störte, hat in Szene gesetzt, welcher Strukturen diese Rhetorik bedürfte, wenn man sie ernst nähme.

    Mit der polizeilichen Räumung wurde ebenso autoritär wie unpolitisch, weil schlicht auf die Polizei setzend, ganze drei Tage nach der Bundestagswahl den Forderungen der Berliner AfD praktisch gefolgt. Das absurde Räumungsvideo, in dem die amtliche der kollektiven Intendanz gegenüber die Drohung mit der Polizei als guten Deal bezeichnet, wurde inzwischen von fast 20.000 im Netz angeklickt. In der internationalen Kunstwelt hat das Bild von Chris Dercon im Kreis seiner uniformierten Dramaturgen bereits für einige Unruhe und öffentliche Distanzierungen gesorgt.

    Vom Berliner b_books Kollektiv wurden die an der neuen Volksbühne beteiligten Künstlerinnen und Künstler gebeten, Stellung zu beziehen, anstatt wie bislang – peinlich berührt vom Agieren ihrer Intendanz – stillschweigend die eigenen Produktionen zu verschieben.

    Das beschworene Zusammenkommen

    Die Politik blieb auch davon unbeeindruckt, wie die Sitzung des Kulturausschusses zeigt. Doch das viel gescholtene Kapern der Volksbühnenfoyers hat einen Möglichkeitsraum eröffnet, in dem das von Kunstschaffenden und Politikern beschworene Zusammenkommen in die Tat umgesetzt wurde.

    Es ist ein Möglichkeitsraum, der uns auch nach der Räumung dazu aufruft, trotz alledem weiter darüber zu streiten, was eine ‚gute stehende Volksbühne’ sein könnte, in was für einer Stadt wir leben wollen und wie sich ein produktives politisches Klima offener, sachbezogener Auseinandersetzungen herstellen ließe.

    So haben die Okkupation durch die „Operation Staub zu Glitzer“ und Chris Dercons Polizeipremiere auch verdeutlicht, was Kultursenator und -ausschuss mit ihrem Nichthandeln stillschweigend übergehen: dass es längst um mehr als die Frage der Castorf-Nachfolge geht, um mehr als einen neuen Platzhirschen, der das alte Intendantenmodell durch ein nicht minder patriarchales, für Sponsoren angeblich attraktiveres Kuratorenmodell ersetzen soll. Genau in der Auseinandersetzung darüber bestünde die Chance für eine andere Kulturpolitik.

    Anm. d. Red.: Lesen Sie weitere Texte zum Thema in unserem Dossier Wem gehört die Bühne des Volkes? Die Fotos stammen von Krystian Woznicki. Sie wurden im Rahmen der künstlerischen Aneignung der Volksbühne durch PerformerInnen und AktivistInnen in der letzten Septemberwoche 2017 aufgenommen und stehen unter CC-Lizenz.


5 Kommentare zu Mit links abwickeln? Zukunftspotenzial des Streits um die Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz

  • marie am 11.10.2017 08:39
    "wir" müssen uns klar sein, dass es keine schnelle "lösung" gibt.
    und auch, dass es eine sehr lange kleinarbeit sein wird, die wohl viele zermürbt.
    aber auch, dass JEDER beitrag aus allen unterschiedlichen bereichen wichtig ist und jeder dort sein bestes geben kann, wenn er sich dabei lustvoll und spielerisch-ernsthaft frei entfalten kann.
    letztendlich iat alles ein spiel -DAS spiel des lebens und dies kann nur glücklich und sinnvoll stattfinden, wenn es aus tiefem eigenen antrieb und freudig und voller lust und konzentration möglich ist. NUR DAS ist "unsere" wirkliche stärke gegen die bürokratische verbissenheit, die letztendlich mit polizeigewalt im sinne der bürokraten geregelt werden kann und wird, wenn wir nicht auch deren herzen und deren symphathie erreichen - keinen menschen für ein glückliches leben verloren geben, ohne unseres zu zerreißen.

