• Ueber Tiere sprechen

    Sprache praegt die menschliche Spezies extrem. Wir denken in unserer Sprache, nutzen sie zur Kommunikation und zur Schaffung von Realitaeten und Grenzen. Die Nutzung der Sprache zur Klassifizierung legt den Grundstein fuer den Speziesismus, der sich auf der willkuerlichen Grenzziehung zwischen Tieren und der menschlichen Spezies gruendet.

    Im Sinne der Biologie sind wir aber genauso Tiere, wie es unsere Vorfahren, die Affen, sind. Die Diskriminierung von Tieren in unserer Sprache wird durch folgende Mechanismen ermoeglicht: Benennungen, Entindividualisierung, Verdinglichung, Bestimmung des Lebenszweckes, Euphemismen und >Tier<-Metaphern. Mit unterschiedlichen Benennungen werden Andersartig- und Minderwertigkeit vermittelt. .

    Waehrend menschliche Tiere essen und Kinder gebaeren, heisst es von anderen Spezies, dass sie fressen und Junge gebaeren. Mit der Entindividualisierung werden einzelne Individuen als Exemplare ihrer Art dargestellt und eine individuelle Persoenlichkeit wird ihnen abgesprochen. Im Zoo heisst es dann der Loewe, womit dieser als Stellvertreter fuer seine Art herhalten muss. Wenn jemand berichtet, dass er mit dem Auto ein Tier angefahren habe, heisst es oft: Mir ist etwas vor das Auto gelaufen. Durch die nicht naehere Bestimmung des Wortes etwas, wird ein Tier vergegenstaendlicht und ihm werden somit Eigenschaften wie Schmerzempfinden und das Beduerfnis zu ueberleben aberkannt. Wenn man Tiere als Schlachtvieh, Versuchstiere oder auch Nutztiere bezeichnet, spricht man ihnen ab, dass sie genauso wie wir um ihrer selbst Willen leben.

    Durch verschoenernde Ausdruecke wird das Unrecht, das Tiere in unserer Gesellschaft erfahren, relativiert und verschleiert. So sprechen Jaeger von Kontrolle der Population anstatt von Mord, und Fleisch wird ein scheinbar anonymes Produkt, das nichts mehr mit einem leidenden Individuum zu tun hat. Wenn man Tiere dafuer missbraucht, um seine eigenen Artgenossen zu beschimpfen (>bloede Kuh<) greift man dabei auf stereotype Darstellungen zurueck, die in keinem Fall der Wirklichkeit entsprechen muessen. So lange in unserer Gesellschaft immer noch die Rede vom anonymen Steak ist, wird es weiter Unterdrueckung und Unrecht geben.


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