• Strahlende Zeichnungen

    Die Künstlerin Joyce Hinterding hat Zeichnungen angefertigt, die wie Antennen in den Raum „strahlen“. Auf der ISEA2010 RUHR konnte man diese Arbeit aus der Nähe „empfangen“.

    Bekanntlich ist die Welt und ihr Raum auch dort, wo Menschen keine Antennen aufstellen, voller Sender und Empfänger. Allerdings besitzen – wenn man Forschungsstationen außen vor lässt – gemeinhin nur die eingefleischten ParalektronoikerInnen unter uns ein geeignetes Sensorium für die Wahrnehmung dieser Wellen.

    Den Signalraum erforschen

    Die australische Künstlerin Joyce Hinterding ist eine Expertin für die künstlerische Erforschung des Signalraums, der normalerweise außerhalb unseres Radars liegt – und der Energien, die ihn generieren.

    Zur ISEA2010 RUHR, wo sie wie Verena Friedrich in der Ausstellung TRUST vertreten war, hatte sie eine Reihe von „Induction Drawings“ mitgebracht.

    Auf den ersten Blick erst einmal ästhetisch durchaus attraktive, aber doch recht schlichte Zeichnungen ornamentaler Formationen, die mit Graphit auf großformatigen Blättern angebracht sind. Präsentiert werden sie jedoch auf Tischen, auf denen noch weitere Gerätschaft steht: Angeschlossen an einen Verstärker funktionieren die Lineamente tatsächlich als Antennen. Der Raum wird zum Sender, die Zeichnungen strahlen aus.

    Aber was stahlen sie eigentlich aus? Mindestens kann man, entsprechendes Feintunig der Lauscherchen vorausgesetzt, ohne weiteres feststellen, dass sich das Klangbild bereits bei Annäherung an die Zeichnungen verändert. Und wohl erst recht, würde man es wagen, am „Induction“-Radio selbst zu drehen – also die Linien zu manipulieren. Als brave/r Kunstbetrachter/in macht man das natürlich nicht. Wie ist das nun mit dem Bezug zum Thema der Schau, in deren Rahmen die Arbeit gezeigt worden ist?

    Die welterschließende Macht von Medien

    „Die Linien und Schleifen verweisen auf unser Vertrauen in die welterschließende Macht von Medien“, steht auf den ISEA-Seiten zur Arbeit zu lesen – etwas verständlicher vielleicht in der englischen Version: „The lines and loops refer to the trust we have in the power of media to discover the world.“

    Fragt sich dann natürlich, was das für ein Vertrauen ist. Verleitet uns der ästhetische Reiz der Graphit-Graphen vielleicht dazu, darauf zu vertrauen, dass auch hinter den Sendungen – die sie hörbar, aber deshalb ja noch nicht verständlich machen – irgendeine Ordnung, Vernunft, gar Absicht steht?

    Vermutlich eher nicht. Oder etwa doch? Nun, können wir wohl auf eins vertrauen: Dass wir alle ParalektronoikerInnen sind.


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