• Vertrauen professionalisieren

    Aktuelle Bestandsaufnahme: Wieder eine Twitterlesung, dieses Mal in Hamburg: Sehr erfolgreich und mit Video mitgenommen. (Mich erinnert der Blick in die Videos an nie besuchte Kaffeefahrten mit Verkaufsvorstellungen und/oder an professionelle Predigten aus dem US-amerikanischen Raum.) Es wird ferner mit Twitter gerankt oder nicht.

    Oder es geht um die Top100-Twittertools. Gleichzeitig und davor oder danach machen ein paar Leute >Karriere<: Nico Lumma geht zu einer Agentur mit beruehmtem Namen, Don Alphonso spricht ueber seine Kreise in der FAZ neben Grimmepreistraegern (Niggemann oder Niggemeier), die ueber das Fernsehen erzaehlen.

    .

    Social Media-Zeug ist Thema fuer Lumma ebenso wie fuer einen Keynote-Sprecher namens Mark Pohlmann, dessen Beitrag von einem anderen Blogger so kommentiert wird: >Woran erkannt der geuebte Social Media-Kenner die Qualitaet eines Vortrages? Ganz einfach: Wenn kaum einer der Anwesend, waehrend der Ausfuehrungen twittert.< Antitwittertraining fuer Keynotespoker, der nun seinerseits Blasen entwickelte wie: Wir sind hier, weil wir die Frage beantworten wollen: Wie laesst sich die Social Media-Flamme entfachen. Oder: Wir muessen aufhoeren Twitter ueber die 140-Zeichen zu erklaeren. Keiner sagt: Die Tagesschau geht 15 Minuten. Oder: Wenn wir uns aufregen, verschwinden wir ganz im Hier und Jetzt. Etc. pp.

    Kann natuerlich sein, dass das alles nur zum Spass zitiert worden ist. Ernsthafte Gruende duerften doch ausfallen. Muss man sich darueber graue Haare wachsen lassen? Was sagt das aus ueber die Motivation zu twittern odern nicht zu twittern? Muss man dazu noch was sagen? Vor allem aber, es geht mir nicht ums Twittern, denn darueber sich zu aeussern langweilt wohl alle Anwesenden. Und die Twitterer werden wohl kaum bis zu dieser Stelle lesen. Letzte Beobachtung: Lesercharts sollen ermittelt werden. Dazu bedient sich der Hersteller angeblich einiger Feedburnerzahlen. Also nichts wie ran an den Feedburner, lasst eure Feeds zaehlen. Und macht das naechste Fass auf. Ebenso bekloppt wie, dass Mr. Wong jetzt Links mit nofollow-Attribut versieht.

    Doch zurueck zu Pohlmanns Keynote, die der Kommentator mit der Ueberschrift Die Social-Media-Liebe und der Zwang zu mehr Professionalitaet versieht (vielleicht auch von Pohlmann). Diese ganze Idee der Professionalisierung von Social Media hat einen so unangenehmen Beigeschmack entwickelt, wie in der ganzen Geschichte jede Professionalisierung – am ehesten noch zu vergleichen mit derjenigen der Kirche[n] und Glaubensmaerkte. Denn die, wenn man es genau nimmt, waren die ersten professionalisierten Formen von Social Media. Spaeter kamen Parteien hinzu und Politik wie viele andere Formen von Gemeinschaften.

    Das alles koennte man auch unter dem Motto laufen lassen: Wie kann ich Vertrauen professionalisieren. Und wie geht eine besonders wirksame Herstellung von Vertrauenssurrogaten, von Vertrauensersatz. Leider ist es so, dass nur die ganz alten Blogs diese Grundsubstanz von Kommunikation je haben herstellen koennen. Das ist auch das, wovon Redunzl mitunter sprach. Die angebliche Professionalisierung und die Professionalisierungsschuebe, die diese Blogwelt und ihre Ableger wie Vorgaenger durchziehen, haben vor allem die Vertrauensbasis zerstoert. Es wird immer mehr die Meinung nach vorne gestellt, statt Urteile herauszuarbeiten. Denn zu diesem Zweck benoetigt man eine bestimmte Unabhaengigkeit.


Noch keine Kommentare zu Vertrauen professionalisieren

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar hinterlassen

E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.