• @Verdade und Bürgerjournalismus in Mosambik: Komplizenschaft im Zeichen der Liebe

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    In Mosambik wird gewählt. Informationsverbreitung und Transparenz sind hier also essentiell. Aus diesem Grund arbeiten Bürger und Journalisten aus Portugal, Deutschland und Mosambik zusammen. Berliner Gazette-Autorin Martina Dietz berichtet über eine Komplizenschaft im Zeichen der Liebe.

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    Heute gehen die Bürgerinnen und Bürger Mosambiks wählen: Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2014 finden bereits heute die Kommunalwahlen in 53 Provinzen des südostafrikanischen Landes statt. Sara Moreira, Redakteurin von Global Voices in Portugal, hat zusammen mit @Verdade, einer Mosambiker Zeitung, ein Projekt aufgebaut, dass die Wahlen dokumentieren und beobachten, transparenter und freier machen will.

    Nicht bloß eine Zeitung, sondern eine Bewegung

    @Verdade ist eine Print-Zeitung und erscheint seit August 2008 wöchentlich. Sie wird kostenlos verteilt – und das mittlerweile nicht mehr nur in den weniger reichen Teilen der Hauptstadt, sondern auch mit Txopleas (der Mosambiker Version kleiner Tuk-Tuk-Taxis) in kleineren Städten. Sara Moreira erzählt, dass @Verdade zu einem Phänomen geworden ist, das sich in weiten Kreisen herumgesprochen hat: Wenn am Freitagmorgen gegen sechs Uhr die neue Ausgabe gedruckt ist, stehen die Leute an der Tür des Hauptstadtbüros bereits Schlange, um sie abzuholen.

    In den kleineren Städten in den Provinzen erreicht ein Exemplar meist mehr als 10 oder 20 Leserinnen und Leser. Die Zeitung wird geteilt und weitergereicht und schafft es somit, dass Menschen aus der Nachbarschaft zusammenkommen, um gemeinsam die Nachrichten zu lesen und zu diskutieren.

    Nach eigenen Schätzungen von @Verdade erreicht die Print-Ausgabe auf diesem Weg wöchentlich etwa 400.000 Leserinnen und Leser. Das ist es auch, was Sara Moreira als das Ziel von @Verdade versteht: Nicht nur eine Zeitung zu machen, sondern vielmehr eine Bewegung in Gang zu bringen, die das Land verändert und eine kritische Perspektive aufbaut. Und dazu führt, dass die Menschen stärker in den politischen Prozess eingebunden werden und partizipieren können.

    Auf die Einbeziehung und den Auf- bzw. Ausbau von Zivilgesellschaft und den Inhalt, der dabei entsteht, legt @Verdade großen Wert. Interaktionen mit der Leserschaft finden einerseits über die Online-Präsenz der Zeitung statt, über ihre Webseite, Facebook und Twitter, andererseits aber auch über Briefe und SMS. So bekommt die Redaktion auch Fanpost und Hilferufe über Mobilfunk aus Regionen, in denen die Print-Ausgabe nicht mehr ankommt. Während die Print-Ausgabe nur in Mosambik verteilt wird, erweitert sich die Leserschaft online bis nach Brasilien und Portugal.

    Neue Technik, transparentere Wahlen

    Seit vor einer Woche die Webseite des Projekts zu den Kommunalwahlen online gegangen ist, kann jede und jeder Videos, Fotos, Tweets und SMS über Vorgänge und Neuigkeiten in allen Städten, Dörfern und Wahllokalen an die Redaktion schicken. Mit den darin enthaltenen Informationen entstehen zusammen Nachrichten und Artikel, die den Wahlvorgang dokumentieren und somit transparenter und freier machen.

    Die Technik dazu liefert Sourcefabric aus Berlin, mit der Software „Citizen Desk“ sammelt, verifiziert und veröffentlicht @Verdade Inhalte von Bürgerinnen und Bürgern. Einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu Informationen und Nachrichten zu verschaffen, um so Platz für mehr Transparenz, Offenheit und Demokratie in der Gesellschaft und im Land zu machen – das sind Ziele von @Verdade, die sich auch als Werte im Arbeitsprozess enthalten sind und sich reproduzieren.

