Der Berliner Gazette e.V. entwickelt regelmäßig Seminar-Angebote, um seine langjährigen Erfahrungen systematisch weiterzugeben. Die Vermittlung von Medienkompetenz rückt hier in den Mittelpunkt. Es geht sowohl um die Funktionsweise von Medien als auch um ihre Inhalte und soziale Dynamik. Zielgruppe der Berliner Gazette Seminare sind so genannte MedienwechslerInnen sowie angehende beziehungsweise junge PublizistInnen, PressesprecherInnen und WerbetexterInnen, aber auch andere Kreative, die sich für das wortbasierte Medienmachen unter digital-vernetzten Bedingungen interessieren.
  • Büro für Qualifikation und Vermögen

    Sozialamt, Jobcenter, Gründerberatungsstelle: Orte, so inspirierend wie eine Zahnarztpraxis. Orte, die die in Berlin steigende Anzahl von “Kreativen” meidet – selbst wenn die Ratlosigkeit unter ihnen wächst, wie die eigene Existenz zu finanzieren ist.

    Doch was, wenn es ein Beratungsbüro gäbe, das von den Betroffenen geleitet wird? Eine Selbsthilfestelle, in der die Sachbearbeiter keine realitätsfernen Maßnahmenleiter sind, sondern erfolgreiche Künstler und Sozialunternehmer. Ein Ort, an dem nicht der Geruch von Akten die Atmosphäre bestimmt, sondern der Anschein einer geheimen Bar. Willkommen im BQV, dem Büro für Qualifikation und Vermögen!

    An der wohl populärsten Kreuzung Berlins, am U-Bahnhof Eberswalder Straße, nimmt im Mai und Juni 2012 das BQV Gestalt an: an üblichen Arbeitstagen ein Schaufenster, das Passanten aus der Reserve lockt und zur Kommunikation verleitet; während der Sprechzeiten eine Wirkungsstätte für die AkteurInnen der Kulturszene Berlins. Hier erkunden sie die ökonomischen Bedingungen ihres Schaffens: Wie sehen Überlebensstrategien aus? Wie funktionieren Modelle, die zukunftstauglich sind, in einem Spannungsfeld zwischen Prekarität, Kreativwirtschaft und staatlicher Förderung?

    Das BQV richtet seine Sprechstunden nicht nach den Arbeitszeiten von Beamten. Stattdessen öffnet das Büro an vier Samstagen seine Türen. An den Nachmittagen gibt es Workshops mit BotschafterInnen der Kulturszene sowie deren BeobachterInnen – eine Videodokumentation und Graphic Recordings halten fest, was passiert. An den Abenden steht das Büro allen offen: In Performances werden die Ideen des Tages weiterentwickelt und beim Bargespräch vertieft.

    PROGRAMM: PERFORMANCES
    Die Performances finden in der Eberswalderstraße 21 statt und beginnen jeweils um 18 Uhr. Dauer: 30 bis 60 Minuten. Es sind öffentlich zugängliche Veranstaltungen. Der Eintritt ist frei.

    19. Mai | „Creatives like us“ | 18 Uhr

    Das Performancekollektiv andcompany&Co. (Alexander Karschnia, Nicola Nord, Sascha Sulimma) fragt in seinem Lecture Concert anlässlich der Eröffnung des BQV: Wie könnte ein Kommunismus der Kreativen aussehen? Oder eine Gewerkschaft der prekären kreativindustriellen ArbeiterInnen weltweit? Mit glühenden Textfragmenten und distorted Disco-Sounds wird der kommende Aufstand in den Fabriken der Kulturindustrie beschworen – in einer Installation des Künstlers Johannes Paul Raether. Im Anschluss Party mit Musik von Mike Riemel alias DJ Aussenborder.

    26. Mai | „Knirpsschweinchen-Kickstarter“ | 18 Uhr

    Ein Hauptkritikpunkt an Crowdfunding aus der traditionellen Förderszene lautet, dass eben gerade nicht nur die Kultur gefördert werden darf, die sowieso alle wollen. Ist diese Kritik berechtigt? Oder wird hier Crowdfunding mißverstanden? Was macht das Geld sammeln im Netz überhaupt so besonders? Und welche Rollen können dabei “Offline-Events” spielen? Die Veranstaltung geht diesen Fragen gemeinsam mit Tim Pritlove (Podcaster), Anna Theil (Crowdfunding-Coach) und Karsten Wenzlaff (Medienforscher) nach. Das Publikum ist eingeladen bei diesem von der Autorin Kathrin Passig initiierten Event Projekte vorzustellen und zu fördern.