    die freude und zuversicht muß von "uns" ausgehen - sichtbar und fühlbar - ein manifest der lebensfreude, der bildung und respektvoller toleranz = da gibt es unendlich viel zu tun ... zu erleben ... auszuprobieren ...


    doch solange dies - selbst mit der tiefsten überzeugung von wirklicher sozialer gerechtigkeit - ohne unser lachen, verzeihen, verstehen, gegenseitigen mut machen, traurigkeit, stiller nachdenklichkeit und grenzerweiterndes einbringen nicht als der einzige weg (DER WEG IST DAS ZIEL) - den alle gern mitgehen wollen (und nicht wütend, ängstlich, über-oder unterfordert, besserwisserisch und nur dem eigenen ego verpflichtet ...)gestaltet wird ... führt er in die irre - in eine sackgasse. eigentlich könnte es eine gute zeit sein, sich auf den weg zu machen und sich mit gleichgesinnten zu verbinden, denn ÜBERALL auf der welt sind menschen unterwegs und kommen wegen fehlender freude wieder davon ab ... naja, die kaltherzigen brauchen viel länger zum warm werden, dafür muß man sie nicht verkloppen und beschimpfen, denn die sind schon genug bestraft - aber vielleicht auch nur in schlechter gesellschaft so verkommen ... und wenn "wir" nicht die schöne anbieten, dann geht es ewig so weiter mit den häßlichkeiten ...
  • Kommentar zur Besetzung der Volksbühne (22. September – 29. September 2017) und ihrem würdelosen Ende.

    Am 30. September 2017 wurden die Kommunikationskanäle der Volksbühnen-BesetzerInnen von VB 61-12 (Staub zu Glitzer) kurzzeitig gehackt und auf deren Twitter und Facebook-Accounts unten stehender Text veröffentlicht.

    Wenn der Vorhang fällt

    1. Akt: Kontrollverlust
    Vorweg: Dies ist keine Inszenierung! Seit einigen Tagen gab es massive Meinungsverschiedenheiten über den Inhalt und die Form der Besetzung der Volksbühne. Ein Teil des Kollektivs hat sich nun entschieden, die Bühne vorerst zu verlassen. Wir haben die vollständige Kontrolle über alle Kommunikationskanäle übernommen. Maßregelungen durch die Moralapostel der Schule für angewandte Demokratie scheren uns nicht.

    2. Akt: Der Pöbel im Theater
    Es war eine schöne Idee, den besonderen Ort der Volksbühne mitten in der Stadt zu wählen und die aktuelle Situation mit dem umstrittenen Intendantenwechsel auszunutzen. Eine Störung hervorzurufen und dem tristen Alltag dieser Stadt etwas entgegenzusetzen, das hat uns bewegt und überzeugt, das Theater mitzubesetzen. Sechs Tage dauerte die theatrale Denkpause, womit sie neben den Refugees der Gerhard-Hauptmann-Schule, den widerspenstigen Rentner_innen aus dem Prenzlauer Berg und den Yorckstraßen-Geräumten des Bethanien zu den wenigen Besetzungen gehört, die nicht innerhalb der in Berlin geltenden 24h-Regelung geräumt wurden.
    Es wurde ein Raum geöffnet, in dem Menschen aus unterschiedlichen Milieus zusammengetroffen sind: Wütende Künstlerinnen, ehemalige Hausbesetzer, langlebige Rentner, ungemütliche Stadtteilaktivisten, rebellische Sozialschmarotzer aus Berlin und anderswo. Es gab einen regen Austausch von Ideen und Meinungen, teils naiv, teils abgedroschen, vielerorts aber auch interessant. In diesem Moment erschien einiges möglich.

