• Wasser wird zu Blut

    Sie kennen das Bild vom stroemenden Regen. Wofuer steht er? Ist er Strafe Gottes? Oder ein Segen? Der Disput darueber verlagert sich in der spaeten Moderne, der Epoche der Ungerechtigkeit (Walter Benjamin), auf eine andere Fluessigkeit: Blut. Es schaeumt, quillt, laeuft ueber. Es stroemt und prasselt vom Himmel nieder. Waschbecken, Fluesse, Meere laufen blutrot an. Ocean of Blood wird zu einem gefluegelten Wort. Eine Death Metal Band nennt sich so. Der Horror-Schocker The Reaping (2007) uebersetzt dieses Motiv in die doerflichen Landschaften der USA, schnell lesbar als Zeichen Gottes. Wasser wird zu Blut. Es ist eine von zehn biblischen Plagen.

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    Die zehn biblischen Plagen oder Landplagen bezeichnen eine Reihe von Katastrophen, die nach der biblischen Erzaehlung etwa im 13. Jahrhundert vor Christus ueber das Land Aegypten hereinbrachen. Im zweiten Buch Mose des Alten Testaments wird berichtet: Nachdem Mose eine Begegnung mit seinem Gott hatte, wurden er und Aaron von diesem nach Aegypten zurueckgesandt, um das Volk Israel aus der Sklaverei zu fuehren. Der Pharao weigerte sich jedoch, sie ziehen zu lassen. Nach jeder Weigerung schickte Gott eine Plage. Danach zogen die Israeliten durch das Schilfmeer, in dem hinter ihnen die sie verfolgenden aegyptischen Truppen samt dem Pharao ertranken.

    Fuer uns ist die erste Plage von Interesse: Wasser wird fuer sieben Tage ungeniessbar. Mose und Aaron taten, wie ihnen der Herr geboten hatte, und Mose hob den Stab und schlug ins Wasser, das im Nil war, vor dem Pharao und seinen Grossen. Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt. Kuerzlich sprach der Philosoph Roberto Esposito in Berlin ueber den Konnex Blut, Gewalt und Globalisierung. Letzteres verstanden als eine Totalitaet, die fluessig ist, ersteres verstanden als eine Fluessigkeit, die Gemeinschaften stiftet. Und Gewalt? Gewalt wird in der Epoche der Ungerechtigkeit zu einem Katalysator, der Blut in Stroemen fliessen laesst und Globalisierung vorantreibt.