    Im Portugiesischen, der Amtssprache Mosambiks, können auch Liebende zu Komplizen werden. Die kooperative Komplizenschaft zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Freiwilligen und Amateuren einerseits, sowie den professionellen Journalisten andererseits scheint im Falle von @Verdade tatsächlich zu einer Liebesbeziehung geworden zu sein.

    Anm. d. Red.: Sara Moreira war eine von rund 50 internationalen Gästen der COMPLICITY-Konferenz der Berliner Gazette. Das Foto oben zeigt Sara Moreira im Rahmen des Workshops „Amateure & Profis“, Credit: Andi Weiland | berlinergazette.de. Die umfangreiche Dokumentation der Konferenz (Live-Videos, Graphic Recordings, etc.) findet sich hier: berlinergazette.de/complicity.Hier ein Sara Moreira-Interview bei CARTA.


5 Kommentare zu @Verdade und Bürgerjournalismus in Mosambik: Komplizenschaft im Zeichen der Liebe

  • Silvia am 21.11.2013 21:24
    Das ist sehr beeindruckend!
  • Judith Christner am 24.11.2013 13:26
    Ich lebe und arbeite seit 13 Jahren in Mosambik und kann diese beeindruckende Bewegung nur bestätigen Verdade ist mehr als eine Zeitung und eine solche Anregung, eine solche Bewegung ist einfach notwendig in Mosambik Die letzten Wochen haben gezeigt, dass es ein lebendiges Potential an Zivildgesellschaft gibt, das sich nicht nur darin erschöpft, Organisationen zu gründen und Gelder zu verwalten - oder zu veruntreuen. Es gibt inzwischen immer mehr Menschen in Mosambik, die ihre Überzeugungen vertreten, die sich nicht unterdrücken lassen und die in mehreren Städten des Landes gezeigt haben, dass sie dafür auch auf die Strasse gehen - friedlich, geordnet und in Solidarität für die Sache. Das ist eine sehr ermutigende Entwicklung ! Weniger ermutigend ist das Verhalten der ausländischen Wahlbeobvachter, die - zumindest ist das mein Eindruck nach Gesprächen mit einigen - immer noch vor allem glauben, sie müssen den hiesigen Hierachien Respekt zollen und könnten nicht deutlich sagen, wenn ihnen irgendetwas suspekt vorkommt - wozu sind sie eigentlich da und wem dienen sie ?
    Auch in diesem Zusammenhang kann ich nur wiederholen, was ich in einem Artikel über die aktuelle politische Situation schon gesagt bzw, mich gefragt habe:
    Ist die neuerdings vielgepriesene, weil als antikolonialistisch verstandene Methode der Nicht-Einmischung wirklich so nobel und menschenwürdig, wie sie gerne verkauft wird oder ist es nicht einfach der bequemere Weg, Projekte reibungslos durchzuziehen und damit auch begehrte Arbeitsplätze im Norden und eine falsche Illusion zu erhalten? Im Sinne vieler MosambikanerInnen, die ich kenne und die zu der neuen Bürgerbewegung gehören, ist das zumindest nicht.

    Judith Christner, Chimoio
  • Martina Dietz am 30.11.2013 11:57
    @Judith, danke für deine interessante Frage! Hast du einen Link zu einem konkreten Artikel (oder mehrere) von dir (oder anderen), den man dazu lesen kann? Ich interessiere mich sehr für Themen im Zusammenhang mit Entwicklungspolitik, "Neo-Imperialismus", externe Demokratisierung etc.
  • judtith Christner am 30.11.2013 18:04
    Liebe Martina,
    unter folgendem Link, dann Artikel in deutsch, findest Du den von mir erwähnten Artiekle über die aktuelle politische Situation in Mosambik.
    http://mosambikaktuell.wordpress.com/
    Wenn Du mir Deine mail Adresse schickst, kann ich Dir auch noch einen gerade von mir übersetzten Artikel zum Thema Wahlen und Wahlbeobachtung aus einer hiesigen Zeitung zusenden.
    Danke für Dein Interesse !
    Judith
  • Judith Christner am 14.12.2013 19:06
    Thank you for your comment ! I will try to do my very best, not only in words, but also in doing, but it istn`t very easy at all. Looking on your website may be interesting for me to create a free website for the women project were I am working.I will see if i can do that when I have more time.
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