• Wir nennen es Arbeit

    Heute ist der Arbeitsplatz ein Wert an sich und eine Ware: Je groesser der Mangel, desto begehrenswerter. Und die Arbeit? Ich denke: Die Ideologie gegen die die Arbeitnehmer in den Fabriken, den Bueros und den Dienstleistungsbetrieben des taylorisierten Fordismus im 20. Jahrhundert mit steigender Vehemenz rebellierten, ist auch heute noch wirksam.

    Und das bedeutet: Noch immer wirkt eine Ideologie der Arbeit als Ware fort, die an sich uninteressant, gleichgueltig, sinnlos und wuerdelos, allein dazu dienen soll, den Arbeitenden den Zugang zu immer ueppiger werdendem Konsum zu verschaffen, wie Andre Gorz mal notierte.

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    Angesichts zunehmender Prekarisierung mag dies zynisch klingen, doch: Wird uns nicht auch das blosse Ueberleben als Konsumoption – sprich: ein Lifestyle unter vielen – verkauft? Mit ein bisschen Geld in der Tasche nicht nur das Ueberleben sichern, sondern den Ueberlebenskampf zelebrieren mit passender Begleitmusik aus Neukoellner Aufnahmestudios, Einzelkaempfermode und Appellen zum Klassenkampf: Das ist kein Ausflug, das ist ein Raubzug! groehlen KIZ in Klassenfahrt. Was gibt es jenseits von Arbeit als Ware? Gibt es da ueberhaupt etwas? Durchaus: Arbeit ist etwa dann keine Ware, wenn man sie verrichtet ohne Geld verdienen zu wollen.

    Arbeiten um der Arbeit willen? Arbeiten, weil es Spass macht, einen selbst und andere bereichert? Dies tut es nur, wenn man es ernsthaft, sprich: professionell betreibt. Die Geld-Frage nicht zu stellen, dafuer aber die Frage der Professionalitaet, bedeutet sich Arbeit jenseits der Warenlogik anzueignen und damit einen Raum zu eroeffnen, in dem Arbeit – als Experiment begriffen – neu definiert werden kann. Professionalitaet vor diesem Hintergrund zu reklamieren, bedeutet schliesslich eine neue Form von Berufstaetigkeit einzufordern. Nicht nur im Aktivismus oder in der Theorie. Sondern beispielsweise auch implizit-explizit auf der Basis einer Gemeinschaftspraxis.


1 Kommentar zu Wir nennen es Arbeit

  • Heike Wendel am 17.06.2008 12:51
    Aber unsere Gesellschaft funktioniert doch nun mal über Geld und wie komme ich an Geld, wenn ich nicht arbeite? Wie kann ich leben? Vom Staat, von der Stütze, vielleicht ein Erbe? Viele Menschen arbeiten in Ehrenämtern, aber das geht immer nur neben dem normalen Job, der die Kohle bringt und die Mäuler stopft. "Arbeit um der Arbeit willen" geht das? Frage ich mich.

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