Luat enier Sidtue an eienr elgnhcsien Uvrsnaeiett, ist es eagl in wcheler Rhnfgeeloie die Bstuchbaen in eniem Wrot agnoredent snid. (…) Das legit daarn, dsas wir nhcit jeednn Bstuchbaen aeilln lseen, srednon Wrote als Gzanes.
Dieser kleine Text hier scheint zu funktionieren wie eine optische Taeuschung. Wir kompensieren irgendwie das, was erfahrungsgemaess fehlt, falsch oder erwartbar scheint. Optische Taeuschungen kennt – glaube ich – doch jeder, aber linguistische Taeuschungen
sind neu – mir zumindest. Oder ist so eine Taeuschung durch Texte doch verbreiteter, als man meinen koennte?

Denn: In gewisser Hinsicht funktioniert ja jeder Text als (linguistische) Taeuschung. Texte als solche haben keine Bedeutung oder zumindest nur eine, die erst (mehr oder weniger richtig) verstanden werden muss. Dabei sind gerade Texte mehr als die meisten anderen Objekte auf Kompensation angewiesen, um an Sinn zu kommen. Wie optische Taeuschungen sind Texte erst einmal etwas anderes als wir in ihnen sehen, naemlich schwarze Flecken auf weissen Blaettern und Displays. Erst unsere Kompensationsleistung ist es, die Texte in Sprache verwandeln kann.
Wir sind es, die jeden Text erst um Taeuschungen ergaenzen muessen, damit Sinn und Kommunikation entstehen kann. Genau diese Kompensation, diese Taeuschung nennen wir Lesen
. Mindestens seltsam, dass gerade beim Lesen Kompensation und Taeuschung zusammenkommen. Ich denke, gerade das macht Lesen spannend und Texte damit zu faszinierenden Objekten. Und nicht nur das Lesen selbst kann deshalb so fesselnd sein. Man kann ausserdem nach dem Lesen andere fragen, wie sie vom selben Text anders getaeuscht worden sind. Das koennen so nicht mal optische Taeuschungen. Klingt nach einem Riesenspass. Mach ich mal. Ach, ihr habt schon? Und, wie war es?
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