    3. Akt: Glitzer zu Staub
    Bestärkt hat dieses Gefühl der Selbstermächtigung, weil Staub zu Glitzer behauptet hat, sich der „heutigen Entwicklung entschlossen entgegen [zu stellen]. Sie ist kein Naturgesetz und entspringt einer von uns Menschen gesetzten Ordnung, die nur solange gilt, solange wir sie als solche tragen oder hinnehmen.“
    Die Chance, sich an diesem speziellen Ort zu versammeln, um über (prekäre) Beschäftigungsverhältnisse in- und außerhalb des Kulturbetriebs, steigende Mieten, radikale Kritik und kritische Kunst zu diskutieren, wurde leichtfertig aufs Spiel gesetzt, indem Staub zu Glitzer Hierarchien inszeniert und gesellschaftliche Zumutungen reproduziert hat, die vorgeblich bekämpft werden sollen. Von Anbeginn gab es eine gewollte Professionalisierung verschiedener Arbeitsbereiche – und nicht zufällig der Machtbereiche wie Presse, Programm oder Kommunikation, wo letztendlich alle wichtigen Entscheidungen ohne Legitimierung des Plenums getroffen wurden. Hinzu kam, dass sich Einzelpersonen als sogenannte Sprecher der kollektiven Intendanz oder der Besetzerinnen ausgegeben haben und einige sich nicht zu schade waren, ihr Gesicht in wirklich jede vorbeiziehende Kamera zu quetschen. Die Akteure des Schattenkabinetts – ob bewusst oder unbewusst – haben sich im Hintergrund wie professionelle Polit- und Kulturbürokraten verhalten. Dies hat eine Dynamik der Selbstorganisation oft unterbunden und gelähmt.
    Die Kunstperformance könnte im ein oder anderen Fall sicherlich auch behilflich dafür sein, sich beim nächsten Projektantrag oder einer Bewerbung für das Gorki-Theater Konkurrenten vom Leibe zu halten. Zu lange wollen wir uns mit diesen drittklassigen Schlingensief-Imitationen jedoch nicht aufhalten. Glitzer zu Staub!

    Epilog:
    Nach der Räumung wurde es grotesk. Statt darüber zu debattieren, wie man sich durch wilde Besetzungen die Stadt aneignet, wird versucht, sich einem Kultursenator, der soeben noch den Räumungsbefehl mitgetragen hat, an den Hals zu werfen. Man bettelt um die Wiederaufnahme eines Angebots, das schon längst zurückgezogen wurde, und ist froh, gut mit den Bütteln des Staates zu kooperieren, die einen gestern erst auf die Straße gesetzt haben. Selbst den neuen Intendanten wollen sie wieder ins Boot holen; jenen Typen, dessen Ablösung aus der Volksbühne sie gerade noch forderten.
    Die große Bühne ist geräumt. Das Kollektiv zieht seine Konsequenz daraus und löst sich auf. Es zieht sich zurück in die Klandestinität, zurück zu den Widersprüchen, an die unspektakulären Ränder und Ritzen dieser Stadt. Kein Glitzer, sondern die Tristesse des grauen Alltags, nicht des Theaters. Dies ist zutiefst unbefriedigend, aber immer noch besser, als einer schlechten Imitation des Bestehenden beizuwohnen. Das Publikum durchschaut die Inszenierung, erhebt sich von ihren Plätzen und holt die Tomaten aus den Körben. Dieses würdelose Spektakel wird sabotiert und mit dieser Aktion zu einem Ende gebracht, das es verdient. Diejenigen, die mit unseren Worten etwas anfangen können, werden wir wiedersehen. Wenn wir uns gemeinsam umherschweifend die Stadt aneignen. Im Theater oder anderswo.
  • Commentary on the occupation of the Volksbühne theater (September 22th – September 29th 2017) and its undignified end.

    On September 30th 2017, the communication channels of the occupiers of the Volksbühne theater from the collective VB 61-12 (Staub zu Glitzer – “Dust to Glitter”) were shortly hacked and the text below was published on their Facebook and Twitter accounts.