    02. Juni | „Sound & Dance Space Measurements“ | 18 Uhr

    Bei der Klang- und Tanz-Performance von Schneider TM (Komponist) und Tomoko Nakasato (Tänzerin) erzeugt der Komponist auf einer elektrisch verstärkten Gitarre Rückkopplungen und verflicht diese kunstvoll miteinander. Die Tänzerin antwortet darauf mit Rückkopplungen des Körpers: Sie improvisiert Bewegungen, die Streetdance mit Elementen von zeitgenössischem Tanz und Ballett vermischen.

    09. Juni | „Volksbegierden Totale Rekonstruktion“ | 18 Uhr

    Die Peformance Lecture von Johannes Paul Raether basiert auf einem fiktionalen Volksentscheid für eine totale Rekonstruktion von Berlin-Mitte. In deren Zentrum steht die Rekonstruktion der Neuen Reichskanzlei von Albert Speer auf dem noch immer leeren Marx Engels Forum nach dem erfolgreichen Wiederaufbau des Stadtschlosses. Der Auftritt steht in einem wechselseitigen Dialog mit Raethers Raumverkleidungen, die den installativen Rahmen des BQV bilden.

    PROGRAMM: WORKSHOPS
    Die Workshops finden in der Eberswalderstraße 21 statt und beginnen jeweils um 14 Uhr. Dauer: jeweils dreieinhalb Stunden inkl. 30 Minuten Imbisspause. Die Zahl der TeilnehmerInnen ist begrenzt! Anmeldungen bis zum 10. Mai unter: info@berlinergazette.de

    19. Mai | „Prekär/Produktiv“ | 14 Uhr

    Im Berlin der 1990er Jahre entstehen inspirierende Projekte, darunter Blinkenlights, 37,6° Sprengantrag oder die Narrenschiff-Performances. Die Dokumentation „nördliche breite – östliche länge“ portraitiert diese Akteure. Der Film lädt dazu ein, zurückzublicken und Veränderungen der Szene zu reflektieren. Mit: Ben Pohl (Filmemacher), Alexandra Manske (Soziologin), Gertrud Koch (Filmwissenschaftlerin). Moderation: Elisabeth Enke (Tontechnikerin).

    26. Mai | „Fans finanzieren Kultur“ | 14 Uhr

    Crowdfunding-Plattformen im Internet könnten die Finanzierung von Kultur verändern. Wie funktionieren Beteiligung und Transparenz bei diesem Verfahren? Wie sieht die gefühlte Bindung zwischen Anbieter und Spender aus? Best-Practise-Beispiele bieten Stoff für die Diskussion. Mit: Tim Pritlove (Podcaster), Anna Theil (Crowdfunding-Coach), Karsten Wenzlaff (Medienforscher). Moderation: Susanne Lang (Journalistin).

    02. Juni | „Sozialarbeit Reloaded“ | 14 Uhr

    Sozialarbeit wird nicht zuletzt von KünstlerInnen bereichert – etwa an „Brennpunktschulen“. Aber auch von UnternehmerInnen, die in den Ruinen des Kapitalismus nach den Bausteinen für ethische Geschäftsmodelle suchen. Wie verändert sich im Zuge dessen klassische Sozialarbeit? Was können so genannte SozialunternehmerInnen und KünstlerInnen von einander lernen? Mit: Dirk Dresselhaus alias Schneider TM (Komponist), Norbert Kunz (Sozialunternehmer). Moderation: Krystian Woznicki (Journalist).

    09. Juni | „Was wollen wir vom Staat?“ | 14 Uhr

    Haben Subkulturen lediglich einen Nutzen für Märkte? Oder haben sie eine höhere Bedeutung innerhalb einer Geschichte von Dissidenz? Und wenn ja: Wie sollte der Staat mit Subkultur umgehen? Wie könnte ein neues Verhältnis zwischen diesen Parteien entstehen? Mit: Alice Creischer (Künstlerin), Diedrich Diederichsen (Kulturkritiker), Inga Wellmann (Kulturmanagerin). Moderation: Chris Piallat (Politikwissenschaftler).

    Anm.d.Red.: Alle Fotos von Florian Reischauer piecesofberlin.com.

  • Was für Bedingungen sollten Projekte schaffen, um selbstbestimmte Bildung zu ermöglichen?

