• Was wäre wenn…

    In einer Flut aus immer wieder neuen Bildern, Assoziationen, Erzählsträngen und Gedanken führt Jaco van Dormaels den Zuschauer in „Mr. Nobody“ durch das Leben Nemos, nein durch die vielen verschiedenen Leben Nemos, wie sie hätten sein können, wenn…

    Nemo ist neun Jahre alt. Er muss eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die sein ganzes Leben verändern wird. Seine Eltern haben sich getrennt: Die Mutter fährt mit dem Zug in eine andere Stadt, für immer. Der Vater bleibt. Nemo muss eine Entscheidung fällen, die er eigentlich gar nicht treffen kann. Wie wird er sich entscheiden?

    Drei Ehen und vier Tode

    Eine Welle aus Eindrücken erzählt die Geschichte des 117-jährigen Mr. Nobody. Im Jahr 2092 leben die Menschen in einer sterilen Welt. Zellen können immer wieder erneuert werden, Menschen müssen nicht mehr sterben. Mr. Nobody ist die letzte menschliche Existenz, die den Tod erleben wird, und er ist der einzige, der weiß, wie es früher war, als das Leben der Menschen noch begrenzt war. Ein neugieriger Reporter schleicht sich ins Krankenhaus und bittet den alten Mann, sich zu erinnern.

    Nemo Nobody erzählt ihm von dem Leben mit seiner Mutter, seiner großen Liebe Anna, die er verliert und wiederfindet, vom Leben bei seinem Vater, von seiner Jugendliebe Elise, die er später heiratet. Er erinnert sich an ihren Tod am Tag der Hochzeit, aber auch an die Ehe mit Elise, die an Depressionen leidet und Nemo schließlich verlässt.

    Es tauchen Bilder auf von Jean, der Frau, die Nemo heiratet, weil dieselbe Elise ihm als Teenager einen Korb gegeben hat, und mit der er ein komfortables Leben führt, die ihn jedoch nicht glücklich macht. In seiner Erinnerung stirbt Nemo mal in einem untergehenden Auto, mal in einer Badewanne, in der er erschossen wird, mal in seinem Swimmingpool. Welches Leben er davon wirklich geführt hat, bleibt offen. Es spielt auch keine Rolle, denn alles ist möglich, wenn…

    Wahrscheinlichkeitsdramen

    Auf dem Weg vom Kino nach Hause liegt plötzlich ein 10-Euro-Schein vor mir auf dem Gehweg. Ich bleibe stehen und überlege. Was, wenn ich den Schein nun aufhebe? Vielleicht kaufe ich mir davon ein Buch, das mein Leben verändern wird, vielleicht vergammelt es ungelesen in meinem Schrank. Wenn ich den Schein liegen lasse, findet ihn vielleicht ein Mädchen, dass sich seine erste Packung Zigaretten davon kauft.

    Hätte ich den Schein nicht gefunden, wäre ich weiter gelaufen, vielleicht direkt vor ein zu schnell fahrendes Auto. Vielleicht wäre mir dann aber auch noch eine Freundin an der nächsten Straßenecke begegnet, die ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen habe…

    Wählt Nemo seinen Vater oder seine Mutter? Das bleibt bis zum Ende offen.


5 Kommentare zu Was wäre wenn…

  • neutra am 22.08.2010 09:22
    klingt nach buddhismus
  • Spencer am 22.08.2010 12:04
    Wow, ich finde Filme klasse, die einen zum Nachdenken und Sinnieren anregen. Habe erst neulich "Inception" gesehen, da weiß man am Ende auch nicht: Fällt der Kreisel um oder nicht... guter Text!
  • Rainald Krome am 22.08.2010 20:21
    ich stand neulich vor der Wahl: Soll ich mir Mr. Nobody oder Women without Men angucken? Ich habe mich für letzteren entschieden und ich muss sagen: schlecht war der Film nicht:

    http://www.zeit.de/2010/27/Film-Women-without-Men
  • die beste Aussage war jedoch!! > das Leben ist wie ein franzoesischer Film, die meiste Zeit passiert gar nichts xD !!

    PS

    Mr. Nobody kann man leider in keinster weisse mit inception vergleichen.
  • Ich habe beide Filme gesehen: Mr. Nobody und Women without... und ich bin von dem zweiten sehr beeindruckt. Er ist kunstvoll, berührend, einfach empfehlenswert. Ich habe lange Zeit gebraucht um die Inhalte zu verarbeiten.

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