    When the curtain falls

    1st act: losing control
    First: this is not a staging! These last few days, massive differences of opinion arose about the content and form of the occupation of the Volksbühne theater. A part of the collective has now decided to leave the stage. We have taken complete control over all means of communication. We don't care about retaliations from the moralizers of the school of applied democracy.

    2nd act: the rabble at the theater
    It was a fine idea to choose the particular location of the Volksbühne in the middle of the city and to take advantage of its current situation with the controversial change of artistic director. What moved us and convinced us take part in the theatre occupation was the chance to create a disruption and refuse the miserable everyday life of this city. For six days, a theatrical pause for reflection took place, which, apart from the refugees of the Gerhard Hauptmann school, the unruly pensioners from Prenzlauer Berg and the New Yorck squatters at Bethanien, was one of the few occupations that was not evicted within the standard 24-hour rule of Berlin. A space was opened in which people from different milieus gathered together: angry artists, former squatters, stubborn retirees, rebellious welfare scroungers from Berlin or elsewhere. There was a lively exchange of ideas and opinions, sometimes naive, sometimes banal, but often also interesting. In that moment, something seemed possible.

    3rd act: from glitter to dust
    This feeling of self-empowerment was encouraged because the collective Vom Staub zu Glitzer (“from Dust to Glitter”) claimed “[to position themselves] resolutely against the present development. It is not a natural law but arises from an order established by us human beings, and is valid only as long as we accept it and support it.” The opportunity to gather in this particular place in order to discuss (precarious) work relations in and outside of the cultural sector, rising rents, radical critique and critical art, was recklessly put at risk by the fact that Staub zu Glitzer staged hierarchies and reproduced the social impositions that were supposed to be fought against. From the outset, there was a deliberate professionalization of various kinds of activity. And, not by chance, in the spheres of control—such as press, programming and communication—all the important decisions were ultimately taken without the legitimacy of the assembly. What's more, some individuals declared themselves the so-called speakers of the occupiers or the collective direction and were not even embarrassed to shove their faces in literally every passing camera. The actors of the shadow cabinet - consciously or unconsciously - behaved in the background as professional political and cultural bureaucrats. This often blocks and paralyzes a dynamic of self-organization. In some cases, the art performance could certainly help keep competitors at bay for the next project proposal or job application at the Gorki Theater. But we do not want to waste our time with these third-rate Schlingensief imitations any longer. Glitter to dust!

    Epilogue:
    After the eviction, it became grotesque. Instead of discussing how to reclaim the city through wild occupations, the so-called spokesmen of the occupation threw themselves at a Culture Minister who just took part in the eviction order. They begged for the resumption of an offer which had long been withdrawn, and they were glad to cooperate with the minions of the state who put them out on the streets the day before. They even wanted to get back the new director back on board—a guy they were just demanding should be removed from the Volksbühne.

    The grand stage is vacated. The collective draws the consequences from this and dissolves itself. It goes back to clandestinity, back to the contradictions, to the unspectacular edges and cracks of this city. No glitter, but the sadness of everyday life, not of the theater. This is deeply unsatisfying, but still better than attending a bad imitation of what already exists. The audience sees through the staging, gets up from their seats and takes the tomatoes from the baskets. This undignified spectacle is sabotaged and brought to an end with this action, which it deserves. Those who can make something of our words, we will see again. When, wandering together, we reclaim the city. At the theater or elsewhere.
  • A. Rebentisch am 12.10.2017 13:57
    Sollte die Volksbühne nun tatsächlich despotisch bespielt sein, das Volk müsste sich konsequent wohl eine Tyrannenbühne finden.

    Entsetzung und Entsatz. Bin gespannt.
  • Neueste Neuigkeiten aus dem Volksbühnenbunker: Dercons Team hat ein augeklügeltes Security-Konzept im Senat vorgelegt, das für sehr viel Geld ein für alle Mal verhindern soll, dass sich so eine Besetzung wiederholt. Grotesk: Dercon = der Cop!

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