• Takeshi Kitano: Wunderkino aus Japan

    Die Neunziger kommen wieder, jetzt, da die Nuller Jahre zur Neige gehen. Das Weltkino duerstet nach Perspektiven, die nicht aus Hollywood kommen, jetzt, da der Kulturimperialismus der USA zur Neige geht. Aber brauchen wir wirklich Legitimationen dieser Art, um auf einen DVD-Dreierpack aus dem Japan der 1990er aufmerksam zu machen? Ich glaube nicht.

    Takeshi Kitanos „Violent Cop“ (1989), „Boiling Point“ (1990) und Sonatine (1993) werden vor diesem Hintergrund vielleicht eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu Teil, aber sie verdienen sie auch um ihrer selbst willen. Natuerlich steht hier „Sonatine“ im Zentrum. Der vielfach ausgezeichnete Film zaehlt zum Besten, was Kitano gemacht und wohl auch zum Besten, was das japanische Kino hervorgebracht hat.

    Die zugleich ornamental opulenten und geometrisch disziplinierten Tatoos der Mafia-Gangs in Japan – sie bilden den aesthetischen Ankerpunkt von Kitanos fruehen Produktionen.

    Pracht und Minimalismus praegen auch die Kleidung der Figuren (natuerlich, es sind Mafiosi), die Landschaftsaufnahmen (Handlungsort ist das tropische Okinawa), die Produktionsdesigns (das bonbonfarbene und schnoerkellose Auto von Miyukis Ehemann etwa) und die Musik (Joe Hisaishi komponiert impressionistisch, synthetisch, mit einem Hauch Yellow Magic Orchestra). All das ist nostalgisch und futuristisch zugleich. Auf neue Weise retro-futuristisch. Und einfach traumhaft schoen. Schnoerkellos, zaertlich, brutal (Cinema). Etwas ganz Aehnliches wurde ueber Houellebecqs Platform gesagt.

    Vielleicht sollte man beide Werke noch einmal zusammen sehen/lesen, so wie ich das kuerzlich gemacht habe. Natuerlich hat die Kunst Kitanos und Houellebecqs nicht furchtbar viel gemeinsam, aber beide vermoegen doch auf vergleichbare Weise zu beruehren. Beide betoeren durch einen Cocktail der besonderen Art. Ich werde jedenfalls niemals vergessen, wie sehr mich Sonatine Anfang der Neunziger beeindruckt hat: Der absolute Film.

    Ein Augenoeffner, nicht zuletzt auf das damals noch junge Filmschaffen des in Japan als Komiker, Schauspieler, Talkmaster, Autor und Zeichner bekannten Kitano. Violent Cop und Boiling Point muten wie Vorstudien zu diesem Klassiker an, doch der DVD-Dreier bietet nun Gelegenheit diese beiden Filme – ueber die Querverbindungen hinweg – auch fuer sich zu begutachten: als die leisen Hits des Wunderknaben aus Japan.


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