    Foto von Andi Weiland (by-nc-sa)
    Was für Grundbedingungen sollten Projekte schaffen, um so etwas wie selbstbestimmte Bildung zu ermöglichen? Das „Labor für DIY-Bildung” hat sich provisorisch an der Beantwortung dieser zukunftsweisenden Frage versucht. Labor-Leiter und Berliner Gazette-Herausgeber Krystian Woznicki bilanziert – Presseschau inklusive. weiterlesen »

  • Medienkompetenz heute: „Man sollte wissen, wann draußen die Sonne scheint.”

    Foto von Andi Weiland (by-nc-sa)
    Sind Medien lediglich Werkzeug und Mittel zum Zweck? Oder sind sie mehr als das? Sollten wir die Werkzeuge durchdringen und im Falle des Falles selbst bauen können? Das waren im „Labor für DIY-Bildung” die Leitfragen des Moduls „Medienkompetenz heute”. Berliner Gazette-Gastredakteur David Pachali hat es geleitet. Hier sein Rückblick. weiterlesen »

  • Learning plays: Was haben Krieg, Wirtschaft und Bildung miteinander zu tun?

    Foto von Andi Weiland (by-nc-sa)
    Was haben Krieg, Wirtschaft und Bildung miteinander zu tun? Wie kann in einem solchen Zusammenhang das Potenzial des individuellen Handelns und Widerstandes entfaltet werden? Was bringen Erklärungen? Im „Labor für DIY-Bildung” inspirierte der Versuchsaufbau des Moduls „Learning plays“ die TeilnehmerInnen zum performativen Erkunden des Themas, angeleitet vom Theatermacher Alexander Karschnia. Berliner Gazette-Gastredakteur Chris Piallat, der das Modul moderierte, zieht eine Bilanz. weiterlesen »

  • Experimentierfeld Schule: Wie können die knöchernen Strukturen überwunden werden?

    Foto von Andi Weiland (by-nc-sa)
    Jedem Modul des „Labors für DIY-Bildung” lag ein Versuchsaufbau zu Grunde. Bei „Experimentierfeld Schule” sah er so aus: einer, der „seit 1000 Jahren Lehrer” ist (Michael Markovicz) und eine, die seit 10 Jahren künstlerisch-praktisch an der Idee der Freien Schule arbeitet (Susanne Stövhase) – sie gaben den Impuls. Ihre Leitfrage: Wie können die knöchernen Strukturen der Bildungsinstitutionen überwunden werden? Die TeilnehmerInnen haben auf dieser Basis in 60 Minuten eigene Projekte entwickelt. Unser Gastredakteur Andi Weiland war der Moderator. Hier seine Eindrücke. weiterlesen »

  • Selbstorganisation von Geist & Körper: Willkommen im Versuchsraum für Bildungsexperimente!

    Foto von Andi Weiland (by-nc-sa)
    Wenn das „Labor für DIY-Bildung” ein Versuchsraum für Bildungsexperimente war, so bot das Modul „Selbstorganisation von Körper und Geist“ in dieser Hinsicht dreierlei: ein Krisenexperiment, ein unerwartetes Ergebnis und eine Erweiterung etablierter Versuchsanordnungen. Der Wissenschaftler und Verleger Dominik Scholl war der Moderator. An dieser Stelle fasst er seine Eindrücke zusammen. weiterlesen »

  • Körpererfahrungen: “Feedback, das man in unserer Gesellschaft sonst nur in einer Partnerschaft erfährt.”

    Foto von Krystian Woznicki (by-nc-sa)
    Das „Labor für DIY-Bildung” begann mit dem Modul „Körpererfahrungen”. In einer Gruppe von 20 Menschen, die einander nicht näher kennen, gibt die Choreographin und Berliner Gazette-Autorin Heike Hennig Anweisungen: „Geht rückwärts, macht die Augen zu, jetzt verschließt eure Ohren.” Eine Stunde lang lassen sich die TeilnehmerInnen auf das kollektive Body Mind Centering ein. Heike Hennig erörtert ihren Ansatz. weiterlesen »

  • Knips das Licht selbst an! andcompany&Co. eröffnen das Labor für Do-It-Yourself-Bildung

    Foto von Sarah Curth (by-nc-sa)
    Mit einem Lecture Concert eröffnete das Berliner Theakterkollektiv andcompany&Co. am vergangenen Dienstag das zweitägige „Labor für DIY-Bildung” im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien. Sabrina Apitz war dabei. weiterlesen »