• Trendsetter Militaer

    >Das sind die Maenner, die bis hierhin mit ihren Panzern gekommen sind. Kolobkov.net enthuellt, dass es sich bei der Behauptung, moderne Panzer koennten sich in jedem Gelaende problemlos bewegen, um einen Mythos handelt.< Soweit die Uebersetzung der Bildunterschrift aus dem Russischen. Die Form und Praesentation des Fotos in einer Bildergalerie, die verunglueckte Panzer zeigt, werfen Fragen auf: Welche Botschaft verbirgt sich hinter dieser vermeintlichen Kritik? Die Antwort russischer Patrioten auf amerikanische Misserfolge im Irak?

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    Die Palmen im Hintergrund des Bildes deuten jedenfalls darauf hin, dass es sich nicht um eine Satire auf russische Streitkraefte handelt. Doch es koennte Russland sein: Die russische Regierung setzt bei der Ausruestung der Streitkraefte auf Masse und die Ausruestung des Militaers soll erbaermlich sein. >Die Zeit< berichtete etwa, die russischen Truppen seien >oft nicht einmal bedingt abwehrbereit<. In der Oeffentlichkeit praesentiert sich das russische Militaer natuerlich anders. Auf ueberdimensionierten Plakaten wirbt es in eigener Sache mit Bildern von gepanzerter Freundschaft – und dies scheinbar mit Erfolg.

    Die Militarisierung der russischen Gesellschaft wird in der gelenkten Demokratie zu einem Selbstlaeufer: Neben einfachen Polizisten, Verkehrspolizisten und Angehoerigen des Militaers gehoeren in Sibirien auch Zivilisten in Militaerkluft zum Strassenbild – ob jung oder alt. Sogar Kinder werden in Tarnbekleidung gesteckt und mit kleinen Kampfflugzeugen bewaffnet. Auch vor den Mauern einer buddhistischen Klosterschule in Darzan macht die Militarisierung nicht halt: Dort sitzen angehende Lamas in ihrer Freizeit in Armee-Uniformen vor dem DVD-Rekorder und schauen Gewaltvideos. Was macht eigentlich Gorbi?


2 Kommentare zu Trendsetter Militaer

  • Magdalena am 23.01.2007 09:23
    Das ist eine interessante Beobachtung. Ich habe das Gefühl, dass die Militarisierung der Gesellschaft mit ihrer Verrohung einhergeht (logisch). In meiner brandenburgischen Heimat gehören Militärklamotten auch durchaus zum Straßenbild. Allerdings ist dort Uniformierung auch sehr wichtig (ob nun Bomberjacke oder Zeckenkluft). Wenn man im Leben nicht soviel hat, an das man sich halten kann, dann ist man über vorgegebene feste Strukturen sicherlich froh. Ich vermute diese Beobachtungen lassen sich nicht nur auf Brandenburg oder Russland anwenden.
  • ich schliesse mich an: interessanter Text! auch interessante Bilder - sowohl in der ominösen Bildergalerie als auch in der flickr-base der Autorin.

    einige Anmerkungen:

    die Militarisierung der Gesellschaft - das ist natürlich ein Phänomen, das sich nicht nur in Russland beobachten lässt. Europa und USA sind von diesem Trend nicht ausgeschlossen. Ein Stichwort wäre military-entertainment complex (die Verschränkung des Militärischen mit der Unterhaltungsindustrie). Bitte dazu das Stichwort plus bruce sterling, james der derian oder krystian woznicki googeln. tom holert und mark terkessidis haben dazu angrenzend ein interessantes buch geschrieben: entsichert, bei kiwi erschienen.

    Einen Gegendiskurs dazu hat Herfried münkler initiiert. HU Professor
    Münkler, der als Staatstheoretiker bereits mit Studien zu "Machiavelli" (1982) auf sich aufmerksam gemacht hat, denkt in "Die neuen Kriege" jenen Ansatz weiter, den Mary Kaldor 1999 in "New & Old Wars" entwickelt hat. Dementsprechend lauten Münklers auf den Kriegsbegriff bezogene Grundthesen: Entstaatlichung, Entmilitarisierung und Asymmetrisierung.

    Unter Entmilitarisierung, vielleicht Münklers provokanteste These, versteht er den Trend dazu, dass bestimmte Formen der Gewaltanwendung, die einst untergeordnete taktische Elemente einer militärischen Strategie waren, selbst eine eigenständige strategische Dimension erlangt haben. Als Beispiele werden Partisanenkrieg und Terrorismus aufgeführt.

    Wenn Münkler also von Entmilitarisierung spricht, verweist´er darauf, dass Krieg längst nicht mehr klassisch vom militär geführt wird, sondern von privatisierten Anbietern, dazu zählen nicht zuletzt so genannte PMOs (private military organizations) - armys for hire; söldner-truppen.

    Man müsste mal beide Thesen mit dem russischen Beispiel gegenlesen. Der Text hat jedenfalls darauf neugierig gemacht.

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